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Russland soll es ja eine riesige Metal-Szene in allen Genres geben,
von der man hier allerdings so gut wie gar nichts mitbekommt.
Nun schicken sich also TVANGESTE an, mit ihrem
zweiten Album Firestorm die Aufmerksamkeit
der restlichen Welt zu erringen.
Stilistisch
versucht man es da mit orchestralem Black Metal, im Info-Sheet
als Mischung zwischen Cradle Of Filth und Therion angepriesen.
Das kommt sogar in etwa hin, den Sänger Miron klingt haargenau
wie der kleine Bruder von Dani (wie, noch kleiner?), erreicht
allerdings nicht ganz dessen Stimmumfang. An einigen Stellen werden
zudem weibliche Vocals eingebaut, die doch sehr nach Sarah Jezebel
klingen. Ansonsten hat man keine Kosten und Mühen gescheut
und neben einem Kammer-Chor auch noch gleich das ganze Baltische
Sinfonie Orchester ins Studio geschleppt. Diese versammelte Klassik-Kompetenz
deckt dann den mehr melodischeren (Therion-) Teil ab; wie nicht
anders zu erwarten war in hervorragender Qualität. Der metallische
Teil hingegen bewegt sich in der Tat im opulent-ausschwelgendem
Black Metal-Bereich, wobei man zum Glück auf zu viele abstruse
Tempi- und Riffwechsel verzichtet hat.
Leider
werden es TVANGESTE hier trotzdem schwer haben,
denn gerade der Metal-Bereich kommt bedauerlicher Weise nicht
so souverän und originell daher wie gewünscht. Viele
Riffs hat man doch schon häufiger gehört oder sind einfach
zu nichtssagend. Man verlässt sich sehr auf Orchester und
Chor, aber die können halt auch nicht alle Kastanien aus
dem Feuer holen. Das bezieht auf fast das gesamte Songwriting,
welches die vorhandenen Möglichkeiten viel zu selten konsequent
ausnutzt. Erst mit dem fünften Stück Perkuno's Flame
gefällt mir das ganze etwas besser, vorher fühle ich
mich doch manchmal mehr an Rhapsody als an Black Metal erinnert.
Aber dann gelingt die Synthese aus Klassik und Metal auf einmal
deutlich vorteilhafter, und es wird nun tatsächlich eine
düstere, geheimnisvolle Atmosphäre erzeugt. Vielleicht
liegt es auch an dem sehr schönen, getragen Zwischenteil,
der nur mit Geige und gesampletem Wetterleuchten dunkle Akzente
setzt, wohingegen der Rest des Tracks eher fixerer Natur ist.
Gut
gefallen mir auch die beiden letzten Stücke, Storm
und Tears Will Wash Off The Blood From My Sword. Bei
dem ersten gefällt mir das Zusammenspiel zwischen Orchester
und Gitarren recht gut, so dass das Stück sowohl ziemlich
bombastisch als auch recht heavy rüberkommt. Der letzte Song
des Albums gefällt mir dann eigentlich am besten; hier wird
endlich mal mit etwas schrägeren Elementen gearbeitet und
so die ganze Bandbreite der vorhandenen musikalischen Möglichkeiten
deutlich besser ausgenutzt. Kurios finde ich hier jedoch, dass
man ein ganzes Orchester an der Hand hat, aber trotzdem noch Streicher-Samples
aus dem Rechner verwendet...
TVANGESTE
verkaufen sich aber insgesamt betrachtet nur musikalisch etwas
unter Wert, denn man merkt der gesamten CD schon an, wieviel Arbeit
und Hingabe die durchaus fähigen Musiker dort hineingesteckt
haben. So wird dem Käufer neben der guten Produktion und
der Musik auch ein überdickes und aufwendig gestaltetes Booklet
in sehr schöner Aufmachung geboten, was ja heutzutage eher
die Ausnahme darstellt. Zudem gibt es ein textlich recht interessantes
und inhaltlich zumindest noch nicht ausgelutschtes Text-Konzept,
welches historische preußische Sagen behandelt. Da kriege
ich fast schon ein schlechtes Gewissen, weil ich nur 7 Punkte
vergeben kann...
Allerdings sollte sich niemand davon abschrecken lassen, hier
nicht zumindest mal ein Ohr zu riskieren. Denn wer Cradle nicht
mehr hören kann und Therion lieber deutlich härter mag,
für den stellen die 5 Damen und Herren aus Russland eine
nicht zu unterschätzende Alternative dar!
Tvangeste |