Ich mag die schöne Verpackung im Digi mit schwarzer CD, da ist optisch und haptisch schon mal ein positiver Anfang gemacht – und musikalisch startet Aus Der Asche mit der stimmungsvollen Einleitung Der Aufstieg, passend zum Bandnamen mit Vogelschreien unterlegt.
Dann geht es mit einer Mischung aus sowohl rhythmisch akzentuiertem als auch blitzschnell dargebotenem Black Metal bei Nebel Und Regen intensiv los. Fein werden filigrane Gitarrenmelodien eingewoben und addieren eine Prise Harmonie, doch hasserfüllt peitschende Aggression dominiert größtenteils die Szenerie. Kurz und prägnant kommen die ersten Stücke konsequent auf den Punkt, furiose Geschwindigkeit wird von groovigen Passagen und akustischen Einsprengseln durchbrochen. Mir fehlt der eine oder andere griffige Refrain als Widerhaken, sodass etwa Sühne Und Schmerz ein wenig ereignislos an mir vorbeirauscht. Spannender zeigen sich das teils elegischere Seelenasche und die längeren Werke am Ende der Veröffentlichung, da man sich hier mehr Zeit nimmt, um die Ideen atmen zu lassen. Blutleere Stille offeriert einen dynamischen Aufbau, beginnend mit einer sanften Eröffnung, abgelöst von giftigen Vocals und halsbrecherischem Tempo, ehe später eine Sprechstimme und melancholisch getragene Riffs den Song in eine sehr ruhige Schlusssequenz mit Lagerfeuerknistern und schamanisch anmutenden Flötenklängen überleiten – ganz und gar nicht blutleer und still also!
Noch epischer und breitspuriger überrascht das große Finale Der Abgrund: bedrohliche Soundwände, eine Mischung aus Growls und garstigem Gekeife sowie messerscharfes Riffing kehren die aggressive Seite hervor, doch im Hintergrund tauchen fein gezwirbelte Melodien auf und auch groovige Akkorde sprechen ein Wörtchen mit. Klangschichten werden opulent übereinandergestapelt und brechen ohne Vorwarnung abrupt nach fast 10 Minuten in sich zusammen.
DER ROTE MILAN jagt meist in schwindelerregender Geschwindigkeit, so richtig durchschlagskräftig erlegt er seine Beute hier in diesem Fall aber nur in variabler Art und Weise, wenn er sich mehr Zeit nimmt und seine Zielgruppe mit ausladenden Methoden ins Visier nimmt und letztlich gnadenlos zupackt.