STEVE THORNE – Emotional Creatures: Part One

 
Label: InsideOut
Release: 25.04.2005
Von: moonchild
Punkte: 10*/10
Time: 52:56
Stil: Progressive Artrock
URL: Steve Thorne
 

„It’s no secret, I eat, sleep and breathe music.” Hätte ich dieses Zitat STEVE THORNE’s gekannt, bevor ich das Album zum ersten Mal anhörte, wäre ich wohl nicht ganz so überrascht gewesen, dass es mich von der ersten bis zur letzten Sekunde und auf ganzer Linie ergriff und mich auch nach dem x-ten Hören immer noch genauso intensiv zu fesseln vermag.

Ich lege euch hiermit das Debüt-Album Emotional Creatures Part One von STEVE THORNE ans Herz. Der Brite ist Multiinstrumentalist, Sänger und Songwriter und konnte sich über die Jahre als Solokünstler und Mitglied der Bands Colony Earth und The Salamander Project in Großbritannien einen gewissen Namen machen. Hierzulande ist er erst vor kurzem als Support für Jadis zu bewundern gewesen. Ihn selbst unterstützt haben Kollegen wie Martin Orford, John Jowitt und Paul Cook (alle IQ), Gary Chandler und Steve Christey (beide Jadis), Nick D’Virgilio (Spock’s Beard), Tony Levin (King Crimson) und Geoff Downes (Asia), was eindeutig für die hohe Qualität dieses Albums und THORNE’s unumwundene Anerkennung durch diese Herren spricht.
Emotional Creatures Part One zeichnet sich aus durch exzellentes, sehr eigenständiges und gefühlvolles Songwriting, das nur hier und da durchblicken lässt, dass THORNE sich von der Musik Peter Gabriel’s, Roger Waters’ und von Genesis inspirieren lässt. THORNE’s Musik erinnert aber auch an jene von Fish und natürlich frühe Pink Floyd. Meisterhaft kreiert und arrangiert er wunderschöne Melodien, die einen träumen und empfinden lassen. Doch nimmt man die Lyrics hinzu, die sich durchweg kritisch mit verschiedenen negativen Empfindungen und Zuständen auseinandersetzten, beginnt man zu schlucken. Der Gegensatz dieser zuckersüßen, schwelgenden Musik zu den besorgt-traurigen bis bitterbösen Themen unterstreicht die Brisanz derselben auf sehr subtile aber wirkungsvolle Art und Weise. Wird man einerseits von diesem facettenreichen musikalischen Teppich sicher getragen, lassen einen THORNE’s Aussagen andererseits immer wieder ohne klare Orientierung; lassen einen nachdenken, interpretieren: sagt sich die Frau in Last Line mit „This ist the last line/This ist the last time“, dass sie sich von der Drogensucht befreien will oder ist es die „letzte Linie“, weil sie dann daran stirbt? Was ist mit der Frau geschehen, um die es in Julia geht? Hat sie etwa nachdem sie selbst offensichtlich etwas Unerträgliches erleiden musste, gemordet? Hält THORNE (Psycho-)therapie, thematisiert in Therapy, für geeignet und sinnvoll, jemanden vor dem Kreislauf des Alltäglichen mit aller Langeweile, Antriebslosigkeit, Orientierungslosigkeit, Angst zu retten? Oder macht die Therapie letztendlich keinen Unterschied, sagt er doch erst, dass er Brücken und Zäune bauen, dann aber zwei Zeilen später, dass er sie abbrennen müsse? Eindeutiger wird STEVE THORNE in Tumbleweeds, in dem er unsere Vergänglichkeit besingt, wunderbar begleitet u.a. von Akustikgitarre, Mandolin und einfühlsamen Percussions. Musikalisch fast noch harmlos-schöner ist der Song God Bless America, in dem sich THORNE mit bösem Sarkasmus gegen die blinde Hörigkeit seines Heimatlandes gegenüber den USA ausspricht. Dass er das Leben mit allen Emotionen schätzt, lässt der Titel Every Second Counts vermuten, welcher ein gekonnt entwickeltes Instrumental darstellt und einen wirklich jede Sekunde erleben lässt.
Bleibt noch zu erwähnen, dass THORNE die Musik größtenteils selbst eingespielt hat und somit auf diversen Instrumenten (z.B.: Acoustic Guitar, Electric Guitar, Nylon Guitar, Bass Guitar, Fretless Bass, Keyboards, Percussion) absolut überzeugt. Nicht unerheblich ist allerdings auch die Wirkung seiner Stimme, die einfach perfekt zu seinen von Akustikgitarren, schwelgenden Harmonien und üppigen Gesangsarrangements dominierten Liedern passt und die er angemessen emotional einsetzt.

Emotional Creatures Part One ist ein übermenschliches Debüt, dem man es anhört, dass es über eine gewisse Zeit wachsen durfte. STEVE THORNE hat die Messlatte damit sehr hoch gehängt, aber wir dürfen uns trotzdem mit Sicherheit auf Emotional Creatures Part Two freuen, dessen Material (und mehr) er schon längst geschrieben und als Rohfassung aufgenommen hat und von dem er selbst sagt, dass es einige seiner besten Songs enthält.
Von diesem Mann werden wir in Zukunft noch so einige Leckerbissen serviert bekommen. Wohl bekomm’s!