THUNDER RIDER – Tales Of Darkness & Light Chapter II

 
Label: Eigenproduktion
Release: 2004
Von: Bulletrider
Punkte: 8/10
Time: 59:43
Stil: Epic Heavy Metal
URL: Thunder Rider
 
Bei den Tonnen an Metalbands ist es nicht verwunderlich, dass einem so manch klasse Band auch mal durch die Lappen geht. Dank eines im Underground verwurzelten Freundes und Kollegen, der mir THUNDER RIDER empfohlen hatte, ist mir aber zumindest diese wohl eher unbekannte Perle nicht entgangen. Was aufgrund der Hochkarätigkeit der Songs auch eine wahre Schande gewesen wäre.
Obwohl bereits 1980 gegründet ist das 2002 veröffentlichte Tales Of Darkness & Light Chapter II erst das zweite (!) Album der kanadischen Band.
Tales Of Darkness & Light Chapter II ist ein wahres Füllhorn (15 Tracks + Outro) authentischen und ursprünglichen Metals, welcher dazu in ziemlich eigenständiger Weise und Machart dar geboten wird. Grundsätzlich spielen THUNDER RIDER epischen Heavy Metal im Stile alter Manowar Alben, aber auch Bands wie Overlorde oder Doomsword nicht ganz unähnlich. Was THUNDER RIDER aber auf jeden Fall von diesen unterscheidet, sind zum einen häufig verwendete Keyboards, die zwischen Untermalung und Soundtrack Ähnlichkeit schwanken und den Songs schon viel „Farbe“ verleihen. Zudem ist der trockene, erdige Sound recht basslastig und weist vereinzelt sogar leichte Progelemente auf, die zumindest mich in Verbindung mit einigen Keyboardstellen gar an ganz alte Marillion (ich sag nur Grendel, Forgotten Sons, She Chameleon, He Knows You Know etc.) erinnern.
Doch noch weitaus besonderer ist der zuerst seltsame, später aber sich dennoch perfekt ins Gesamtbild einfügende, kauzige Gesang von John Blackwing (Topname!), der, wenn überhaupt mit jemandem, mit Manilla Road’s Mark Shelton verglichen werden kann, dessen Band schon deutlich auch als Einfluss herauszuhören ist.
Trotz der erwähnten Keyboards stehen bei THUNDER RIDER aber eindeutig die Gitarren an erster Stelle, die mit einer Menge an klasse Riffs, tollen Melodien und einigen richtig geilen Soli den Hörer begeistern. Angenehm ist auch, dass trotz der epischen Grundausrichtung, die zum Großteil durch die Art der Vocals aufgebaut wird, die Songs zum Großteil eher kurz gehalten sind.
Gut, manchmal verfliegt so die aufgebaute Stimmung vielleicht ein klein wenig zu schnell, andererseits kommen THUNDER RIDER so auf Tales Of Darkness & Light Chapter II immer schön knackig auf den Punkt. Richtig etwas Negatives kann man hier kaum finden. Ok – nicht jeder Song ist ein absoluter Killer und manchmal kommt der ein oder andere Refrain etwas eintönig daher, grundsätzlich aber hat man es hier mit einem wirklich außerordentlich gelungen Stück Metal fernab von peinlichen Klischees zu tun, welcher auch noch mit einem Schuss Selbstironie garniert wurde (hört euch mal das Outro an!).
Allein solch geniale Songs wie Thy Kingdom Come (extrem geiles Bombastintro), First Born (klasse platziertes Keyboardbreak), Holy Terror (leicht proggige Auswüchse mit erwähnten Marillion/Grendel Anleihen), Satan’s Wrath oder das brillante über sieben Minuten lange Stück Heavy Metal Wizzard, in dem die Band alle ihrer Charakteristika gekonnt zusammenführt, zeigen deutlich die Hochkarätigkeit von THUNDER RIDER auf.
An dem Gesang werden sich wahrscheinlich die Geister scheiden. Wer diesen allerdings mag oder zumindest tolerieren kann, kriegt hier 1A Metalware und sollte sich dieses Kleinod auf jeden Fall zulegen. Ich für meinen Teil bin schwer angetan von Tales Of Darkness & Light Chapter II und hoffe, dass bis zum dritten Kapitel nicht erneut (Chapter I ist von 1987) mehr als ein Jahrzehnt vergeht.
Höchst empfehlenswert!