TODTGELICHTER – Schemen

 
Label: Folter Records
Release: Mai 2007
Von: Stormlord
Punkte: 8/10
Time: 54:23
Stil: Black Metal
URL: Todtgelichter
 
Dieses Album entwickelt eine tolle Atmosphäre, die immer intensiver wird, je länger man Schemen sein Ohr schenkt! Das beginnt schon mit der stimmungsvollen Eröffnung namens Impuls – und TODTGELICHTER können für den Black Metal wirklich einige Impulse setzen. In den ersten Minuten von Larva klingt die Musik der Gruppe allerdings roh, ungeschliffen und auch nicht gerade herausragend eigenständig, kurz gesagt wie viele andere Black Metal Bands auch. Doch glücklicherweise setzen TODTGELICHTER nicht nur auf Aggression und Geschwindigkeit – nein, auch andere Emotionen finden in den vielgestaltigen Kompositionen Platz. Die Stimme nimmt dabei im Ausdruck eine zentrale Rolle ein, sie transportiert versiert Verzweiflung, Wut und Kampfeslust. So nach und nach schälen sich einige charakteristische Merkmale heraus, die diese Veröffentlichung von anderen abhebt.
Mich beeindruckt vor allem die eisige Kälte, die fast spürbar den Körper zu überziehen scheint, wenn Hassbrocken wie Segen oder Blutstern einem Blizzard gleich über mich hinwegfegen. Der Refrain des bestechend vorgetragenen Stückes Segen ist durch seine intensiv geschrieene Variante sehr mitreißend ausgefallen und will mir nicht mehr aus dem Kopf. Dazu gibt es als Sahnehäubchen eine kurze Akustikgitarreneinlage. In den langen und ausladenden Strukturen hat die Band genügend Spielraum, um eine Menge Ideen unterzubringen; die aggressiven Teile behalten dabei klar die Oberhand, doch bevor die Musik Gefahr läuft, der Langeweile anheim zu fallen, bringen eher ruhige Momente Abwechslung ins Spiel. Auch ein paar unaufdringliche, doch umso wirkungsvollere Hintergrundgeräuschkulissen bereichern den Klang, so bettet sich eines jener Effekte perfekt ins Bild von Blutstern ein. Jedes Stück besitzt reichlich Details und schöne Melodien, die Steigerungen der Intensität wissen ebenso zu gefallen. Der Abschluss in Form von Beginn Des Endes ist dann allerdings eine faustdicke Überraschung: langsam im Grundtempo gehalten, kommt unverhofft eine hervortretende Frauenstimme zum Einsatz, die das ganze Lied dominiert und zusammen mit der dezenten Instrumentaluntermalung einen harmonischen Schlusspunkt setzt. Apropos Instrumente: auch untypische Klangerzeuger wie Saxophon oder Didgeridoo finden als aufwertende Elemente gekonnt Verwendung.
Insgesamt gesehen ist Schemen eine Platte, die zwar nicht einfach zu hören ist, aber nach einer Eingewöhnungsphase tiefgehenden Genuss zulässt. Die knapp eine Stunde lang dauernde CD fordert den Hörer heraus, eine Menge Emotionen prasseln auf den Zuhörer hernieder. Es gibt allerdings weitaus Schlimmeres, als von vor positiven Aspekten strotzender Akustik erschlagen zu werden, oder?