TVANGESTE – Firestorm
Label: Metal Mind Productions
Release: 10.11.2003
Von: Psycho
Punkte: 7
 

In Russland soll es ja eine riesige Metal-Szene in allen Genres geben, von der man hier allerdings so gut wie gar nichts mitbekommt. Nun schicken sich also TVANGESTE an, mit ihrem zweiten Album Firestorm die Aufmerksamkeit der restlichen Welt zu erringen.

Stilistisch versucht man es da mit orchestralem Black Metal, im Info-Sheet als Mischung zwischen Cradle Of Filth und Therion angepriesen. Das kommt sogar in etwa hin, den Sänger Miron klingt haargenau wie der kleine Bruder von Dani (wie, noch kleiner?), erreicht allerdings nicht ganz dessen Stimmumfang. An einigen Stellen werden zudem weibliche Vocals eingebaut, die doch sehr nach Sarah Jezebel klingen. Ansonsten hat man keine Kosten und Mühen gescheut und neben einem Kammer-Chor auch noch gleich das ganze Baltische Sinfonie Orchester ins Studio geschleppt. Diese versammelte Klassik-Kompetenz deckt dann den mehr melodischeren (Therion-) Teil ab; wie nicht anders zu erwarten war in hervorragender Qualität. Der metallische Teil hingegen bewegt sich in der Tat im opulent-ausschwelgendem Black Metal-Bereich, wobei man zum Glück auf zu viele abstruse Tempi- und Riffwechsel verzichtet hat.

Leider werden es TVANGESTE hier trotzdem schwer haben, denn gerade der Metal-Bereich kommt bedauerlicher Weise nicht so souverän und originell daher wie gewünscht. Viele Riffs hat man doch schon häufiger gehört oder sind einfach zu nichtssagend. Man verlässt sich sehr auf Orchester und Chor, aber die können halt auch nicht alle Kastanien aus dem Feuer holen. Das bezieht auf fast das gesamte Songwriting, welches die vorhandenen Möglichkeiten viel zu selten konsequent ausnutzt. Erst mit dem fünften Stück Perkuno's Flame gefällt mir das ganze etwas besser, vorher fühle ich mich doch manchmal mehr an Rhapsody als an Black Metal erinnert. Aber dann gelingt die Synthese aus Klassik und Metal auf einmal deutlich vorteilhafter, und es wird nun tatsächlich eine düstere, geheimnisvolle Atmosphäre erzeugt. Vielleicht liegt es auch an dem sehr schönen, getragen Zwischenteil, der nur mit Geige und gesampletem Wetterleuchten dunkle Akzente setzt, wohingegen der Rest des Tracks eher fixerer Natur ist.

Gut gefallen mir auch die beiden letzten Stücke, Storm und Tears Will Wash Off The Blood From My Sword. Bei dem ersten gefällt mir das Zusammenspiel zwischen Orchester und Gitarren recht gut, so dass das Stück sowohl ziemlich bombastisch als auch recht heavy rüberkommt. Der letzte Song des Albums gefällt mir dann eigentlich am besten; hier wird endlich mal mit etwas schrägeren Elementen gearbeitet und so die ganze Bandbreite der vorhandenen musikalischen Möglichkeiten deutlich besser ausgenutzt. Kurios finde ich hier jedoch, dass man ein ganzes Orchester an der Hand hat, aber trotzdem noch Streicher-Samples aus dem Rechner verwendet...

TVANGESTE verkaufen sich aber insgesamt betrachtet nur musikalisch etwas unter Wert, denn man merkt der gesamten CD schon an, wieviel Arbeit und Hingabe die durchaus fähigen Musiker dort hineingesteckt haben. So wird dem Käufer neben der guten Produktion und der Musik auch ein überdickes und aufwendig gestaltetes Booklet in sehr schöner Aufmachung geboten, was ja heutzutage eher die Ausnahme darstellt. Zudem gibt es ein textlich recht interessantes und inhaltlich zumindest noch nicht ausgelutschtes Text-Konzept, welches historische preußische Sagen behandelt. Da kriege ich fast schon ein schlechtes Gewissen, weil ich nur 7 Punkte vergeben kann...
Allerdings sollte sich niemand davon abschrecken lassen, hier nicht zumindest mal ein Ohr zu riskieren. Denn wer Cradle nicht mehr hören kann und Therion lieber deutlich härter mag, für den stellen die 5 Damen und Herren aus Russland eine nicht zu unterschätzende Alternative dar!

Tvangeste