VILE – The New Age Of Chaos

 
Label: Listenable
Release: 28.09.2005
Von: Defiance
Punkte: 7/10
Time: 30:00
Stil: Death Metal
URL: Vile
 

2005 ist für Metal ein Jahr des Wandels. Wir befinden uns in der Morgendämmerung eines neuen Metal-Zeitalters, in dem bekannte Stile zu einer neuen und inspirierenden Musik verschmelzen.
Viele Bands meinen dennoch, dass es nicht das Gelbe vom Ei sein kann, schamlos treue Fans zu schocken und verfallen darum in eine Art „Erstalbum-Ratlosigkeits-Depression“. Andere Bands agieren nach dem Motto „Augen zu und durch“, halten an ihren Erfolgsrezepten fest und vertrauen darauf, dass die eingefleischten Fans immer wieder denselben Salm kaufen, egal wie oft er inzwischen wiedergekäut wurde.
VILE kennen die oben erwähnten Probleme überhaupt nicht und machen einfach damit weiter, einfach immer besser zu werden. Sie tun das zwar gemächlich und umsichtig, aber nichtsdestotrotz... sie werden tatsächlich immer stärker.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1995 haben VILE einige echt starke Sachen raus gehauen und dabei oft das packendste, groove-orientierte Klampfengezupfe abgeliefert, das bis heute in der US-Metal-Undergroundszene geortet wurde. Einst ein Geheimtipp, aber jetzt - meiner Überzeugung nach - auf dem richtigen Weg, alle bisherigen Einschätzungen in zu übertreffen... und zur dominierenden Macht zu werden.

VILE haben sich erneut vom Komponisten und Produzenten Colin Davis betreuen lassen und dabei wiederum mit ihren eigenständigen Stil-Mix eine höhere Stufe der Evolution erreicht, indem sie dem erprobten und bewährten VILE-Groove konsequent (und willkommen) mehr Black Metal Elemente hinzufügten. (Und wenn es groovt, dann groovt es RICHTIG.) Das ist ein ziemlich beeindruckender Plan, wenn es denn so funzt … Und genau hier findet man auch den kleinen Makel des Albums, denn dieser Plan geht auf The New Age Of Chaos nur teilweise auf. Natürlich gibt es ein paar wahre Momente auf diesem Album, die mich aufspringen und bei voller Lautstärke durch die Butze rocken ließen...

Seit ich vor vielen Monden auf einem Relapse Sampler einen Song von ihrem Demo gehört habe, bin ich ein Fan von VILE; der krasse Death Metal war gut, aber darüber hinaus hatten sie einen Groove, der vielen Bands fehlt oder von dem diese anderen Bands nichts wissen wollen.
Als ein Fan dieser Band, die sich einige Male durch hässliche Besetzungswechsel kämpfen musste und trotzdem immer wieder aufgestanden sind, erhoffte ich bei Colin und seiner Mannschaft einen Aufstieg und den haben sie geschafft.

Wie schon gesagt, es gibt da etliche ruhmreiche Momente mit brillant ineinander greifenden Riffs und Tempowechseln, echt chaotischen Drums und Bässen und elektrisierend gezwitscherten klassischen Soli. Bestes Beispiel das Riff am Ausgang von Suicide Warfare... bestes VILE-Handwerk mit grandiosem Groove. Die Eröffnung von Devour (mit dem gigantisch brillanten BM-Riff-Teil) und beim nachfolgenden Stück Deafening Silence sind VILE in Bestform... und ich für meinen Teil weiß das zu schätzen.
Die Produktion ist wie üblich großartig und der ganze Sound durchgängig noch klarer, die Gitarren kommen super und man kann auch dann noch jedes gewünschte Detail heraushören, wenn VILE fröhlich drauflosfetzen.
Die einzige Schwäche des Albums ist für mich, dass die Magie der ersten fünf Stücke nicht aufrechterhalten werden kann; ist einfach irgendwie im Sande verlaufen und hinterließ mich ein wenig gelangweilt bis zum sehr seltsamen (und geilen) Rausschmeißer.

Alles in allem ist The New Age Of Chaos ein großartiges Album und die Fans der Band werden es lieben... wenn nicht… kannst man sich stattdessen eigentlich auch die Kugel geben... denn das hier ist ein schönes Stück brutalen Death Metals.

Ich freue mich auf die weitere Entwicklung von VILE, werde mir dieses Material live geben und für neue Glanzstücke beten...