Mute
Boy Sad Girl beginnt mit dem Titeltrack und gibt
die Richtung der Platte vor: Ein unglaublich sanftes, eindringliches
und warmes Gitarren-Lied, mit gefühlvoller Stimme vorgetragen.
Diese Stimmung können Markus B. und Mitstreiter Schwadorf
alias AUTUMNBLAZE auch auf den folgenden acht
Tracks halten – selten habe ich eine CD gehört, die
eine solch melancholische, aber klischeefreie Atmosphäre
verbreitet.
Die Songs kommen durchaus nicht immer nur ganz ruhig daher,
I Never Felt Like This Before zum Beispiel hat auch
harte Gitarrenparts zu bieten. Das gleichen die beiden Musiker
aber mit der dominierenden Akustikgitarre wieder aus, ohne dass
Lagerfeuerromantik aufkommt. Dazu gibt es auch viel zu viele
ungewöhnliche Elemente in den Liedern: The Nature Of
Music überrascht zum Beispiel mit leise knarzenden
Hintergrundgeräuschen. Oder Can’t Save Anyone:
der Song beginnt ruhig mit feinem Schlagwerk, um dann regelrecht
aufzubrechen mit heftigeren Gitarren – der Wechsel zwischen
leise und laut, still und heftig ist einfach toll.
Ihre Seele erhält die Musik aber durch den ausdrucksstarken
Gesang von Markus B. – er singt seine schönen Lyrics
sehr gefühlvoll, beinahe zärtlich.
Musikalisch einzugrenzen sind AUTUMNBLAZE nicht
– manchmal blitzt ein bisschen Cure oder ein bisschen
Muse durch, und auch der Einfluss von Schwadorf (u.a. Empyrium)
ist nicht zu überhören - aber das Duo schafft eine
viel zu eigenständige, beinahe magische Stimmung, als dass
sie so leicht zu fassen wären. Daran ändert auch das
Cure-Cover Cold nichts, das in dieser Interpretation
noch melancholischer erscheint.
Einfach wunderbar. Das ist Musik zum Hin- und Zuhören,
die perfekte Platte für den Herbst.