TODAY IS THE DAY – Kiss The Pig
 
Label: Relapse
Release: 12.07.2004
Von: BRT
Punkte: 10++
Time: 36:32
Stil: Hardcore/ Death Metal
URL: Today Is The Day
 

In Reviews sich um Superlativen zu bemühen, ist ja Standard. Meistens geht es ja um das härteste, brutalste und schnellste Album, und um das Beste, das die Band je gemacht hat sowieso.

Reihen wir uns also ein.
TODAY IS THE DAY sind die verdammt noch mal EXTREMSTE Band, die es auf diesem bekackten Planeten gibt, und zwar in ALLEN Belangen.

Sollte reichen für ein Review ? Naja, vielleicht nicht ganz.
Der Rezensent outet sich hiermit als Fan und gibt den Vermutungen, das er vielleicht nicht ganz objektiv ist, genug Vorschub.

Machen wir ein wenig Geschichtsunterricht, um ein wenig die Welt von Chameleon Steve Austin zu verstehen. Steve Austin ist seines Zeichen Kopf der Band und gefragter Produzent (Lamb Of God, Cable, Bongzilla, Converge) und zumindest auf der Bühne ein furchteinflößender Psychopath :

die ersten beiden LPs sind mir nicht geläufig, kamen allerdings auf dem Fachlabel für Noiserock Amphetamine Reptile Records (AmRep) raus, was musikalisch für sehr lärmigen, häufig recht punk-, oder hardcorelastigen Indierock stand.

Willpower die erste LP, die ich mir kaufte, war ein halbstündiger Höllenritt durch die dunkelsten Abgründe von midtempo-lastigem Noisecore. Ein wie wahnwitzig kreischender Sänger, Disharmonien und Offbeat-Rhythmik, die seines gleichen suchte.

Mit Temple Of The Morning Star wanderte die Band in Richtung Metal, allerdings in die karthasischen Untiefen, die auch Neurosis manchmal besuchen. Auch vom Cover her sah das ganze eher metalmäßig aus.

In The Eyes Of God sprengte dann denn Grat, den Carcass nach Symphonies OIf Sickness nie überschritten hatten, ohne die Wurzeln des Sounds zu vergessen. Zweistimmig gekreischter Harmonizer Gesang, tat sein übriges dazu, die Stimmung dieser Platte besonders nervenzerfetzend zu machen.

Wer dachte, das TODAY IS THE DAY den Gipfel erreicht hatten, in dem was sie in Ihrer Art zu sagen hatten, sah sich getäuscht. Mit der zweistündigen Doppel-CD Sadness Will Prevail setzten sie noch einen Schlag drauf. Das Artwork schwarz-weiß, depressiv ... der Sound und die Produktion reduzierter und primitiver, die Stimmung ein einziges Tief an Verzweiflung , Hass und Schmerz. Wer diese Platte am Stück durchhören konnte, war danach entweder ein psychisches Wrack, oder dem konnte nichts, aber auch gar nichts mehr anhaben.

Der Rezensent outet sich hiermit als Fan, gibt allerdings zu, keine einzige Platte von TODAY IS THE DAY jemals ganz an einem Stück durchgehört zu haben !!!

Kiss The Pig ist tatsächlich, um noch mal die Superlativen zu bemühen, die schnellste Platte, die TODAY IS THE DAY jemals gemacht haben, am Sound hat sich im Gegensatz zum Vorgänger nicht viel geändert und immer noch wühlen TODAY IS THE DAY in einen Pfuhl aus Schmerz, Hass, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit und schreien genau dies auf unangenehmste Art und Weise heraus. Hardcore pur.

Ob Kiss The Pig die beste Platte von TODAY IS THE DAY ist, sei mal dahingestellt, vielleicht konnten sie sich das erste mal auch stimmungsmäßig nicht selbst übertreffen, war aber nach Sadness Will Prevail auch fast unmöglich.
Aber wer musikalische Extreme liebt und prinzipiell einem explosivem Cocktail aus Frühneunziger Florida Death Metal (z.B. Brutality), Modern Hardcore (z.B. Converge) und sehr schrägen Sounds a la Voivod was abgewinnen könnte, der sollte sich die Zeit und den Mut nehmen, sich mit dieser außergewöhnlichen Band zu beschäftigen.

TODAY IS THE DAY sind einzigartig und in Ihrem Bereich zweifellos Fall ohne Konkurrenz.
Der Standardspruch Love 'em or hate 'em trifft hier auf jeden Fall zu.

Ich würde weit mehr als 10 Punkte geben !!!