Hat
irgendjemand schon von den Färöer Inseln in Zusammenhang
mit Musik gehört? Ich jedenfalls nicht, bis mir die Band
TÝR mit dem Album Eric The
Red zu Ohren kam. Dieses Stück authentischen
Viking Metals sollte auch das am besten Verkaufte ihrer Heimat
werden. Das neue Werk Ragnarok hat
indes gute Chancen, dieses Ergebnis zu übertreffen, denn
die Kompositionen sind die gesamte Spielzeit über durchwegs
gelungen.
Zuerst möchte ich allerdings dem Label Napalm Records für
die beiliegende Werbeinformation meinen Respekt aussprechen,
der Text ist wirklich interessant, der kurze historische Abriss
mit kleiner Spielerei bezüglich der Jahreszahl 999 wirkt
ungewöhnlich und erheiternd. Dies war der Beginn der Christianisierung
auf den Färöer Inseln und die gleiche Anzahl an Jahren
später gründeten sich TÝR;
bereit, um einiges des verloren gegangenen Geistes der Ahnen
wieder zu beleben. Die Art und Weise, wie die Musiker ihre Visionen
präsentieren, ist dabei einzigartig. Es beginnt schon mit
der unverkennbaren Stimme Heri Joensens, der das Glück
hat, mit einer heroischen, aber dennoch nicht allzu pathetischen
Stimme ausgestattet worden zu sein. Heri gebraucht seine Stimmbänder
nur in klaren Tonlagen, es gibt keine Growls oder kreischenden
Schreie. Die Musik wiederum ist meistens in getragenem Tempo,
hin und wieder stampfend, aber allerhöchstens mittelschnell.
Die Darbietung im stimmlichen Bereich wirkt durch die Verwendung
von mächtigen Chören an den richtigen Stellen noch
ausgefeilter. Dabei sind die Lieder noch ohrenfreundlicher und
eingängiger ausgefallen als in der Vergangenheit. Obwohl:
Ragnarok ist kein Album, das man
nebenbei hören kann, will man die ganze detailreiche Klasse
erfassen. Oberflächlich betrachtet muten die Tracks unspektakulär
an, aber sie besitzen alle eine gewisse Komplexität und
interessante rhythmische Strukturen. Der Aufbau des Albums ist
ebenso erwähnenswert: da gibt es einerseits die „richtigen“
Songs, oftmals recht lang gehalten – denen stehen kurze
instrumentale Zwischenspiele gegenüber. In einem dieser
Verschnaufpausen ist ein Chor bei einer rituellen Beschwörung
zu hören. Direkt darauf folgend wirkt Wings Of Time
zu Beginn umso intensiver, bevor ein Wechsel hin zu gemäßigtem
Tempo vollzogen wird. Diese spannende Abwechslung findet auch
an anderen Stellen Verwendung und macht das Album spannend.
Ein kleiner Tipp von mir: Ragnarok
wird seine musikalische Klasse möglicherweise nicht beim
dem ersten Hördurchgang entfalten, die Melodien hinterlassen
nicht diesen brillanten Eindruck - doch nur vorerst.
Scheut euch nicht, die CD ein weiteres Mal einzulegen, dann
gewinnen die Kompositionen Stück für Stück an
Intensität. So brauchte ich auch mindestens drei Durchläufe,
um den richtigen Zugang zum recht unorthodoxen Ragnarok
zu finden. Allerdings wurde ich mit einer Handvoll heroischen
Liedguts belohnt, das zugleich eingängig und angenehm ausgefallen
ist, doch auch zum wiederholten „Feindkontakt“ einlädt;
und siehe da, bald verwandeln sich die vorerst sperrigen Lieder
in gern gehörte Wegbegleiter.