Der neueste
Avantgarde Output L’être las –
l’envers du miroir hat nun mal gar nichts
mit Metal zu tun. DARK SANCTUARY’s nunmehr
fünftes Meisterwerk (oder dritte Langrille, da zwei EP’s)
ist ein pures, tief melancholisches und düsteres Album.
Das französische Sextett selbst beschreibt seine Musik
als Dark Atmospheric Music, was hervorragend passt, da es trotz
der neoklassischen Grundausrichtung einen gewissen Hauch gotischer
Atmosphäre verströmt.
Die Musik ist geprägt von ausschließlich klassischen
Instrumenten mit dem Schwerpunkt auf dem Violinen Ensemble (inszeniert
durch Eliane und Marguerite). Aber auch dezent gehaltene Piano
Melodien setzen Akzente, ebenso wie vereinzelt recht wuchtig
eingesetzte Percussions, die aber nicht den herkömmlichen
(Metal-) Standards folgen. Vereinzelt lässt sich auch eine
Akustikgitarre vernehmen, z.B. in L’envers du miroir,
wie es auch hier und dort typisch mittelalterliche Instrumentierungen
gibt, die aber L’être las – l’envers
du miroir keineswegs in jene Richtung drehen,
sondern einfach nur Akzente setzen. Eine besondere Ausstrahlung
vermag die Bombarde – ein sonst eher aggressiv klingendes
typisch bretonisches Blasinstrument – zu vermitteln. Um
eine gewisse Tiefe in der Musik zu erreichen, setzt man im Hintergrund
Keyboards ein, die einen dichten unaufdringlichen Soundteppich
weben. Sicherlich würde ein ganzes Orchester viel besser
klingen, aber wer kann sich das heute schon leisten.
Getragen wird die Musik von der Stimme der Dame Pandora, welche
klar und kraftvoll ist. Die Dame Pandora bewegt sich nicht in
opernhaften Bereichen oder gar engelsgleichem Gequietsche, sondern
intoniert im normalsterblichen Rahmen aber das mit intensiver
Ausdrucksstärke. Teilweise ist der Gesang geschichtet oder
mehrstimmig angelegt und mutet beinahe als Chor an, was dem
Gesang ein einzigartiges Flair verleiht. Einige Male tauchen
z.B. bei Silence macabre und Loin des mortels
spoken words von einem der Herren des Sextetts auf.
L’être las – l’envers du
miroir muss man als Gesamtwerk und auch wohl als
Gesamtkonzept betrachten. Einzelne Passagen herauszuheben ist
praktisch unmöglich. Von Insgesamt 14 Stücken sind
ein drittel Zwischenspiele, die jeweils Brücken zum nächsten
Track bilden.
Textlich geht es um die Schönheit des sphärischen
Lebens in Kälte, ohne einen Körper aus Fleisch und
Blut, ohne die Peinigungen der Realität, der Suche nach
dem erfüllenden Tod und den reißerischen Flamen der
Ewigkeit, der endlosen Umarmung der Dunkelheit.
L’être las – l’envers du
miroir ist ein sehr wandlungsfähiges Album.
So mutet es manchmal wie eine Kammermusik an, dann hat es die
epische Breite eines Soundtracks, um wiederum auf Grund energetischer
Ausbrüche der Percussions nach gothiclastigen Gefilden
zu greifen.
Wer
Vergleiche benötigt, um diese Art von Musik irgendwo einzuordnen
sei an Elend verwiesen, und reduziere deren grandiose Trilogie
um den Horror- und avantgardistischen Faktor.
DARK SANCTUARY ist Musik für die Sphäre
der Sinne!