Wenn
du eine Scheibe in der Hand hältst, auf der GORESOERD
und Goremarket Mid-Prices drauf steht, was erwartest
du dann musikalisch? Genau! Tonnen von Gedärmen, ultra-sicke
Vocals und Gegurgel, bis ins Nirvana runtergestimmte Gitarren
usw. Musikalisch kann ich dir da schon mal locker den Zahn ziehen,
da gibt’s Grindcore mit einigen musikalischen Eskapaden,
doch dazu gleich mehr. Inwieweit sich die lyrischen Ergüsse
im Gore wieder finden, kann ich nur anhand des YouTube Vids
zum Titelsong festmachen, demnach auch nix mit Gore. Da wird
munter über Eiscreme und Knoblauch Shopping abgesungen
und wie toll es ist, in einem Haus zu wohnen, in dem man alles
kaufen kann. Warum das die Kollegen aus Estland auf ihrer zweiten
Veröffentlichung unter Gore packen? Keine Ahnung. Gut,
aber das ist nur einer von 17 Songs, bei denen der längste
Track 2:04 dauert. Bei einer Gesamtspielzeit von ca. 24 Minuten
bleiben für die restlichen 16 gerade mal 22 Minuten. Für
den Grinder eine tolle Spielzeit, allerdings sprach ich auch
schon musikalische Eskapaden an. Die ersten Tracks knallen richtig
gut, weisen eine gute Mischung aus Blast und Mid-Tempo Parts
auf, bis dann mit Scratches ein nahezu tanzbarer Bitch Hard
The Girls Squad aus den Boxen kommt, der überflüssigerweise
mit Hitler-Propaganda Schrott abgerundet wird. In den folgenden
Songs versucht man gesangstechnisch ganz dabei zu sein, indem
man die üblichen Screams und Growls mit Macabre oder Agnostic
Front ähnliche Vocals „verfeinert“ oder auch
mal ein „Hey“ einbaut. Musikalisch sind die Tracks
bis dahin noch so weit druckvoll, treibend, wenn auch mit mehr
Groove als Kills versehen. Track Nr. 10 Give Me Some Shit
lässt dann aber doch die Frage auf, von wem GORESOERD
wann das Zitat geklaut haben, Freunde, was soll das?! Wenn ich
tanzen gehen will, gehe ich nicht auf einen Goremarket. Spätestens
beim 13. Track Pop Rock Cowboy platzt mir dann aber vollends
der Arsch, denn hier gibt’s tatsächlich die im Titel
versprochene Musik. Auch lasse ich noch ein Pfeifen in irgendeinem
Track über mich ergehen, höre noch einen gelungenen
Mix aus Ich-baller-in-die-Fresse-Core und lahmen Songwriting
und frage mich letztendlich, ob ich einfach nur nicht den Humor
habe wie GORESOERD. So wird’s wohl sein. Bei diesem
Album Titel müssen sich die Esten allerdings auch die Situationskomik
gefallen lassen, ob tatsächlich ein Die-Hard Fan für
eine lauwarme, schlecht gewürzte Brühe auf einem Goremarket
Mid-Prices ein Schnäppchen schießen will
oder doch lieber der musikalischen Verrottung bis zum Low-Price
beiwohnen möchte.