Eine
feine Sache, dass ich für ein Review auf meine Abschlussarbeit
zurückgreifen kann, in der ich mich unter anderem mit den
Werken der Färinger befasst habe.
Auf dem direkten Vorläufer By The Light Of The Northern
Star setzten sich TÝR mit der eher unbekannten
Färingersaga konzeptuell mit dem Leben des Tróndur
í Gøtu, einem mächtigen Wikingerhäuptling
der Färöer, der sich weigert, das Christentum anzunehmen,
auseinander.
Auf dem aktuellen Werk greifen TÝR wieder auf
„konventionellere“ Kost zurück. Diesmal musste
das Thrymlied aus der Götterdichtung der Älteren Edda
dran glauben, in der sich König Thrym Thors Hammer Mjölnir
unter den Finger reißt, um die Götter zu erpressen,
was schließlich dazu führt, dass Thor als die dem
König versprochene Freyja verkleidet Thrym überlistet
und ihn und seine Sippe mit dem zurück gewonnenen Hammer
erschlägt. Mir liegen die Texte jedoch nicht vor und kann
deshalb auch nicht sagen, ob es sich hier um ein reines Konzeptalbum
handelt.
Aber genug des Vorgeplänkels! The Lay Of Thrym
ist stark, verdammt stark. Was zunächst einmal auffällt,
ist die neue Marschrichtung der Band – die verschachtelten,
progressiven Kompositionen der Vergangenheit sind einem vordergründig
leichter zugänglichen Stil zum Opfer gefallen. Dass dadurch
Perlen wie der Opener Flames Of The Free und Hall
Of Freedom deutlich schneller im Ohr hängen bleiben,
versteht sich daher von selbst. Zerpflückt man die Songs
jedoch (wie ich das so gerne mache), dann kommt eine eher hintergründige
Komplexität zutage, denn statt Takt- und Tonartenwechseln
en masse setzen TÝR auf schlüssige, aber
dennoch clevere Arrangements, spielen verdammt viel mit leichten
Tempovariationen und setzen Chorale (Gänsehautgarantie!)
sehr gezielt ein – zudem kommen immer wieder leichte Variationen
des jeweiligen Themas, die vor allem im Gitarrenspiel zu tragen
kommen, der rote Faden immer klar vor Augen.
Ein ganz großes Plus – und das ist mir vorher noch
nicht wirklich bewusst gewesen – ist die Leadarbeit von
Terji Skibenæs! Gott, ist der Mann gut – saugt er
sich ein filigranes Solo nach dem anderen aus den Fingern (Ständergarantie!).
Bleibt als Fazit festzuhalten, dass TÝR auf The
Lay Of Thrym genau den richtigen Schritt gegangen sind
und der Band auf dem Weg nach ganz oben einen gehörigen
Schub verleiten sollte!