Das
ist aber mal echt harter Tobak, den mir die Österreicher
da servieren. TRISTWOOD kombinieren auf ihrem
ersten offiziellen Longplayer (vorher gab’s eine selbstfinanzierte
CD und eine EP) barschen Knüppel-BM mit harten EBM- und
Industrial-Komponenten. Vergesst also die lahmarschigen Veröffentlichungen,
die sonst immer unter dem Begriff Electro Metal verkauft werden,
denn hier geht es jetzt richtig zur Sache!
Meistens bewegen sich die Songs im höheren Tempo-Bereich,
was in diesem Fall bedeutet, dass der Drumcomputer dann im Nähmaschinen-Modus
läuft und Double-Bass und Snare in einem irrwitzigen Tempo,
aber meist ohne jegliche Variationen, durchknüppeln. Dazu
kommen dann häufig eher simple, aber harte und effektive
Gitarrenriffs, die durch harsche Electro-Patterns oder -Sounds
abgerundet werden. In den etwas langsameren Passagen gibt es
dagegen deutlich mehr Abwechslung, melodische Teile oder Breaks
wird man allerdings auch hier vergebens suchen.
Insgesamt betrachtet ist die elektronische Komponente von TRISTWOOD
also eindeutig die variablere: hier finden sich mal klassische
EBM-Strukturen (By The Call Of Seth - Invocation Of The
God Of Blood And War), dann wieder fast schon neofolkartige
Fanfaren (Chronos) oder aber auch beinhartes Electro-/Industrial-Gewitter
(Nemesis - The Cyberstorm). In der Rubrik mit den traditionellen
Instrumenten (= Gitarren) gibt es dagegen nicht so viel Aufregendes
zu berichten. Solide, aber nicht übermäßig spektakuläre
Kost bekommt der Hörer da geboten. Für BM-Verhältnisse
sind dabei die Riffs eigentlich fast schon zu simpel gehalten,
aber betrachtet man das Ganze unter dem Industrial-Aspekt, geht
der (wohl gewollte) Ansatz zur Monotonie durchaus in Ordnung.
Zumal ja letztendlich erst das Zusammenspiel der einzelnen Teile
den gewünschten Effekt erzielen soll...
In dieser Hinsicht darf übrigens in keinem Fall der Gesang
unerwähnt bleiben, der für meinen Geschmack fast schon
zu extrem ausgefallen ist und wohl kaum ohne elektronische Hilfsmittel
entstanden sein dürfte. So ein perverses Gegrunze habe
ich jedenfalls schon lange nicht mehr gehört; auf die Dauer
ist das allerdings zu eintönig und fängt dann doch
ein wenig zu nerven an. Hier müsste die Band in jedem Fall
noch was tun! Und leider ist auch der Mix nicht ganz das Gelbe
vom Ei geworden; zwar ballert die CD recht amtlich, aber die
richtige Balance bzw. das passende Lautstärke-Verhältnis
zwischen den elektronischen und den sonstigen Parts hat man
hier nicht immer gefunden. So verschwinden manch gut gedachte
Ideen zu weit im Hintergrund, wo man sie dann nur mit viel Mühe
zu identifizieren vermag.
Die Stücke selber sind teilweise aber richtig gut gelungen,
auch wenn sich das bisher vielleicht noch nicht so angehört
haben sollte. Anscheinend haben sich TRISTWOOD
vorher genau überlegt, welches Instrument wie eingesetzt
werden soll und so ein Soundmonster geschaffen, welches tatsächlich
danach trachtet, die unterschiedlichen Komponenten gleichberechtigt
einzusetzen. Songs wie Daedae Taengri, das bereits
genannte By The Call Of Seth - Invocation Of The God Of
Blood And War oder der Titeltrack sind daher beachtenswerte
Wutklumpen, bei denen das Headbanging fast schon lebensbedrohliche
Ausmaße annehmen kann. Im Gegensatz zu The Berzerker,
die mir als einzige mögliche Referenz-Band einfallen, klingt
diese CD auch nicht so total überdreht und damit einfach
lächerlich, zumal Extrem-Techno-Tendenzen oder Gabba-Stilistiken
überhaupt keinen Raum finden. Dafür übertreibt
man es aber mit der beabsichtigen Härte und Brutalität;
da wäre etwas weniger mehr gewesen, um diesen Effekt auch
richtig zur Entfaltung zu bringen. So aber ist man zunächst
wie vor den Kopf geschlagen, doch wenn sich dass nach mehrmaligem
Hören von The Delphic Doctrine
legt, dann fehlt es an einigen Stellen noch an der notwendigen
Substanz, um ein Album in dieser Stilistik wirklich über
die gesamte Spielzeit interessant zu gestalten. Guter Ansatz
folglich (vor allem, wenn man sich zwischendurch mal wirklich
gekonnt die Ohren durchspülen lassen will), aber mehr als
7 Punkte sind derzeit leider noch nicht drin, dies allerdings
mit klarer Tendenz nach oben.