Der umtriebige Bassist LINUS KLAUSENITZER, (u.a. Obscura, Thulcandra), ist Meister seines Fachs. Der gute Mann schmiedet allerdings keine hochkomplex technischen Songs, sondern bindet neben feiner Griffbrettakrobatik jede Menge nachvollziehbare Parts und auch leichtverdauliche Grooves oder Hooks mit ein. Wunderschön perlende Akustikgitarren erfreuen den harmoniebedürftigen Metalhead, ehe diese ruhigen Teile von thrashigen Riffs zerhackstückelt werden. Die [Fretless] Bassläufe sind organisch eingewoben und blitzen als Topping immer wieder durch, stehen aber nicht penetrant im Vordergrund. Takt- und Tempowechsel gibt es viele, doch die Gehörgänge verknoten sich nie. Sanfte Passagen und knallharte Attacken halten sich dynamisch die Waage und die Band scheint sich in allen Geschwindigkeiten wohl zu fühlen, denn auch ein Ausflug in hochmelodisch groovende Gefilde (Our Soul Sets Sail) ertrinkt keinesfalls im Kitsch oder erleidet gar Schiffbruch, weil doch immer wieder härtere Töne mit an Bord sind. Leicht verdaulicher Melodic Death mit Anspruch und Tiefgang oder so. Auch der zweistimmige Gesang (Growls und klares Timbre) passt hier gut ins Bild. Entspannt trippige Jam-Sequenzen vermitteln eine unendliche Leichtigkeit des Progressiven, und die frickeligen Parts erschlagen den Hörer nicht mit kopflastiger Schwere. Die melodische Komponente kommt einerseits nie zu kurz, obwohl komplizierte Drums oder rhythmische Spielereien die Aufmerksamkeit schlussendlich herausfordern. Minutenlang entspannt man sich rein instrumental, dann groovt die Musik mit jazziger Lockerheit vor sich hin, legt an Tempo zu und offeriert fließende Taktwechsel.
Auf Tulpa gehen komplexe Rhythmik, sanfte Introvertiertheit und offensives Attackieren eine Symbiose ein – ein herausforderndes Werk zum genauen Hinhören und Genießen!
|