DIMMU BORGIR – Death Cult Armageddon

 
Label: Nuclear Blast
Release: 08.09.2003
Von: Medion
Punkte: 7/10
Time: 65:46
Stil: Black Metal
URL: Dimmu Borgir
 
Gehasst, verdammt, vergöttert – so könnte man DIMMU BORGIRs Status in der extremeren Metal-Szene wohl am ehesten zusammenfassen. Nach zwei Underground-Scheiben kam 1997 mit Enthrone Darkness Triumphant der große Durchbruch, welcher die Norweger schlagartig zur Speerspitze des modernen Black Metal machte und zugleich Neider, Puristen und Mainstream-Gegner gegen sich wendete. Nachdem sie mit Puritanical Euphoric Misanthropia schließlich Anfang des neuen Jahrtausends DEN Meilenstein schlechthin ablieferten, und mit Hilfe von Industrial-Parts, Stimmeffekten und einem kleinen Orchester den melodischen Black Metal auf die Spitze trieben, waren die Erwartungen groß auf das neue Album.
Und zumindest die Plattenfirma scheint voller Zuversicht auf den Release von Death Cult Armageddon zu blicken, wurde doch bereits vor einem Monat die riesige Marketingmaschinerie rund um das Sextett gestartet. Gerechtfertigt oder nicht? Schwer zu beantworten… Denn Death Cult Armageddon ist vor allem eines: düster. Keines ihrer vorherigen Alben hat bislang so steril, finster und klaustrophob geklungen, keines war dermaßen „kalt“. Konnte man nach PEM noch damit spekulieren, dass DIMMU mehr in Richtung „modernen“ Industrial-Sounds oder vermehrten Heavy Metal Riffing schielen würden, zeigen einem die Norweger mit dem neuen Output den Mittelfinger. (Melodischer) Black Metal regiert, wenngleich der Trash-Anteil deutlich nach oben geschraubt wurde. Fast schon in old-school-Manier lärmen sich die Kinder der Nacht durch ihre Songs, wäre da nicht ein 50-köpfiges Orchester mit am Start, welches DIMMU BORGIR erneut an der Spitze der modernen Black Metal-Bewegung etabliert. Denn dort wo Cradle of Filth mit dem Einsatz echter klassischer Instrumente auf Damnation And A Day kläglich scheiterten, setzen die Norweger das Orchester als gleichwertiges Instrument ein, um darauf wesentliche Melodieböden aufzubauen und gelegentlich fast schon wirkliches Soundtrack-Feeling aufkommen zu lassen. Wenn Death Cult Armageddon der Soundtrack zum Herr der Ringe ist, so stellt Progenies Of The Great Apokalypse die Vertonung der Schlacht um Mittelerde dar und dient als Paradebeispiel für nie zuvor in dieser Weise gehörten Bombast.
Doch genau in dem Punkt fehlt DCA wieder das, was ich auch schon an den Vorgänger-Alben DIMMU’s vermisste: das Durchhaltevermögen. Während eine Band wie Emperor sich immer dadurch auszeichnete, perfekte ALBEN abzuliefern, beschränken sich Shagrath & Co nach wie vor auf einzelne SONGS. Denn so fantastisch Tracks wie Allegiance oder Blood Hunger Doctrine auch klingen mögen, so langweilig und unspektakulär präsentieren sich bspw. Lepers Among Us oder Cataclysm Children.
Es steht außer Zweifel, Death Cult Armageddon markiert anhand von einigen Überfliegern und der perfekten Produktion einen neuen Höhepunkt in DIMMU BORIGRs Karriere. Trotzdem wäre eine Band, die einen so göttlichen Track wie Eradication Of Instincts Defined schreiben kann, zu mehr befähigt als dem hier gebotenen. Schade!