Langsam,
gleichförmig und atmosphärisch schlängelt sich
die Musik der Portugiesen in den ersten Minuten dahin - gut
gelungener sonorer Gesang prägt die Musik neben sanft mäandernden
Gitarrenriffs; dann mischt sich eine hintergründige Growlstimme
mit ein und das Tempo wird minimal angezogen. Schön gestaltete
Gesangsharmonien und ein ausufernder, von Gitarren dominierter
Instrumentalteil übernehmen das Kommando, ehe sich eine
extrem zurückhaltende Stimmung breitmacht, die nur von
Sprechgesang und feinfühlig reduzierter Instrumentierung
getragen wird. Ein moderater Aggressionsschub reißt das
Stimmungsruder wieder herum, sodass sich schon im Verlauf der
eröffnenden Stücke Neophyte und Os Vultos
die spannende Komponierweise von A DREAM OF POE deutlich
zeigt.
Wunderbaren Gesang und atmosphärische Klangwelten zelebrieren
A DREAM OF POE auch während Lady Of Shalott.
Das Stück Liber XLIX ist danach ein bisschen aggressiver
angelegt, was vor allem am unterschwellig wütenden Gesang
liegen dürfte. Auch The Lost King Of The Lyre setzt
mit eingestreuter Doublebass die moderate Aggression fort, bevor
das epische Abschlusswerk Chrysopoeia noch zu einem ausgedehnten
Streifzug durch düstere Stimmungstäler einlädt.
Für mich klingt die Band von der Stimmung her wie My Dying
Bride, ohne die heftigen Death Metal Ausbrüche. Die Stimme
dürfte hingegen Anhängern der famosen The Foreshadowing
gefallen.
Durch den niemals radikalen, doch dezenten Wandel innerhalb
der recht langen Stücke ergeben sich jede Menge spannungsvoller
Stimmungsbögen, die The Mirror Of Deliverance
zu einer harmonischen, variablen und auch kurzweiligen Angelegenheit
werden lassen.