Die Attribute gefühlvoll,
stimmig und unterhaltsam vermögen Below The Ever
Setting Sun am besten zu beschreiben. Dabei bewegen
sich die Musiker im Spannungsfeld von Anathema und Klimt 1918,
haben zusätzlich auch noch eine gehörige Portion
knallige Rock-Power mit an Bord. So geraten die 4 Songs mit
dem kurzen Prelude zu einer rundum gelungenen Sache, manchmal
halten sich die Herren stilvoll zurück und geben den
leisen Tönen den Vortritt; sie können aber auch
ganz schön losrocken, so dass aus einer feinfühligen
und filigranen Spielweise zu keiner Zeit Langatmigkeit oder
gar Langeweile entsteht. Die Stücke sind allesamt erdig
und bodenständig, aber trotz der scheinbaren Einfachheit
tiefgründig und fordernd. Die eindringliche Stimme von
Sänger Tim, der wunderschöne Gesangsharmonien zum
besten gibt, aber auch ein bisschen leidend den Emotionen
viel Tiefe verleiht, taucht die Musik in ein abwechslungsreiches
Gefühlsbad. Überraschenderweise packt der gute Mann
am Ende sogar seine aggressive Stimmfärbung aus und gibt
dem Abschlußstück Broken eine verzweifelt-aufbegehrende
Intention. Dass die Klänge nicht kitschig werden, dafür
sorgen die kraftvollen Gitarren, wie etwa im ersten Titel
Say Goodbye, doch auch das Titelstück Below
The Ever Setting Sun schlägt drückende Rockakkorde
an. In diesem Fall schmachtet der Barde Tim, die Gitarren
spielen eine elegische Weise und erinnern in angenehmster
Art an Anathema. Hier lassen GREY WATERS auch eine
orchestrale Note mit einfließen.
Überhaupt
klingt der Sound der Band im Gegensatz zum tristen Bandnamen
ganz und gar nicht traurig, sondern hoffnungsvoll und positiv.
Ich kann mir Below The Ever Setting Sun jedenfalls
mit Genuss mehrmals hintereinander anhören, weil ich
die pulsierende Emotionalität und Kraft in den Songs
ebenso wie den Breitwandsound mag. GREY WATERS machen
einfach Lust auf mehr – also, beeilt euch mal mit einem
vollen Album, Jungs!