TÝR – Ragnarok

 
Label: Napalm Records
Release: 22.09.2006
Von: Stormlord
Punkte: 8/10
Time: 60:51
Stil: Viking Rock/Metal
URL: Týr
 
Hat irgendjemand schon von den Färöer Inseln in Zusammenhang mit Musik gehört? Ich jedenfalls nicht, bis mir die Band TÝR mit dem Album Eric The Red zu Ohren kam. Dieses Stück authentischen Viking Metals sollte auch das am besten Verkaufte ihrer Heimat werden. Das neue Werk Ragnarok hat indes gute Chancen, dieses Ergebnis zu übertreffen, denn die Kompositionen sind die gesamte Spielzeit über durchwegs gelungen.
Zuerst möchte ich allerdings dem Label Napalm Records für die beiliegende Werbeinformation meinen Respekt aussprechen, der Text ist wirklich interessant, der kurze historische Abriss mit kleiner Spielerei bezüglich der Jahreszahl 999 wirkt ungewöhnlich und erheiternd. Dies war der Beginn der Christianisierung auf den Färöer Inseln und die gleiche Anzahl an Jahren später gründeten sich TÝR; bereit, um einiges des verloren gegangenen Geistes der Ahnen wieder zu beleben. Die Art und Weise, wie die Musiker ihre Visionen präsentieren, ist dabei einzigartig. Es beginnt schon mit der unverkennbaren Stimme Heri Joensens, der das Glück hat, mit einer heroischen, aber dennoch nicht allzu pathetischen Stimme ausgestattet worden zu sein. Heri gebraucht seine Stimmbänder nur in klaren Tonlagen, es gibt keine Growls oder kreischenden Schreie. Die Musik wiederum ist meistens in getragenem Tempo, hin und wieder stampfend, aber allerhöchstens mittelschnell. Die Darbietung im stimmlichen Bereich wirkt durch die Verwendung von mächtigen Chören an den richtigen Stellen noch ausgefeilter. Dabei sind die Lieder noch ohrenfreundlicher und eingängiger ausgefallen als in der Vergangenheit. Obwohl: Ragnarok ist kein Album, das man nebenbei hören kann, will man die ganze detailreiche Klasse erfassen. Oberflächlich betrachtet muten die Tracks unspektakulär an, aber sie besitzen alle eine gewisse Komplexität und interessante rhythmische Strukturen. Der Aufbau des Albums ist ebenso erwähnenswert: da gibt es einerseits die „richtigen“ Songs, oftmals recht lang gehalten – denen stehen kurze instrumentale Zwischenspiele gegenüber. In einem dieser Verschnaufpausen ist ein Chor bei einer rituellen Beschwörung zu hören. Direkt darauf folgend wirkt Wings Of Time zu Beginn umso intensiver, bevor ein Wechsel hin zu gemäßigtem Tempo vollzogen wird. Diese spannende Abwechslung findet auch an anderen Stellen Verwendung und macht das Album spannend. Ein kleiner Tipp von mir: Ragnarok wird seine musikalische Klasse möglicherweise nicht beim dem ersten Hördurchgang entfalten, die Melodien hinterlassen nicht diesen brillanten Eindruck - doch nur vorerst.
Scheut euch nicht, die CD ein weiteres Mal einzulegen, dann gewinnen die Kompositionen Stück für Stück an Intensität. So brauchte ich auch mindestens drei Durchläufe, um den richtigen Zugang zum recht unorthodoxen Ragnarok zu finden. Allerdings wurde ich mit einer Handvoll heroischen Liedguts belohnt, das zugleich eingängig und angenehm ausgefallen ist, doch auch zum wiederholten „Feindkontakt“ einlädt; und siehe da, bald verwandeln sich die vorerst sperrigen Lieder in gern gehörte Wegbegleiter.