THEE MALDOROR KOLLECTIVE – New Era Viral Order
 
Label: code666
Release: Juni 2002
Von: Dajana
Punkte: 7,5/10
Time: 48:59
Stil: Industrial
URL: Thee Maldoror Kollective
 

Mit New Era Viral Order legen uns die aus Italien stammenden und 1993 gegründeten THEE MALDOROR KOLLECTIVE ihr nunmehr drittes Album vor. Eine Band, die mir bis dato völlig unbekannt war, aber code666 hat ja so manch Interessantes unter seinem Dach.

Im Info wird die Musik der Jungs als Black Ritual Metal beschrieben, was ich persönlich für total irreführend halte. Mit Black Metal hat das Ganze nur im Speziellen zu tun. Tatsächlich handelt es sich vielmehr um ein astreines Industrial Album mit metallischen Schreddergitarren, wie man sie z.B. von Front Line Assembly's Album Millenium oder vielleicht auch alten :Wumpscut: ( insbesondere bei Drain - Wounded Cosmosis ) her kennt. Stakkatohafte Gitarren bewegen sich völlig gleichberechtigt neben typisch industrialmäßigen Soundgebilden. Wuchtige Double Bass, harte Beats und hypnotische Basslinien unterstützen das Konzept.

New Era Viral Order ist in drei Kapiteln unterteilt - Analysis, Synthesis und Thesis - welche jeweils 3 Stücke beinhalten. Opener Xaos DNA Released bietet sofort einen klassischen Querschnitt durch's Album, besitzt eine kurze instrumentale Einleitung anstelle des üblichen Intros. Mit Haemorrhage Transmission kommt der einzig relevante Black Metal Part zum Zuge. Hier gibt es rasende Gitarrenläufe, welche gepaart mit dem Black Metal typischen Gesang schon einen rauen Ansatz bieten. Dennoch bleiben daneben die Industrial Kollagen erhalten. Diese sind grundsätzlich besonders düster, bedrückend und beinahe apokalyptisch und schizophren. Drain verzichtet ganz auf Gitarren und ist somit ein pures Industrial Stück mit leichten EBM Einflüssen. Mit La Flamme Vivant und Epidemic Noise Age gibt es zwei Stücke, die eigentlich keine regulären Songs sind, das sie keinerlei typische Strukturen aufweisen. Es handelt sich um reine, düster und bedrohlich wabernde Noise Fragmente, teilweise mit spoken words, wobei letzteres als Outro dient. Bei Rigid Pulse Starfire kann man dann deutliche Anleihen zu Das Ich heraushören. Damit hätten wir also ein paar Querverweise, um die Musik annähernd zu beschreiben. Direkte Vergleiche lassen sich nicht ziehen, da THEE MALDOROR KOLLECTIVE sehr autonom agieren und einen eigenen Stil besitzen.

Der Gesang bewegt sich mehrheitlich in Black Metal typischen Gefilden, driftet aber auch schon mal in elektronisch entstellte Bereiche oder gar cleane Parts ab.
In musikalischer Hinsicht gibt es keine deutlichen Unterschiede zwischen den drei Kapiteln. Die sind eher fein und subtil auszumachen, wenn man sich das Album mehrere Male angehört hat und sich wirklich darauf einlassen kann. Ob es in textlicher Hinsicht ein Konzept gibt, entzieht sich meiner Kenntnis, da mir keine Texte vorliegen und die offizielle Bandseite derzeit noch "under construction" ist.
Hat man am Anfang noch das Gefühl, dass die stakkatohaften Gitarren eindimensional klingen, ergibt das später einen Sinn. Denn, gäbe es komplizierte Riffs, wäre das ganze Soundgebilde überladen. Auch bei den Synthies entfernt man sich nie weit vom musikalischen Grundthema, so dass eine klare Linie erhalten bleibt, ohne jedoch langweilig zu werden.

Ein gut gemachtes Album und ein Bandname, den man sich merken sollte. Fans oben beschriebener Musik sollten unbedingt ein Ohr riskieren. Black Metal Puristen sollten allerdings tunlichst die Finger davon lassen.