THYRFING – Farsotstider

 
Label: Regain Records
Release: 24.11.2005
Von: Psycho
Punkte: 9/10
Time: 48:19
Stil: Viking Metal
URL: Thyrfing
 

Labelmund tut Wahrheit kund... Ok, diese Lebensweisheit trifft nur selten zu, statt dessen wird meistens gestrunzt und schön geredet, das sich die Balken biegen, während die so beworbenen Produkte die schwierige Aufgabe meistern müssen, der dementsprechend hohen Erwartungshaltung dann tatsächlich auch noch gerecht zu werden. Den umgekehrten Weg gehen hingegen Regain Records im Info zur neuen CD von THYRFING, denn zum ersten Album heißt es da z.B.: „... the album was maybe not a masterpiece, but a warning for what to come. THYRFING was a band with potential”.
Und damit liegt man auf Seiten des Labels genau richtig. Waren die Schweden am Beginn ihrer Karriere klar als eine Viking/Pagan-Kapelle unter vielen, so steigerte man sich kontinuierlich und konnte mit dem letzten Album Vansinnesvisor bereits in die Oberliga des Genres aufsteigen. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich die nun zu vernehmende Steigerung nicht erwartet hätte...
Im Prinzip gehen THYRFING dabei einen ähnlichen Weg wie ihre skandinavischen Nachbarn Moonsorrow, die auf ihrer letzten CD ebenfalls unerwartet atmosphärisch und düster daherkamen und damit einen absoluten Volltreffer gelandet haben. Gleiches gibt es nun auch hier zu bestaunen, allerdings nicht in solch epischen Dimensionen (und mit nur zwei überlangen Stücken), sondern man bleibt wesentlich songdienlicher, kompositorisch knackiger (und kürzer) und legt auch mehr Wert auf verschiedene Tempi, so dass immer mal wieder einige Takte lang das Schlagzeug auf’s heftigste malträtiert wird. Insgesamt gibt es mehr einprägsame und gleichsam mitreißende Melodien, mehr Chöre und altertümliche Klänge und vor allem mehr Authentizität. Bereits der Opener Far Åt Helvete lässt in dieser Hinsicht keine Wünsche offen: harte und in ihrer Wirkung optimal präsentierte Riffs umfangen den Hörer und versetzen ihn in die Zeit des Farsotstider (deutsch: Zeit der Plagen). Die Texte werden nun komplett in Schwedisch vorgetragen, was bei der musikalischen Entwicklung absolut konsequent erscheint. Weiterhin befinden sich auf meinem Promo 9 Stücke, auf der Hülle sind aber nur 8 angedruckt. Keine Ahnung, ob es sich dabei um einen Hidden Track handeln soll, oder ob da noch beim Druck gespart wurde (Cover gab es nämlich auch noch keins), aber auch dieses Stück ist, wie der Rest der CD, definitiv gelungen. Und Stücke wie das großartige Jag Spår Fördärv, das von seiner wunderbaren Atmosphäre lebende Höst oder das typisch finnisch klingende Baldersbålet sollten der Band endlich zum somit auch wohlverdienten Durchbruch verhelfen.
Warum es trotzdem nur 9 Punkte gibt, obwohl ich an Farsotstider eigentlich nichts auszusetzen habe? Ganz einfach: die letzte Moonsorrow finde ich persönlich einfach doch noch einen Tick geiler, und das muss sich im Verhältnis ja noch irgendwie ausdrücken. Es gibt aber natürlich überhaupt keinen Grund für euch, sich deswegen die THYRFING-CD nicht zuzulegen...