II
ist ein Mitbringsel vom Doom Over Berlin Festival und markiert
meine erste Begegnung mit TONER LOW, die jenes Festival
eröffneten und mich schlichtweg und von Beginn an umgehauen
haben.
1998 gegründet veröffentlichen TONER LOW nach
diversen Demos und Splits ihr Debüt Toner Low
im Juni 2005. Es bedarf weiterer 3 Jahre und erneuten Line-Up
Wechseln, bis das Zweitwerk zum 10-jährigen Jubiläum
endlich im Kasten ist und veröffentlicht wird. Und das
ist dann auch der aktuelle Stand der Dinge. Glücklicherweise
hat II Langzeitwirkung. Man entdeckt auch noch
nach Wochen und Monaten neue Details auf diesem Album, was -
zugegebenermassen - auch dem jeweiligen mentalen Zustand geschuldet
sein mag. Unterschiedliche Stimmungslage - unterschiedliches
Hörempfinden.
Vier Tracks, schlicht durchnumeriert, drei davon knapp 15 und
der letzte fast 20 Minuten lang. TONER LOW beginnen mit
einem verhaltenen düsteren Intro-Part und gehen dann in
diese monströs fetten Riffs über, mit einer Hookline,
die sich regelrecht ins Gehirn frisst. Kellertief, harsch, basslastig,
dronig, dazwischen spacige Soundsamples und dynamische Wendungen,
bis ab der Mitte des Songs der verzerrte Gesang von Bassistin
Miranda einsetzt. Dieser entpuppt sich nicht als die spekulierte
Schwachstelle nach dem Weggang von Deef, tatsächlich gibt
er der Brutalität eine gewisse Balance.
Track II legt seinen Schwerpunkt zunächst auf hypnotisches
tribalartiges Drumming, bis - völlig unverhofft und unerwartet
- ein geradezu filigranes Saxophon seine Töne in den Äther
entsendet, unterstützt von akustischen Gitarren und einmal
mehr mit einer markanten Melodie, natürlich nicht ohne
über kurz oder lang zum seelenzerfetzenden Schlachtfeld
zurückzukehren. Ähnlich sind auch die letzten beiden
Tracks angelegt, immer wieder mit überraschenden Wendungen
versehen, welche die Monolithen gekonnt auflockern. Obwohl II
ein großartiges Album ist, das Debüt um Längen
schlägt, darf sich das Trio gerne wieder ins Studio bewegen
und für Nachschub sorgen ;)