Es
gibt zuviel Folter auf dieser Welt... Nicht nur generell, sondern
auch bei der Nutzung des Begriffes TORTURE
als Bandname: sehr originell. Und nachdem ich bei meinem Umzug
endlich ein über 15 Jahre altes Uralt-Promo von irgendeiner
Band aus Süddeutschland entsorgt hatte, flatterten mir
kurz darauf gleich wieder zwei Combos diesen Namens, einmal
aus heimischen Landen sowie den USA, mit ihren neuesten Werken
ins Haus...
Hier haben wir es jetzt mit der Veröffentlichung der Amerikanern
zu tun, welche eigentlich sogar noch älter als die oben
erwähnte CD ist, denn ursprünglich stammt Storm
Alert aus dem Jahre 1989, wurde aber wohl, außer
in Großbritannien, nirgends regulär publiziert.
Wenn ich ehrlich sein soll, dann scheint mir diese nachträgliche
Veröffentlichung ausschließlich finanziell motiviert
zu sein, und zwar von allen Beteiligten. Bandgründer Tom
Hicks gibt im Info selber zu Protokoll, dass ihm und seinem
Kollegen Deric Gunter Thrash Metal Anfang der 90er als „Auslaufmodell“
erschien, der durch die aufkommende Death Metal-Welle bald in
der Versenkung verschwinden würde. Also hängte man
die Musik an den Nagel und studierte lieber; Bildung kann ja
auch nie schaden. Nach dem Thrash-Revival der letzten Jahre
erinnert man sich dann anscheinend wieder an alte Jugendsünden,
aber anstatt wenigstens was neues zu fabrizieren, wurde Storm
Alert u.a. von Neil Kernon nur neu abgemischt
und jetzt wieder veröffentlich. Keine Ahnung, was daran
toll sein soll, zumal man sich damit selber auch noch den letzten
möglichen Mythos der verkannten Underground-Kapelle, die
bis heute durchgehalten hat, nimmt.
Denn inhaltlich hat sich an der Scheibe so natürlich nichts
geändert. Es erwartet euch folglich absoluter Old School-Thrash,
der mich verdächtig an Mortal Sin (AUS) erinnert und ansonsten
wie eine Mischung aus den ersten Alben von Hallows Eve, Nasty
Savage oder Infernal Majesty klingt, nur leider (erstaunlicher
Weise heute immer noch) nicht so originell. Lediglich der relativ
häufige und für damalige Verhältnisse recht untypische
Einsatz von akustischen Gitarren innerhalb der Stücke lässt
zuweilen aufhorchen, ansonsten präsentieren TORTURE
hier nichts, was mich heute auch nur ansatzweise vom Hocker
reißen würde, selbst wenn das 15-20 Jahre früher
vielleicht anders gewesen sein könnte.
Dann doch lieber Bands wie Destruction, die zwar auch ganz klar
von ihren alten Klassikern leben, aber nach ihrer Wiederauferstehung
tatsächlich neue (und gute!) Songs bieten. Wenn man Storm
Alert einer neuen CD als Bonus mit dazugepackt
hätte, wäre es eine nette Sache gewesen, aber so handelt
es sich lediglich um eine überflüssige Wiederverwertung,
der bestenfalls notorische Nostalgiker etwas abgewinnen können.
5 Punkte.