2005 ist
für Metal ein Jahr des Wandels. Wir befinden uns in der
Morgendämmerung eines neuen Metal-Zeitalters, in dem bekannte
Stile zu einer neuen und inspirierenden Musik verschmelzen.
Viele Bands meinen dennoch, dass es nicht das Gelbe vom Ei sein
kann, schamlos treue Fans zu schocken und verfallen darum in
eine Art „Erstalbum-Ratlosigkeits-Depression“. Andere
Bands agieren nach dem Motto „Augen zu und durch“,
halten an ihren Erfolgsrezepten fest und vertrauen darauf, dass
die eingefleischten Fans immer wieder denselben Salm kaufen,
egal wie oft er inzwischen wiedergekäut wurde.
VILE kennen die oben erwähnten Probleme
überhaupt nicht und machen einfach damit weiter, einfach
immer besser zu werden. Sie tun das zwar gemächlich und
umsichtig, aber nichtsdestotrotz... sie werden tatsächlich
immer stärker.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1995 haben VILE
einige echt starke Sachen raus gehauen und dabei oft das packendste,
groove-orientierte Klampfengezupfe abgeliefert, das bis heute
in der US-Metal-Undergroundszene geortet wurde. Einst ein Geheimtipp,
aber jetzt - meiner Überzeugung nach - auf dem richtigen
Weg, alle bisherigen Einschätzungen in zu übertreffen...
und zur dominierenden Macht zu werden.
VILE
haben sich erneut vom Komponisten und Produzenten Colin Davis
betreuen lassen und dabei wiederum mit ihren eigenständigen
Stil-Mix eine höhere Stufe der Evolution erreicht, indem
sie dem erprobten und bewährten VILE-Groove
konsequent (und willkommen) mehr Black Metal Elemente hinzufügten.
(Und wenn es groovt, dann groovt es RICHTIG.) Das ist ein ziemlich
beeindruckender Plan, wenn es denn so funzt … Und genau
hier findet man auch den kleinen Makel des Albums, denn dieser
Plan geht auf The New Age Of Chaos
nur teilweise auf. Natürlich gibt es ein paar wahre Momente
auf diesem Album, die mich aufspringen und bei voller Lautstärke
durch die Butze rocken ließen...
Seit ich
vor vielen Monden auf einem Relapse Sampler einen Song von ihrem
Demo gehört habe, bin ich ein Fan von VILE;
der krasse Death Metal war gut, aber darüber hinaus hatten
sie einen Groove, der vielen Bands fehlt oder von dem diese
anderen Bands nichts wissen wollen.
Als ein Fan dieser Band, die sich einige Male durch hässliche
Besetzungswechsel kämpfen musste und trotzdem immer wieder
aufgestanden sind, erhoffte ich bei Colin und seiner Mannschaft
einen Aufstieg und den haben sie geschafft.
Wie schon
gesagt, es gibt da etliche ruhmreiche Momente mit brillant ineinander
greifenden Riffs und Tempowechseln, echt chaotischen Drums und
Bässen und elektrisierend gezwitscherten klassischen Soli.
Bestes Beispiel das Riff am Ausgang von Suicide Warfare...
bestes VILE-Handwerk mit grandiosem Groove.
Die Eröffnung von Devour (mit dem gigantisch brillanten
BM-Riff-Teil) und beim nachfolgenden Stück Deafening
Silence sind VILE in Bestform... und ich
für meinen Teil weiß das zu schätzen.
Die Produktion ist wie üblich großartig und der ganze
Sound durchgängig noch klarer, die Gitarren kommen super
und man kann auch dann noch jedes gewünschte Detail heraushören,
wenn VILE fröhlich drauflosfetzen.
Die einzige Schwäche des Albums ist für mich, dass
die Magie der ersten fünf Stücke nicht aufrechterhalten
werden kann; ist einfach irgendwie im Sande verlaufen und hinterließ
mich ein wenig gelangweilt bis zum sehr seltsamen (und geilen)
Rausschmeißer.
Alles in
allem ist The New Age Of Chaos ein
großartiges Album und die Fans der Band werden es lieben...
wenn nicht… kannst man sich stattdessen eigentlich auch
die Kugel geben... denn das hier ist ein schönes Stück
brutalen Death Metals.
Ich freue
mich auf die weitere Entwicklung von VILE,
werde mir dieses Material live geben und für neue Glanzstücke
beten...