MADRUGADA – Chimes At Midnight
 
Label: Warner Music
Release: 28.01.2022
Von: Dajana
Punkte: 7.5/10
Time: 58:36
Stil: Indie Rock
URL: Madrugada
 

Da ist es. Endlich. Das Comeback-Album von MADRUGADA. Lange, sehr lange hatten wir darauf warten müssen, gut 13 Jahre nach Auflösung der Band.
Der so frühe Tod von Gitarrist Robert S. Burås kurz vor der Veröffentlichung des fünften, selbstbetitelten Albums ließ die Erfolgsgeschichte der Norweger abrupt enden. Die verbliebenen Mitglieder wandten sich hernach anderen Projekten oder ihren Solokarrieren zu. Erst das 20-jährige Jubiläum des Debütalbums Industrial Silence brachte Sivert Høyem, Frode Jacobsen und Jon Lauvland Pettersen wieder zusammen und Leben in die einst so erfolgreiche Band. Die Jubiläums-Tour war dann auch solch ein immenser Erfolg (gesehen hier), dass sie noch im selben Jahr direkt wiederholt wurde (zum Beispiel hier), mit ähnlicher Begeisterung. Angesteckt von soviel Enthusiasmus, Liebe und Spielfreude entschieden sich MADRUGADA neue Songs zu schreiben und die Band weiterzuführen.

Chimes At Midnight heißt das sechste Opus und sieht sich einer enormen Erwartungshaltung gegenüber, die das Album am Ende nicht erfüllen kann. Nach den ersten, mit Begeisterung aufgenommenen Hördurchläufen, macht sich nämlich dann doch ein wenig Ernüchterung breit.
Chimes At Midnight orientiert sich ziemlich vorhersehbar an den ersten beiden Alben, zumal einige der Stücke aus Überbleibseln jener Aufnahmesessions entstanden sind. Experimentelle Noten oder Genre-fremde Einflüsse wie seinerzeit auf Grit oder The Deep End sucht man hier vergebens.
MADRUGADA bleiben nach wie vor düster und zutiefst melancholisch. Aber sie haben sich musikalisch ein Stück weit mehr in Richtung Americana mit Country-Einschlag ausgerichtet. Besonders der zweite Track,Running From The Love Of Your Life, erinnert sehr an die Kooperation von Sivert Høyem mit Behemoth's Nergal bei seinem Me And That Man Projekt.

Tatsächlich könnte man sagen, dass Chimes At Midnight wie Industrial Silence klingt, nur mit einer dem Alter geschuldeten Behäbigkeit; mit mehr Americana und ohne die grittigen Gitarren von Robert. Und noch weniger wie das superlässige, sarkastische The Nightly Disease. Generell lebt die Musik von MADRUGADA noch immer weitgehend vom betörenden Bariton des Sängers Sivert Høyem.

Chimes At Midnight startet mit dem Wahnsinns Opener, Nobody Loves Me Like You Do, welcher für MADRUGAGA kaum klassischer sein könnte: Knackige Bässe, ein Hauch von Orchester und ein eingängiger Refrain. Auch das bereits erwähnte Running From The Love Of Your Life macht viel Freude, ebenso das lässige Empire Blues. Bei Dreams At Midnight gibt es tatsächlich auch nennenswerte Gitarren.
Im Gegenzug sind Songs wie das theatralische You Promised To Wait For Me oder The World Could Be Falling Down dann auch besonders gefühlsduselig, schnulzig möchte man fast schon sagen, mit einem Zuviel an schmachtenden, langgezogenen Americana- und Lap-Steel-Gitarren und dramatischen Piano-Klängen. Die Tracks sind mehrheitlich eher ruhig, mal mit cheesy Refrains oder Lalala-Zeilen (Stabat Mater), auch wenn man nicht umhinkommt, genau diese hier und da mitzulalallen.
Insgesamt fehlt es einfach an Schwung, an Energie, an Abwechslung und Knackigkeit, wie man es von den früheren MADRUGADA Alben her kennt. Das ist sehr schade und schmälert den Hörgenuß am Ende dann doch.