Bei
den Tonnen an Metalbands ist es nicht verwunderlich, dass einem
so manch klasse Band auch mal durch die Lappen geht. Dank eines
im Underground verwurzelten Freundes und Kollegen, der mir THUNDER
RIDER empfohlen hatte, ist mir aber zumindest diese wohl
eher unbekannte Perle nicht entgangen. Was aufgrund der Hochkarätigkeit
der Songs auch eine wahre Schande gewesen wäre.
Obwohl bereits 1980 gegründet ist das 2002 veröffentlichte
Tales Of Darkness & Light Chapter II erst
das zweite (!) Album der kanadischen Band.
Tales Of Darkness & Light Chapter II ist ein
wahres Füllhorn (15 Tracks + Outro) authentischen und ursprünglichen
Metals, welcher dazu in ziemlich eigenständiger Weise und
Machart dar geboten wird. Grundsätzlich spielen THUNDER
RIDER epischen Heavy Metal im Stile alter Manowar Alben,
aber auch Bands wie Overlorde oder Doomsword nicht ganz unähnlich.
Was THUNDER RIDER aber auf jeden Fall von diesen unterscheidet,
sind zum einen häufig verwendete Keyboards, die zwischen
Untermalung und Soundtrack Ähnlichkeit schwanken und den
Songs schon viel „Farbe“ verleihen. Zudem ist der
trockene, erdige Sound recht basslastig und weist vereinzelt
sogar leichte Progelemente auf, die zumindest mich in Verbindung
mit einigen Keyboardstellen gar an ganz alte Marillion (ich
sag nur Grendel, Forgotten Sons, She Chameleon, He Knows You
Know etc.) erinnern.
Doch noch weitaus besonderer ist der zuerst seltsame, später
aber sich dennoch perfekt ins Gesamtbild einfügende, kauzige
Gesang von John Blackwing (Topname!), der, wenn überhaupt
mit jemandem, mit Manilla Road’s Mark Shelton verglichen
werden kann, dessen Band schon deutlich auch als Einfluss herauszuhören
ist.
Trotz der erwähnten Keyboards stehen bei THUNDER RIDER
aber eindeutig die Gitarren an erster Stelle, die mit einer
Menge an klasse Riffs, tollen Melodien und einigen richtig geilen
Soli den Hörer begeistern. Angenehm ist auch, dass trotz
der epischen Grundausrichtung, die zum Großteil durch
die Art der Vocals aufgebaut wird, die Songs zum Großteil
eher kurz gehalten sind.
Gut, manchmal verfliegt so die aufgebaute Stimmung vielleicht
ein klein wenig zu schnell, andererseits kommen THUNDER RIDER
so auf Tales Of Darkness & Light Chapter II
immer schön knackig auf den Punkt. Richtig etwas Negatives
kann man hier kaum finden. Ok – nicht jeder Song ist ein
absoluter Killer und manchmal kommt der ein oder andere Refrain
etwas eintönig daher, grundsätzlich aber hat man es
hier mit einem wirklich außerordentlich gelungen Stück
Metal fernab von peinlichen Klischees zu tun, welcher auch noch
mit einem Schuss Selbstironie garniert wurde (hört euch
mal das Outro an!).
Allein solch geniale Songs wie Thy Kingdom Come (extrem
geiles Bombastintro), First Born (klasse platziertes
Keyboardbreak), Holy Terror (leicht proggige Auswüchse
mit erwähnten Marillion/Grendel Anleihen), Satan’s
Wrath oder das brillante über sieben Minuten lange
Stück Heavy Metal Wizzard, in dem die Band alle
ihrer Charakteristika gekonnt zusammenführt, zeigen deutlich
die Hochkarätigkeit von THUNDER RIDER auf.
An dem Gesang werden sich wahrscheinlich die Geister scheiden.
Wer diesen allerdings mag oder zumindest tolerieren kann, kriegt
hier 1A Metalware und sollte sich dieses Kleinod auf jeden Fall
zulegen. Ich für meinen Teil bin schwer angetan von Tales
Of Darkness & Light Chapter II und hoffe, dass bis
zum dritten Kapitel nicht erneut (Chapter I ist von 1987) mehr
als ein Jahrzehnt vergeht.
Höchst empfehlenswert!