DARK SANCTUARY L’être las - l’envers du miroir 
 
Label: Avantgarde Music
Release: November 2002
Von: Dajana
Punkte: 8.5/10
Time: 73:09
Stil: Dark Atmospheric/Neoklassic
URL: Dark Sanctuary
 

Der neueste Avantgarde Output L’être las – l’envers du miroir hat nun mal gar nichts mit Metal zu tun. DARK SANCTUARY’s nunmehr fünftes Meisterwerk (oder dritte Langrille, da zwei EP’s) ist ein pures, tief melancholisches und düsteres Album. Das französische Sextett selbst beschreibt seine Musik als Dark Atmospheric Music, was hervorragend passt, da es trotz der neoklassischen Grundausrichtung einen gewissen Hauch gotischer Atmosphäre verströmt.
Die Musik ist geprägt von ausschließlich klassischen Instrumenten mit dem Schwerpunkt auf dem Violinen Ensemble (inszeniert durch Eliane und Marguerite). Aber auch dezent gehaltene Piano Melodien setzen Akzente, ebenso wie vereinzelt recht wuchtig eingesetzte Percussions, die aber nicht den herkömmlichen (Metal-) Standards folgen. Vereinzelt lässt sich auch eine Akustikgitarre vernehmen, z.B. in L’envers du miroir, wie es auch hier und dort typisch mittelalterliche Instrumentierungen gibt, die aber L’être las – l’envers du miroir keineswegs in jene Richtung drehen, sondern einfach nur Akzente setzen. Eine besondere Ausstrahlung vermag die Bombarde – ein sonst eher aggressiv klingendes typisch bretonisches Blasinstrument – zu vermitteln. Um eine gewisse Tiefe in der Musik zu erreichen, setzt man im Hintergrund Keyboards ein, die einen dichten unaufdringlichen Soundteppich weben. Sicherlich würde ein ganzes Orchester viel besser klingen, aber wer kann sich das heute schon leisten.
Getragen wird die Musik von der Stimme der Dame Pandora, welche klar und kraftvoll ist. Die Dame Pandora bewegt sich nicht in opernhaften Bereichen oder gar engelsgleichem Gequietsche, sondern intoniert im normalsterblichen Rahmen aber das mit intensiver Ausdrucksstärke. Teilweise ist der Gesang geschichtet oder mehrstimmig angelegt und mutet beinahe als Chor an, was dem Gesang ein einzigartiges Flair verleiht. Einige Male tauchen z.B. bei Silence macabre und Loin des mortels spoken words von einem der Herren des Sextetts auf.
L’être las – l’envers du miroir muss man als Gesamtwerk und auch wohl als Gesamtkonzept betrachten. Einzelne Passagen herauszuheben ist praktisch unmöglich. Von Insgesamt 14 Stücken sind ein drittel Zwischenspiele, die jeweils Brücken zum nächsten Track bilden.
Textlich geht es um die Schönheit des sphärischen Lebens in Kälte, ohne einen Körper aus Fleisch und Blut, ohne die Peinigungen der Realität, der Suche nach dem erfüllenden Tod und den reißerischen Flamen der Ewigkeit, der endlosen Umarmung der Dunkelheit.
L’être las – l’envers du miroir ist ein sehr wandlungsfähiges Album. So mutet es manchmal wie eine Kammermusik an, dann hat es die epische Breite eines Soundtracks, um wiederum auf Grund energetischer Ausbrüche der Percussions nach gothiclastigen Gefilden zu greifen.
Wer Vergleiche benötigt, um diese Art von Musik irgendwo einzuordnen sei an Elend verwiesen, und reduziere deren grandiose Trilogie um den Horror- und avantgardistischen Faktor.
DARK SANCTUARY ist Musik für die Sphäre der Sinne!