Die gute
Nachricht: die GRABNEBELFÜRSTEN sind weniger
chaotisch als früher und leichter zugänglich, haben
allerdings nichts mit leicht verdaulicher Musik zu tun. Die
Songstrukturen sind zusammenhängender und in jedem Liedchen
gibt es gefällige Teile. Die Fürsten haben es aber
immer noch nicht geschafft, einen durchgehend packenden und
spannenden Titel zu erschaffen, sind allerdings auf dem besten
Weg dazu. Ausnahme: Der Titel Traum, in über 10 Minuten
kann hier eine sehr ansprechende Atmosphäre geschaffen
werden, mehr davon bitte! Zu oft regiert noch das Motto: Hau
den Lukas und das so schnell wie möglich! Von der Herangehensweise
des Komponierens erinnern sie entfernt an Nocte Obducta (wie
im Akustikteil von Zwillinge) und die kranke Atmosphäre
ist beiden Bands gemein, genau so wie die Überlänge
mancher Songs, so überspringen 2 Lieder sogar die 10 Minuten
Marke. Und genau in diesen langen Songs können sie die
Stimmung richtig gut aufbauen und gehen abwechslungsreich zu
Werke, wobei mir die getragenen Teile bei weitem mehr zusagen,
bevor der Knüppel wieder zuschlägt.
Die GRABNEBELFÜRSTEN
definieren sich eher durch dunkle, morbide Gefühle und
Stimmungen als durch spielerische Glanzleistungen oder technische
Frickelparts. Das soll nicht heißen, dass die Jungs an
den Instrumenten nicht fit wären, doch die Band ist in
den schnellen Teilen zu gesichtslos um sich nur über Musik
definieren zu können. Die Gefühlsebene ist wichtiger
und hier kann man den Hörer durchaus fesseln. Die Stimme
von Sturm Deiner Winter (nettes Pseudonym!) ist nach wie vor
als leicht wahnsinnig und schräg zu klassifizieren (mal
klar und dann wieder rau eingesetzt) und selbiges gilt auch
für die Texte. Mir ist das Ganze zu abgedreht und hektisch,
aber vielleicht habe ich auch nur nicht die Geduld, mich ins
Material hinein zu graben? Mir fehlt jedenfalls auch nach dem
siebenten Durchlauf der Zugang zum musikalischen Palast der
GRABNEBELFÜRSTEN – ich kann vereinzelt
immer wieder ansprechende Passagen finden, für mehr reicht
es (noch) nicht. So würde ich Schwarz Gegen
Weiß auch nur toleranten Zeitgenossen mit
Hang zu morbider Atmosphäre zum Genuss dieser Scheibe raten.