Wenn Legenden
zurückkehren, ist das immer eine zwiespältige Sache.
Manche tauchen nach Jahren der Versenkung plötzlich wieder
auf, präsentieren ein fades Album und wären wohl doch
besser weiter weiterhin verstummt geblieben. Bei anderen Musikern
kann man es kaum glauben, dass sie sich tatsächlich wieder
zusammengetan haben: Man reibt sich verwundert die Augen, legt
überaus gespannt den neuen Tonträger ein, lauscht
– und ist hingerissen. So passiert ist das bei PINK
TURNS BLUE, einer der besten (deutschen) Gitarrenwavebands
der 80er Jahre. Mit Songs wie Michelle oder Alben wie
Meta lieferten sie echte Meisterwerke
ab. Und nun, elf Jahre nach ihrem letzten regulären Album,
melden sie sich mit Phoenix wieder
zurück – und steigen wie Phoenix aus der Asche. Die
elf Stücke klingen wie PINK TURNS BLUE
zu ihren besten Zeiten – Mitte der achtziger Jahre, als
sie noch puren Wavesound spielten. Die dazwischenliegende Phase
von Alben wie Muzak haben sie zum
Glück vergessen. Und das hier sind PINK TURNS BLUE
in Bestform. Sie haben nicht versucht, ihren Sound irgendwie
krampfhaft auf modern zu trimmen, sondern spielen authentisch
und ungemein überzeugend. Die Stücke leben wie früher
von den melancholischen Sounds, schönen Melodien, den dominierenden
Gitarren und der Verzweiflung, die Sänger Mic Jogwer immer
noch in seiner Stimme hat. Songs wie Good Times oder
Dynamite sind einfach grandiose Dark-Wavepop-Stücke,
die den Hits von früher in nichts nachstehen. Bei Songs
wie Underground sind die Gitarren auch mal ein bisschen
heftiger, alles in allem überwiegen aber die melancholischen
Midtempo-Songs. Es fällt schwer, einzelne Songs hervorzuheben
– egal ob The Lost Son oder Feel My Soul,
alle Songs haben es in sich. Tolles Album – und das Comeback
des Jahres!