TIMEMAGE – Rebirth

 
Label: Eigenproduktion
Release: 13.11.2011
Von: Joking
Punkte: 7/10
Time: 62:18
Stil: Power Prog Metal
URL: Timemage
 
Eigentlich gilt für Rebirth das Gleiche wie für den bereits besprochenen Vorgänger Witchcraft. Abwechslungsreicher Metal mit vielen Ideen, kleinen Überraschungen und Gimmicks; melodiös und kraftvoll, romantisch und gefühlsselig, trotzdem immer zupackend und selbst vor Ausflügen in milde Death Metal Gefilde nicht zurückschreckend. Das Schönste: Fast alles passt zusammen, jeder Ton verströmt den Spaß an der Musik, die Stephan Schenkel und sein Gitarrist Philipp Deschermeier zum Ausdruck bringen.

TIMEMAGE IST Stephan Schenkel, von der ersten Note bis zur Endproduktion. Er singt, spielt Keyboards, auf Rebirth alle Instrumente bis auf Deschermeiers Gitarre, selbst ein. Dabei verfällt er nie in einen überzogenen Ego-Modus, der beweisen will, wie toll man seine Sache beherrscht. Schenkel spielt songdienlich, gibt seinen Keyboards zwar viel Freiheit, schränkt aber das Gitarrenspiel nicht ein. So weiss Rebirth wieder zu gefallen als musikalischer Grenzgänger mit viel Geschmack und Gespür für Melodien, Breaks, Hymnen und kantige Passagen. Geeignet für den weltoffenen Hörer deftigen Metals mit Gefallen an komplexeren Strukturen und ebenso den Freund progressiver Klänge, der keine Scheu vor zupackender Härte besitzt.

Rebirth ist bereits TIMEMAGEs neuntes Album. Mit Black Invocation steht Nummer zehn bereits in den Startlöchern. Philipp Deschermeier hat aus Zeitmangel die Gitarre an den Nagel gehängt, dafür sind Bassist Thomas Peters und der frühere Gitarrist Florian Klein mit an Bord. Das Projekt läuft also weiter und das ist gut so. Denn TIMEMAGE erlauben es selbst Zynikern, an das Gute im Menschen zu glauben.

Wenn Stephan Schenkel verkündet – allen derzeit mit vielen Emotionen und wenig durchdachten Argumenten und Lösungsvorschlägen geführten Urheberrechts-Diskussionen zum Trotz: „Uns geht es wirklich nur darum, Musik zu machen, die uns selbst gefällt und dabei möglichst viele geneigte Hörer zu finden“, dann nehmen wir ihm das angesichts solcher Produktionen ohne jeden Zweifel ab. TIMEMAGE bieten auf ihrer Homepage alle(!) bisher erschiene Musik kostenlos zum Download an. Also: ladet runter, testet, spendet oder kauft die verfügbaren CDs für einen Appel und ein halbes Ei direkt bei der Band. Es lohnt sich.

Rebirth leidet, mehr als Witchcraft, an der Heimproduktion. Die ist zwar immer noch höchst bemerkenswert und weit entfernt von jeder Semiprofessionalität oder gar amateurhaftem Dilettantismus. Aber die Musik von TIMEMAGE braucht den vollen, sauberen Klang; die Möglichkeit sich auch technisch entfalten zu können. Das blecherne klingende Schlagzeug, der etwas verwaschene Sound der restlichen Instrumente hinterlässt mehr eine Ahnung von dem, was TIMEMAGE sein könnten, als das was sie sind. Also habt ein Einsehen, gebt dem Schenkel Geld, lasst ihn im Lotto gewinnen, damit die technische Umsetzung endlich den musikalischen Ansprüchen (und ihrer Erfüllung) entsprechen kann.

Ansonsten wie gehabt: Höchste Empfehlungsstufe!