„It’s
no secret, I eat, sleep and breathe music.” Hätte
ich dieses Zitat STEVE THORNE’s gekannt,
bevor ich das Album zum ersten Mal anhörte, wäre ich
wohl nicht ganz so überrascht gewesen, dass es mich von
der ersten bis zur letzten Sekunde und auf ganzer Linie ergriff
und mich auch nach dem x-ten Hören immer noch genauso intensiv
zu fesseln vermag.
Ich lege
euch hiermit das Debüt-Album Emotional Creatures
Part One von STEVE THORNE ans
Herz. Der Brite ist Multiinstrumentalist, Sänger und Songwriter
und konnte sich über die Jahre als Solokünstler und
Mitglied der Bands Colony Earth und The Salamander Project in
Großbritannien einen gewissen Namen machen. Hierzulande
ist er erst vor kurzem als Support für Jadis zu bewundern
gewesen. Ihn selbst unterstützt haben Kollegen wie Martin
Orford, John Jowitt und Paul Cook (alle IQ), Gary Chandler und
Steve Christey (beide Jadis), Nick D’Virgilio (Spock’s
Beard), Tony Levin (King Crimson) und Geoff Downes (Asia), was
eindeutig für die hohe Qualität dieses Albums und
THORNE’s unumwundene Anerkennung durch
diese Herren spricht.
Emotional Creatures Part One zeichnet
sich aus durch exzellentes, sehr eigenständiges und gefühlvolles
Songwriting, das nur hier und da durchblicken lässt, dass
THORNE sich von der Musik Peter Gabriel’s,
Roger Waters’ und von Genesis inspirieren lässt.
THORNE’s Musik erinnert aber auch an
jene von Fish und natürlich frühe Pink Floyd. Meisterhaft
kreiert und arrangiert er wunderschöne Melodien, die einen
träumen und empfinden lassen. Doch nimmt man die Lyrics
hinzu, die sich durchweg kritisch mit verschiedenen negativen
Empfindungen und Zuständen auseinandersetzten, beginnt
man zu schlucken. Der Gegensatz dieser zuckersüßen,
schwelgenden Musik zu den besorgt-traurigen bis bitterbösen
Themen unterstreicht die Brisanz derselben auf sehr subtile
aber wirkungsvolle Art und Weise. Wird man einerseits von diesem
facettenreichen musikalischen Teppich sicher getragen, lassen
einen THORNE’s Aussagen andererseits
immer wieder ohne klare Orientierung; lassen einen nachdenken,
interpretieren: sagt sich die Frau in Last Line mit
„This ist the last line/This ist the last time“,
dass sie sich von der Drogensucht befreien will oder ist es
die „letzte Linie“, weil sie dann daran stirbt?
Was ist mit der Frau geschehen, um die es in Julia
geht? Hat sie etwa nachdem sie selbst offensichtlich etwas Unerträgliches
erleiden musste, gemordet? Hält THORNE
(Psycho-)therapie, thematisiert in Therapy, für geeignet
und sinnvoll, jemanden vor dem Kreislauf des Alltäglichen
mit aller Langeweile, Antriebslosigkeit, Orientierungslosigkeit,
Angst zu retten? Oder macht die Therapie letztendlich keinen
Unterschied, sagt er doch erst, dass er Brücken und Zäune
bauen, dann aber zwei Zeilen später, dass er sie abbrennen
müsse? Eindeutiger wird STEVE THORNE in
Tumbleweeds, in dem er unsere Vergänglichkeit
besingt, wunderbar begleitet u.a. von Akustikgitarre, Mandolin
und einfühlsamen Percussions. Musikalisch fast noch harmlos-schöner
ist der Song God Bless America, in dem sich THORNE
mit bösem Sarkasmus gegen die blinde Hörigkeit seines
Heimatlandes gegenüber den USA ausspricht. Dass er das
Leben mit allen Emotionen schätzt, lässt der Titel
Every Second Counts vermuten, welcher ein gekonnt entwickeltes
Instrumental darstellt und einen wirklich jede Sekunde erleben
lässt.
Bleibt noch zu erwähnen, dass THORNE die
Musik größtenteils selbst eingespielt hat und somit
auf diversen Instrumenten (z.B.: Acoustic Guitar, Electric Guitar,
Nylon Guitar, Bass Guitar, Fretless Bass, Keyboards, Percussion)
absolut überzeugt. Nicht unerheblich ist allerdings auch
die Wirkung seiner Stimme, die einfach perfekt zu seinen von
Akustikgitarren, schwelgenden Harmonien und üppigen Gesangsarrangements
dominierten Liedern passt und die er angemessen emotional einsetzt.
Emotional
Creatures Part One ist ein übermenschliches
Debüt, dem man es anhört, dass es über eine gewisse
Zeit wachsen durfte. STEVE THORNE hat die Messlatte
damit sehr hoch gehängt, aber wir dürfen uns trotzdem
mit Sicherheit auf Emotional Creatures Part Two
freuen, dessen Material (und mehr) er schon längst geschrieben
und als Rohfassung aufgenommen hat und von dem er selbst sagt,
dass es einige seiner besten Songs enthält.
Von diesem Mann werden wir in Zukunft noch so einige Leckerbissen
serviert bekommen. Wohl bekomm’s!