Oha, eine
pechschwarze bedruckte CDR, verpackt in einer edlen silber-schwarzen
Papp-Hülle fliegt bei mir ein. Das Cover allein lässt
auf Hardcore oder New Metal vermuten: drei gesichtslose Herren
in Anzügen, Waffen im Anschlag. Doch schon wieder lasse
ich mich durch eine Aufmachung täuschen: Hier wird ein
unbekanntes Sound-Gebilde zelebriert.
Doch zunächst die Vorstellung der Band... HORRICANE
kommen aus Estland, und zählen laut Info zur populärsten
Metal Combo ihres Landes. So hat man Gigs mit altbewährten
Gruppen wie Vader, Susperia, Fear Factory oder Behemoth im Sack.
Erstaunliche Leistung, gibt es die sechsköpfige Band doch
erst seit anno 2002. Noch lobenswerter ist ja die Tatsache,
dass man es schaffte, in einer so kurzen Zeit einen völlig
eigenen Stil zu kreieren:
Ultra fette und abgrundtiefe Gitarrenriffs im groovig-dissonanten
Stil von Morbid Angel oder stellenweise auch Fear Factory, eine
verdammt kraftvolle Stimme, die irgendwie halb gegrölt,
halb gegrunzt und halb geschrien mir in den Kopfhörer reinkotzt.
Ach ja, da wären ja noch die unzähligen Breaks, präzise
unterstützt von den eher im Midtempo prügelnden Drums,
die mit vielen Fill-Ins (manchmal sogar etwas jazzig) begeistern.
Aber man setzt noch einen drauf: Über all dem schwebt das
krankhafte Keyboard und die sicken Samples, die eine Horror-ähnliche
Atmosphäre erzeugen.
Hier sind Könner am Werk, alles ist ziemlich technisch,
doch man passt gekonnt auf den allgegenwärtigen und knochen-zermalmenden
Groove nicht dadurch zu zerstören.
Wer hätte gedacht, dass in einem Land wie Estland so eine
Produktion durchgeführt werden kann, die sich locker mit
ihresgleichen aus dem Morrisound oder dem Abyss Studio messen
kann! Was für ein Start für die junge Band! Vor allem
der Opener Coup de Gracé bietet dem Hörer
das wahre Gesicht der Band zu erkennen. Doch besitzen irgendwie
alle fünf Tracks etwas aggressiv-hymnenhaftes und gespenstisch-atmosphärisches
(und das von einer Death-Metal Band!). Die Texte sind ziemlich
Death’n Roll, Ausschnitt gefällig? „Hey
you, you know what? Demons are always right.“ , aus
Demon-Strate. Testet HORRICANE unbedingt an,
die Band verdient es aus den gesichtslosen Kapellen-Massen,
erhoben zu werden! Einziger Kritikpunkt: Die Platte ist mit
27 Minuten zu kurz!!!