HARAKIRI FOR THE SKY – Aokigahara

 
Label: Art Of Propaganda
Release: 21.04.2014
Von: Stormlord
Punkte: 10/10
Time: 64:03
Stil: Post Black Metal
URL: Harakiri For The Sky
 

Schon das Debütalbum ließ Großes erahnen – das Zweitwerk Aokigahara erfüllt und übertrifft diese hohen Erwartungen total: Melancholie, Verzweiflung und Aggression verbinden sich zu einem explosiven, spannenden Hörerlebnis, das trotz der Überlänge der Kompositionen jederzeit fesselt und die gute Stunde Spielzeit wie im Fluge vergehen lässt.

Jeder Song besitzt wunderbare Melodieläufe, meistens von der Gitarre gespielt, hin und wieder taucht zur Bereicherung ein Piano auf. Das Tempo wechselt teils überraschend von bedächtig, zurückhaltend zu kompetent harsch vorgetragenen Attacken. Die Stimme geht unter die Haut, hysterisches Gekreische ist dabei die vorherrschende Tonlage. Gastsänger variieren das Gesamterscheinungsbild in gut dosiertem Maße.
Einen absoluten Volltreffer landen HARAKIRI FOR THE SKY für meine Begriffe mit dem zweiten Stück Jhator. Eine Vielzahl von Ohrwurmmelodien zieht sich durch das gesamte Arrangement, neben herzzerreißenden Klargitarren gibt es rasante Abfahrten und die Sogwirkung ist somit unwiderstehlich. Die Musiker schaffen es auch in jedem anderen Track, spannend zu agieren, wenn etwa wehmütige Melodien und Double-Bass kombiniert oder filigrane Akustikpassagen mit Blastbeats gekreuzt werden. Da werden Klangschichten aufgetürmt oder einzelne Gitarrenakkorde allein im spannungsgeladenen Raum stehen gelassen – jedes Teilchen trägt zur dynamischen Wirkung dieses herausragenden Werkes bei. Vieles spielt sich dabei im Hintergrund ab, plakative oder offensichtliche Effekthascherei liegt HARAKIRI FOR THE SKY fern. Oft taucht gegen Ende eines Stückes noch ein Gänsehautriff am Horizont auf; es bleibt also von der ersten bis zur letzten Sekunde variantenreich und detailverliebt.

Die Band versteht es ausgezeichnet, auf der Gefühlsklaviatur des Hörers zu spielen, indem sie den schnellen Parts durch geschickt integrierte Ruhepausen noch eine Extra-Portion Nachdruck und Brisanz verleiht. Die erdrutschartige Gesamtwirkung dürfte alle Agrypnie-Anhänger in ihren Bann ziehen, da wird bei der gemeinsamen Tour garantiert die Post abgehen!