ANOMALIE – Visions

 
Label: Art Of Propaganda
Release: 17.03.2017
Von: Stormlord
Punkte: 8.5/10
Time: 51:18
Stil: Post Black Metal
URL: Anomalie
 

Sieben musikalische Visionen werden auf dem dritten Album von ANOMALIE in epische Klangformen gegossen. Geboten wird eine Mischung aus heimeligen Akustikparts und sphärischen Gesängen, die fließend in moderaten Black Metal inklusive verzweifelter Stimme übergehen. Eine wunderbar sakrale, mystisch-erhabene Stimmung trägt bisweilen zu einem entspannten Ambiente bei, doch  ANOMALIE vergessen keinesfalls auf den harten, metallischen Anteil, der jedoch nicht chaotisch zutage tritt, sondern von intelligent eingesetzter Dynamik geprägt ist. Die Melodien sind nicht plakativ und süßlich, sondern ziehen unauffällig im Hintergrund ihre Bahn. Eingängige Refrains oder kurze Hitsingles sucht ihr auf diesem Werk vergeblich, denn im Vordergrund steht die teils dunkel-machtvolle, dann wieder nachdenkliche Atmosphäre. Mechanische Ambient-Klänge kommen beim passend betitelten Vision III: A Monument anfangs zum Einsatz, bevor doomige Sequenzen mit Chören vermischt werden und eine finster tönende Basis bauen. Wunderbare Akustikgitarren steuern harmonische Parts bei, die jedoch jäh von wütender Aggression zermalmt werden. Mittelschnell groovende Rhythmen komplettieren das dynamisch wogende, vielseitig wirkende Gesamtwerk, das keinesfalls zur bloßen Berieselung im Hintergrund geeignet ist, will es in seinem Facetttenreichtum vollends erfasst werden. 
Sehr gut gelingt die Verquickung von perlenden Gitarrenparts und einer heftigeren, blastbeatdominierten Klangschicht beim 4.Teil Illumination, ehe im Schlusspart eine schöne Pianomelodie das Ohr verzückt.
So geben sich verschiedene Tempi und Stimmungsfarben die Klinke in die Hand, sodass am Ende ein stimmiges, berührendes und doch unterschwellig wütendes, manchmal unvermittelt aggressiv ausbrechendes Album für über 50 Minuten emotionale, tiefgehende Unterhaltung bietet. Die Balance zwischen Lagerfeuerromantik und verzweifelten Ausbrüchen gelingt wunderbar und überzeugt sowohl den Harmoniesüchtigen als auch den Freund wohldosierter musikalischer Wut.