Lang,
lang ist's her, dass ich noch Bands wie Atheist, Cynic oder
Sadus verehrt habe. Das ist ein bisschen schade für THOLUS,
denn genau in diesem stilistischen Umfeld bewegt sich die bereits
seit Beginn der 90er existierende Band, die mit Constant
allerdings erst jetzt ihr Debüt vorlegen kann. Darauf ist
allerdings der Anteil der Fusion-/Jazz-Charakteristiken doch
deutlich höher anzusiedeln als erwartet, was mir das Anhören
dann doch ungemein erschwert hat.
Daher bleiben wir einmal grundsätzlich: die beteiligten
Musiker verstehen ihr Handwerk definitiv, für den eher
straight orientierten Hörer klingen die Songs aber trotzdem
(oder gerade deswegen!) wie eine Mischung aus Improvisationstheater
und der individuellen Warmspielphase zu Beginn einer Bandprobe.
Die Songs bestehen folglich aus einer willkürlich anmutenden
Anhäufung von sehr vielen übereinander gelegten und
verschachtelten Riffs, die sich im Regelfall in dem jeweiligen
Song in dieser Form nicht noch einmal wiederholen. Sogar Blast-Beats
klingen so nicht mehr hart, sondern eher verspielt, und die
Growls der beiden Sänger sind folglich das einzige, was
tatsächlich noch an originären Death Metal erinnert.
Denn für meinen Geschmack bleibt aufgrund der ständigen
Breaks, Lead-Fills und den "improvisiert" klingenden
Passagen die Härte der Musik zu sehr auf der Strecke.
Wer jedoch Spaß an Gefrickel hat, oder einmal versuchen
möchte, die ganzen Taktwechsel und Harmonieverschiebungen
pro Song mitzuzählen und generell bei Musik einen eher
mathematischen Ansatz verfolgt, der wird Constant
lieben. Auch für Freunde musikalischer Extreme jenseits
der abgegriffen Formel "höher-schneller-weiter"
stellt die CD ein gefundenes Fressen dar, denn das Gebotene
ist wirklich krass und dabei sehr gekonnt von normalen Songstrukturen
entfremdet.
Alle "normalen" Musikkonsomenten werden mit dieser
Veröffentlichung allerdings überhaupt nichts anfangen
können. Wer es trotzdem mal probieren will; der Track Involuntary
dürfte regulären Hörgewohnheiten noch am ehesten
zugänglich sein. Der instrumentale Titeltrack stellt dann
auch die generelle Ausnahme der Regel dar, enthält er doch
neben sphärischen Keyboardpassagen nur ein gelegentlich
leicht variiertes Grundriff, was aber eben nicht typisch für
THOLUS ist. Daher glaubt mir: die Werke von
z.B. Nile enthalten gegenüber dieser CD straighte Rocksongs…
Fazit: THOLUS sind technisch absolut beschlagen
und wissen genau was sie hier tun. Ohne musiktheoretische Grundlagen
wird man das nur leider kaum nachvollziehen können. Die
Band zieht ihr Konzept aber konsequent und auf durchgehend hohem
Niveau durch, lediglich der Spagat zwischen musikalischem Anspruch
und der genretypischen Härte glückt in meinen Augen
zu selten. Da nützt es auch nichts, dass man im hinteren
Drittel von Staring Black tatsächlich noch die
im Info erwähnten Carcass-Wurzeln heraushören kann.
Mein Geschmack ist das also überhaupt nicht mehr, aber
objektiv hat die Band für diesen Bereich eine ansprechende
Leistung abgeliefert. Ich versuche es daher mal mit neutral-objektiven
7,5 Punkten.