TRISTWOOD – The Delphic Doctrine

 
Label: Sound Riot
Release: 21.04.2006
Von: Psycho
Punkte: 7/10
Time: 42:18
Stil: Black Electro Metal
URL: Tristwood
 
Das ist aber mal echt harter Tobak, den mir die Österreicher da servieren. TRISTWOOD kombinieren auf ihrem ersten offiziellen Longplayer (vorher gab’s eine selbstfinanzierte CD und eine EP) barschen Knüppel-BM mit harten EBM- und Industrial-Komponenten. Vergesst also die lahmarschigen Veröffentlichungen, die sonst immer unter dem Begriff Electro Metal verkauft werden, denn hier geht es jetzt richtig zur Sache!

Meistens bewegen sich die Songs im höheren Tempo-Bereich, was in diesem Fall bedeutet, dass der Drumcomputer dann im Nähmaschinen-Modus läuft und Double-Bass und Snare in einem irrwitzigen Tempo, aber meist ohne jegliche Variationen, durchknüppeln. Dazu kommen dann häufig eher simple, aber harte und effektive Gitarrenriffs, die durch harsche Electro-Patterns oder -Sounds abgerundet werden. In den etwas langsameren Passagen gibt es dagegen deutlich mehr Abwechslung, melodische Teile oder Breaks wird man allerdings auch hier vergebens suchen.
Insgesamt betrachtet ist die elektronische Komponente von TRISTWOOD also eindeutig die variablere: hier finden sich mal klassische EBM-Strukturen (By The Call Of Seth - Invocation Of The God Of Blood And War), dann wieder fast schon neofolkartige Fanfaren (Chronos) oder aber auch beinhartes Electro-/Industrial-Gewitter (Nemesis - The Cyberstorm). In der Rubrik mit den traditionellen Instrumenten (= Gitarren) gibt es dagegen nicht so viel Aufregendes zu berichten. Solide, aber nicht übermäßig spektakuläre Kost bekommt der Hörer da geboten. Für BM-Verhältnisse sind dabei die Riffs eigentlich fast schon zu simpel gehalten, aber betrachtet man das Ganze unter dem Industrial-Aspekt, geht der (wohl gewollte) Ansatz zur Monotonie durchaus in Ordnung. Zumal ja letztendlich erst das Zusammenspiel der einzelnen Teile den gewünschten Effekt erzielen soll...
In dieser Hinsicht darf übrigens in keinem Fall der Gesang unerwähnt bleiben, der für meinen Geschmack fast schon zu extrem ausgefallen ist und wohl kaum ohne elektronische Hilfsmittel entstanden sein dürfte. So ein perverses Gegrunze habe ich jedenfalls schon lange nicht mehr gehört; auf die Dauer ist das allerdings zu eintönig und fängt dann doch ein wenig zu nerven an. Hier müsste die Band in jedem Fall noch was tun! Und leider ist auch der Mix nicht ganz das Gelbe vom Ei geworden; zwar ballert die CD recht amtlich, aber die richtige Balance bzw. das passende Lautstärke-Verhältnis zwischen den elektronischen und den sonstigen Parts hat man hier nicht immer gefunden. So verschwinden manch gut gedachte Ideen zu weit im Hintergrund, wo man sie dann nur mit viel Mühe zu identifizieren vermag.

Die Stücke selber sind teilweise aber richtig gut gelungen, auch wenn sich das bisher vielleicht noch nicht so angehört haben sollte. Anscheinend haben sich TRISTWOOD vorher genau überlegt, welches Instrument wie eingesetzt werden soll und so ein Soundmonster geschaffen, welches tatsächlich danach trachtet, die unterschiedlichen Komponenten gleichberechtigt einzusetzen. Songs wie Daedae Taengri, das bereits genannte By The Call Of Seth - Invocation Of The God Of Blood And War oder der Titeltrack sind daher beachtenswerte Wutklumpen, bei denen das Headbanging fast schon lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Im Gegensatz zu The Berzerker, die mir als einzige mögliche Referenz-Band einfallen, klingt diese CD auch nicht so total überdreht und damit einfach lächerlich, zumal Extrem-Techno-Tendenzen oder Gabba-Stilistiken überhaupt keinen Raum finden. Dafür übertreibt man es aber mit der beabsichtigen Härte und Brutalität; da wäre etwas weniger mehr gewesen, um diesen Effekt auch richtig zur Entfaltung zu bringen. So aber ist man zunächst wie vor den Kopf geschlagen, doch wenn sich dass nach mehrmaligem Hören von The Delphic Doctrine legt, dann fehlt es an einigen Stellen noch an der notwendigen Substanz, um ein Album in dieser Stilistik wirklich über die gesamte Spielzeit interessant zu gestalten. Guter Ansatz folglich (vor allem, wenn man sich zwischendurch mal wirklich gekonnt die Ohren durchspülen lassen will), aber mehr als 7 Punkte sind derzeit leider noch nicht drin, dies allerdings mit klarer Tendenz nach oben.