HEAVEN SHALL BURN Antigone
 
Label: Century Media
Release: 26.04.2004
Von: Andi
Punkte: 9
Time: 49:36
Stil: Metalcore
URL: Heaven Shall Burn
 

Nachdem sich HEAVEN SHALL BURN mit ihrem 2002er Hassbrocken Whatever It May Take endgültig in die erste Liga der deutschen Metalcore-Szene katapultiert hatten, durfte man auf den Nachfolger gespannt sein. Würde das Quintett das hohe Niveau des Vorgängers halten können, in welche Richtung würde sich der musikalische Stil entwickeln, welche Auswirkungen hat der Wechsel zu Century Media?
Mit Echoes erklingt dann endlich das Intro von Antigone, das aber sofort aufhorchen lässt. Eine wunderschöne Streichermelodie, untermalt von Klavierklängen und leisen Samples. Die erste Gänsehaut hätten wir also schon.
Das Klavier verschwindet im Hintergrund, die Titelanzeige wechselt zu „2“, und vorbei ist es mit der melancholischen Ruhe. The Weapon Their Fear beginnt als Midtempo-Kracher, immer wieder unterbrochen durch schnellere Passagen und melodische Zwischenparts.
Sofort fallen einem die kraftvolle, saubere Produktion, das hohe Maß an Melodien, das etwas gedrosselte Tempo und der weiterentwickelte Gesang auf. Marcus Bischoffs Stimme hat sich auf Antigone mehr und mehr dem melodischen Element gewidmet, ohne die gewohnte Härte einzubüßen. Klasse!
The Only Truth beginnt als knallharte Double Bass-Bombe, entwickelt sich in der Strophe zum atmosphärischen, leicht spacigen Midtempo-Banger, der aber immer wieder auf das schnelle Anfagsthema zurückgreift. Und wieder dieser einzigartige Gesang, immer auf dem schmalen Grat zwischen Kreischen, Brüllen und Singen. Ein Bär von einem Song.
Mit Fear Factory- ähnlichen Gitarren kommt Architects Of The Apocalypse in Fahrt, nur um nach einigen Momenten in ein relativ schwedisches, fast schon klassisches Metalriff überzugehen.
Voice Of The Voiceless beginnt etwas vorhersehbar, wieder diese an In Flames erinnernden Harmonien, im Gegensatz zu den bisherigen Songs aber nicht so herausragend.
Numbing The Pain hingegen setzt neue Maßstäbe in Sachen harter Musik, da hier verstärkt emotionale Elemente eingebaut werden. Im Grunde genommen handelt es hier um die erste Metalcore- Ballade, die ich bisher gehört habe. Langsam, melancholisch, schon fast depressiv, aber niemals kitschig, mit wuchtigen Gitarren, die einen durch bombastische Mollharmonien ganz, ganz tief herunterziehen. Das gegen Ende des Liedes einsetzende Klavier unterstreicht die Klasse eines Songs, den man so nicht erwarten konnte, denn so etwas schreibt man nur einmal im Leben. Mir gehen hier so langsam auch die Superlative aus, denn besser geht es definitv nicht. Sehr, sehr großes Tennis.
Nachdem man mit To Harvest The Storm wieder in die Realität zurückgeschossen wurde, findet die geplagte Seele im akustischen Zwischenintro Risandi Von, das eine Art Fortsetzung des Intros darstellt, wieder etwas Zeit zum Luftholen, bevor Bleeding To Death wieder alle Trademarks der Band vereint: Beinharte Gitarren, brutales Drumming, die markanten Vocals - mal aggressiv, mal clean und harmonisch, und immer wieder diese eingängigen Melodien.
Wer jetzt noch die etwas hektische Aggression von Whatever It May Take vermisst, wird mit Tree Of Freedom zufrieden sein, einem Kracher vor dem Herrn, der zum Mittelteil hin die Handbremse anzieht und harmonisch-langsam auf den wieder schnellen Schluss hinarbeitet. Ähnlich wie Voice Of The Voiceless aber nicht so herausstechend wie der Rest.
Mächtig und mit einem kurzen Sample unterlegt beginnt der finale Killer The Dream Is Dead.
Marcus gibt hier nochmal alles, in Sachen Brachialität genauso wie in melodischer Hinsicht.
Ein würdiger Abschied von Antigone, der im Outro Deyjandi Von mündet.

Mit diesem Album stehen HEAVEN SHALL BURN ganz, ganz weit oben, selbst die „Superstars“ der Szene, Hatebreed oder Killswitch Engage können von Antigone noch lernen. Auch wenn zwei oder drei Songs nicht die Klasse der restlichen Knaller halten können - was somit das Erreichen der Höchstnote verhindert - , ist diese CD ein düsteres Meisterwerk, das durch den Übersong Numbing My Pain und das überdurchschnittlich hohe Niveau Maßstäbe setzen wird.