TRIBES OF CAÏN – Retaliation

 
Label: Fastbeast Entertainment
Release: 01.11.2007
Von: Haris
Punkte: 8.5/10
Time: 59:53
Stil: Black/Death Metal
URL: Tribes Of Caïn
 
Mit ihren vier Landessprachen steht die Schweiz multilingual an der Spitze Europas. Zu behaupten, TRIBES OF CAÏN würden deswegen aufgrund ihrer deutsch-englisch-lateinisch-altnordischen Texte ebenfalls automatisch auf den Thron des schweizerischen Metal gehievt, ist dank Glanzleistungen helvetischen Urgesteine wie Celtic Frost, Samael oder Messiah selbstverständlich undenkbar. Beschränkt man den Fokus jedoch auf modernen, technisch versierten Death/Black Metal, so können sich die Züricher auch auf internationaler Ebene behaupten.
Das von Jochen Sachse (Pink Cream 69) druckvoll produzierte und von Peter in de Betou (Opeth, Amon Amarth…) gemasterte Drittwerk der Schweizer bietet technischen, äußerst vielschichtigen und detaliverliebten Black Metal vermengt mit einer gehörigen Prise feinst progressivem Death/Thrash Metal. Retaliation beginnt furios. Mit Reborn With Wings werden gleich mal alle Register des geschwärzten Todesstahls gezogen. Die wunderschönen Gitarrenharmonien als Trademark der Band erinnern streckenweise an die exquisite Gitarrenarbeit auf Night In Gales’ Debütschmankerl Towards The Twilight, halten sich jedoch mit nackenbrechenden Death-/Thrashriffs und fiesem Geschrubbe die Waage. Lediglich der etwas leise gemischte Gesang fällt hier etwas aus dem Rahmen, was sehr schade ist, denn an der Gesangsleistung von Sänger Sven gibt es sonst nichts auszusetzen.
Langeweile kommt zu keiner Sekunde auf, denn TRIBES OF CAÏN sind sehr darauf bedacht, Variation in die neun Songs und drei Piano-Intermezzi zu bringen. Vor allem Tempovariationen, Breaks und Rhythmuswechsel, die beispielsweise in Hjaðningavíg perfekt mit den Texten abgestimmt sind, machen den Hörgenuß äußerst kurzweilig.
Die Band setzt ihr Interesse für Unkonventionelles und Unorthodoxes aber nicht nur musikalisch, sondern auch textlich gekonnt um. Statt auf plakative Provokation zu setzen, wird beispielsweise in WiduhudaR aus der Gylfaginning zitiert, einem Werk Snorri Sturlusons, dem Schöpfer der Jüngeren Edda. Ideenreiche Textpassagen wie „Vernichte die Sonne mit all ihrem Schein – Vernichte die Sonne und jegliches Sein“ aus dem oben genannten Titel kündigen den Weltuntergang an. Das klingt nicht nur äußerst poetisch, sondern zeigt auch, wie wichtig es TRIBES OF CAÏN ist, auch textlich überzeugen.
Trotz Parallelen zu musikalisch ähnlich agierenden Bands wie Endstille, Naglfar oder den bereits genannten Night In Gales haben TRIBES OF CAÏN ein bärenstarkes und originelles Stück Musik abgeliefert. Man kann nur hoffen, dass die mittlerweile zum Quartett geschrumpften Helvetier bald einen Ersatz an der Schießbude finden, um sich auf einer vernünftigen Europatour international live behaupten zu können.