Mit
New Era Viral Order legen uns die aus Italien
stammenden und 1993 gegründeten THEE MALDOROR KOLLECTIVE
ihr nunmehr drittes Album vor. Eine Band, die mir bis dato völlig
unbekannt war, aber code666 hat ja so manch Interessantes unter
seinem Dach.
Im
Info wird die Musik der Jungs als Black Ritual Metal beschrieben,
was ich persönlich für total irreführend halte. Mit Black Metal
hat das Ganze nur im Speziellen zu tun. Tatsächlich handelt
es sich vielmehr um ein astreines Industrial Album mit metallischen
Schreddergitarren, wie man sie z.B. von Front Line Assembly's
Album Millenium oder vielleicht auch alten :Wumpscut: ( insbesondere
bei Drain - Wounded Cosmosis ) her kennt. Stakkatohafte
Gitarren bewegen sich völlig gleichberechtigt neben typisch
industrialmäßigen Soundgebilden. Wuchtige Double Bass, harte
Beats und hypnotische Basslinien unterstützen das Konzept.
New
Era Viral Order ist in drei Kapiteln unterteilt - Analysis,
Synthesis und Thesis - welche jeweils 3 Stücke beinhalten. Opener
Xaos DNA Released bietet sofort einen klassischen Querschnitt
durch's Album, besitzt eine kurze instrumentale Einleitung anstelle
des üblichen Intros. Mit Haemorrhage Transmission kommt
der einzig relevante Black Metal Part zum Zuge. Hier gibt es
rasende Gitarrenläufe, welche gepaart mit dem Black Metal typischen
Gesang schon einen rauen Ansatz bieten. Dennoch bleiben daneben
die Industrial Kollagen erhalten. Diese sind grundsätzlich besonders
düster, bedrückend und beinahe apokalyptisch und schizophren.
Drain verzichtet ganz auf Gitarren und ist somit ein
pures Industrial Stück mit leichten EBM Einflüssen. Mit La
Flamme Vivant und Epidemic Noise Age gibt es zwei
Stücke, die eigentlich keine regulären Songs sind, das sie keinerlei
typische Strukturen aufweisen. Es handelt sich um reine, düster
und bedrohlich wabernde Noise Fragmente, teilweise mit spoken
words, wobei letzteres als Outro dient. Bei Rigid Pulse Starfire
kann man dann deutliche Anleihen zu Das Ich heraushören. Damit
hätten wir also ein paar Querverweise, um die Musik annähernd
zu beschreiben. Direkte Vergleiche lassen sich nicht ziehen,
da THEE MALDOROR KOLLECTIVE sehr autonom agieren und
einen eigenen Stil besitzen.
Der
Gesang bewegt sich mehrheitlich in Black Metal typischen Gefilden,
driftet aber auch schon mal in elektronisch entstellte Bereiche
oder gar cleane Parts ab.
In musikalischer Hinsicht gibt es keine deutlichen Unterschiede
zwischen den drei Kapiteln. Die sind eher fein und subtil auszumachen,
wenn man sich das Album mehrere Male angehört hat und sich wirklich
darauf einlassen kann. Ob es in textlicher Hinsicht ein Konzept
gibt, entzieht sich meiner Kenntnis, da mir keine Texte vorliegen
und die offizielle Bandseite derzeit noch "under construction"
ist.
Hat man am Anfang noch das Gefühl, dass die stakkatohaften Gitarren
eindimensional klingen, ergibt das später einen Sinn. Denn,
gäbe es komplizierte Riffs, wäre das ganze Soundgebilde
überladen. Auch bei den Synthies entfernt man sich nie weit
vom musikalischen Grundthema, so dass eine klare Linie erhalten
bleibt, ohne jedoch langweilig zu werden.
Ein
gut gemachtes Album und ein Bandname, den man sich merken sollte.
Fans oben beschriebener Musik sollten unbedingt ein Ohr riskieren.
Black Metal Puristen sollten allerdings tunlichst die Finger
davon lassen.