Es
hat zugegebenermaßen ein bißchen länger gedauert,
bis das dritte Album der Ruhrpott-Metaller von THE VERY END
nun auch meine Gehörgänge freibläst. Dafür
waren THE VERY END umso schneller. Trotz Line-Up-Änderungen
gibt es nur ein Jahr nach Mercy & Misery den
Nachfolger. Turn Off The World ist dabei weder ein Schnellschuß,
noch ein Kreativschub, denn stilistisch bleibt alles beim Alten.
Neue Einflüsse sind marginal; gelegentlich schimmert eine
bluesige Note durch. Insgesamt ist Turn Off The World
noch melodischer ausgefallen. Nicht signifikant, es sei denn,
man hört sich alle drei Alben an einem Stück an. Gerade
die aggressiv-schnellen Thrash Metal Parts wurden zugunsten
der Eingängigkeit weiter zurückgeschraubt. Das finde
ich persönlich zwar sehr schade, gefällt mir das Debüt
doch immer noch am Besten, objektiv betrachtet muß man
aber sagen, das THE VERY END auf Turn Off The World die
perfekte Balance zwischen Härte, Melodie und Groove gelingt,
um ein breitgefächertes Publikum anzusprechen ohne sich
dabei dem Mainstream anzubiedern und die Füße im
(extremen) Metal verwurzelt zu behalten. Das muß man erstmal
so hinkriegen!
Turn Off The World bietet mit Splinters
einen noch recht wuchtigen Einstieg mit witzigem deutsch-englisch
Reim. Auch bei The Black Fix (dem besten Song des Albums
- feat. Entombed’s Petrov), The Last Mile und am
Anfang von Dreadnought ziehen THE VERY END das
Tempo ordentlich an, während man bei den restlichen Songs
moderater agiert. Ich mag das ungewöhnliche Maelstrom
Calling und das stampfende Gravity.
Die noch auf dem Vorgänger als zuviel empfundene stilistische
Vielfalt wurde beibehalten aber harmonischer strukturiert. Ebenso
der Gesang von Björn Gooses, der noch variabler und abwechslungsreicher
ausgefallen ist. Was ebenfalls ins Ohr fällt, sind die
vielen Soli, wie das großartige Stadionrock-Gitarrensolo
in Iron Sky.
Mit Turn Off The World halten THE VERY END
nun die Eintrittskarte in die Welt der Großen in den Händen
und haben die Meßlatte musikalisch wie lyrisch für
alles, was noch kommen mag, hoch aufgelegt. Aber ich denke,
da ist noch Spielraum für den ganz großen Wurf, für
das eine Album.