Labelmund
tut Wahrheit kund... Ok, diese Lebensweisheit trifft nur selten
zu, statt dessen wird meistens gestrunzt und schön geredet,
das sich die Balken biegen, während die so beworbenen Produkte
die schwierige Aufgabe meistern müssen, der dementsprechend
hohen Erwartungshaltung dann tatsächlich auch noch gerecht
zu werden. Den umgekehrten Weg gehen hingegen Regain Records
im Info zur neuen CD von THYRFING, denn zum
ersten Album heißt es da z.B.: „... the album was
maybe not a masterpiece, but a warning for what to come. THYRFING
was a band with potential”.
Und damit liegt man auf Seiten des Labels genau richtig. Waren
die Schweden am Beginn ihrer Karriere klar als eine Viking/Pagan-Kapelle
unter vielen, so steigerte man sich kontinuierlich und konnte
mit dem letzten Album Vansinnesvisor
bereits in die Oberliga des Genres aufsteigen. Trotzdem muss
ich zugeben, dass ich die nun zu vernehmende Steigerung nicht
erwartet hätte...
Im Prinzip gehen THYRFING dabei einen ähnlichen
Weg wie ihre skandinavischen Nachbarn Moonsorrow, die auf ihrer
letzten CD ebenfalls unerwartet atmosphärisch und düster
daherkamen und damit einen absoluten Volltreffer gelandet haben.
Gleiches gibt es nun auch hier zu bestaunen, allerdings nicht
in solch epischen Dimensionen (und mit nur zwei überlangen
Stücken), sondern man bleibt wesentlich songdienlicher,
kompositorisch knackiger (und kürzer) und legt auch mehr
Wert auf verschiedene Tempi, so dass immer mal wieder einige
Takte lang das Schlagzeug auf’s heftigste malträtiert
wird. Insgesamt gibt es mehr einprägsame und gleichsam
mitreißende Melodien, mehr Chöre und altertümliche
Klänge und vor allem mehr Authentizität. Bereits der
Opener Far Åt Helvete lässt in dieser Hinsicht
keine Wünsche offen: harte und in ihrer Wirkung optimal
präsentierte Riffs umfangen den Hörer und versetzen
ihn in die Zeit des Farsotstider (deutsch:
Zeit der Plagen). Die Texte werden nun komplett in Schwedisch
vorgetragen, was bei der musikalischen Entwicklung absolut konsequent
erscheint. Weiterhin befinden sich auf meinem Promo 9 Stücke,
auf der Hülle sind aber nur 8 angedruckt. Keine Ahnung,
ob es sich dabei um einen Hidden Track handeln soll, oder ob
da noch beim Druck gespart wurde (Cover gab es nämlich
auch noch keins), aber auch dieses Stück ist, wie der Rest
der CD, definitiv gelungen. Und Stücke wie das großartige
Jag Spår Fördärv, das von seiner wunderbaren
Atmosphäre lebende Höst oder das typisch
finnisch klingende Baldersbålet sollten der Band
endlich zum somit auch wohlverdienten Durchbruch verhelfen.
Warum es trotzdem nur 9 Punkte gibt, obwohl ich an Farsotstider
eigentlich nichts auszusetzen habe? Ganz einfach: die letzte
Moonsorrow finde ich persönlich einfach doch noch einen
Tick geiler, und das muss sich im Verhältnis ja noch irgendwie
ausdrücken. Es gibt aber natürlich überhaupt
keinen Grund für euch, sich deswegen die THYRFING-CD
nicht zuzulegen...