Nach
den ersten Takten könnte man bei THE SUN OF WEAKNESS
folgern, wieder einmal einer skandinavischen Band zu lauschen,
die sich in dieser typischen Melange aus Leidenschaft und Melancholie
austobt, die einen erfasst, wenn man auf einer einsamen Insel
im Fjord sitzt und auf die Fähre wartet, die möglicherweise
eine Geliebte mit sich bringt… Das schottische Hochmoor,
oder irgendein mehr oder minder verlassener Flecken in der englischen
Provinz, könnte ebenfalls locker solch eine Band hervorbringen
– wenn nicht der Akzent des Sängers wäre, der
einen „Natural Born Speaker“ nahezu ausschließt.
Aber das ist sowieso alles falsch: THE SUN OF WEAKNESS
stammen aus Italien, dem Land wo die Zitronen blühen, wie
wir ja alle wissen, und manchmal eben auch düstere Träume
und Melodien. Kurz nachgedacht, natürlich gibt’s
im Süden einige Musiker die sich der „dunklen emotionalen
Musik“ verschrieben haben, u.a. die Band mit dem passenden
Namen Novembre, deren Mitglied Giuseppe Orlando Trompe
L’Oeil (wie schon die Mini-CD Landscape)
abgemischt und gemastert hat.
Es gibt einige Ähnlichkeiten, was die Bands betrifft: sie
vermögen Beide, packende, melancholische Melodien zu eindringlichen
Songs zu verarbeiten. Der größte Unterschied: THE
SUN OF WEAKNESS verzichten komplett auf grollende Vocals;
Allessandro Cammiletti klingt wie ein dunklerer Robert Smith,
ohne einen Anflug von Hysterie. Zudem ist sein leichter Akzent
sehr charmant.
Glücklicherweise bleibt THE SUN OF WEAKNESS nicht
in engen Genregrenzen stecken. Gothic Rock, der nur manchmal
Richtung Metal tendiert, ist lediglich eines der Stilmittel,
das die Band einsetzt. Ebenso finden sich Elemente und Momente
des Shoegaze und Ausflüge in die opulente Abteilung des
neuen Artrocks. Insgesamt ein rundum gelungenes Album, sauber
produziert und eingespielt, dem höchstens der ein oder
andere Widerhaken zur Perfektion fehlt. Aber das kann ja noch
werden, ist Trompe L’Oeil nach drei Demos
(bzw. Mini-CDs) das Debüt der Band. Bis dahin leihen wir
der CD an milden Abenden, besonders in liebenswerter Gesellschaft,
sowie bei jedem Anflug von Herbst und Winter im Herzen, gerne
ein bis zwei Ohren.