THOLUS – Constant

 
Label: Goregorecords
Release: 17.04.2007
Von: Psycho
Punkte: 7.5/10
Time: 45:44
Stil: Technical Death Metal
URL: Tholus
 
Lang, lang ist's her, dass ich noch Bands wie Atheist, Cynic oder Sadus verehrt habe. Das ist ein bisschen schade für THOLUS, denn genau in diesem stilistischen Umfeld bewegt sich die bereits seit Beginn der 90er existierende Band, die mit Constant allerdings erst jetzt ihr Debüt vorlegen kann. Darauf ist allerdings der Anteil der Fusion-/Jazz-Charakteristiken doch deutlich höher anzusiedeln als erwartet, was mir das Anhören dann doch ungemein erschwert hat.
Daher bleiben wir einmal grundsätzlich: die beteiligten Musiker verstehen ihr Handwerk definitiv, für den eher straight orientierten Hörer klingen die Songs aber trotzdem (oder gerade deswegen!) wie eine Mischung aus Improvisationstheater und der individuellen Warmspielphase zu Beginn einer Bandprobe. Die Songs bestehen folglich aus einer willkürlich anmutenden Anhäufung von sehr vielen übereinander gelegten und verschachtelten Riffs, die sich im Regelfall in dem jeweiligen Song in dieser Form nicht noch einmal wiederholen. Sogar Blast-Beats klingen so nicht mehr hart, sondern eher verspielt, und die Growls der beiden Sänger sind folglich das einzige, was tatsächlich noch an originären Death Metal erinnert. Denn für meinen Geschmack bleibt aufgrund der ständigen Breaks, Lead-Fills und den "improvisiert" klingenden Passagen die Härte der Musik zu sehr auf der Strecke.
Wer jedoch Spaß an Gefrickel hat, oder einmal versuchen möchte, die ganzen Taktwechsel und Harmonieverschiebungen pro Song mitzuzählen und generell bei Musik einen eher mathematischen Ansatz verfolgt, der wird Constant lieben. Auch für Freunde musikalischer Extreme jenseits der abgegriffen Formel "höher-schneller-weiter" stellt die CD ein gefundenes Fressen dar, denn das Gebotene ist wirklich krass und dabei sehr gekonnt von normalen Songstrukturen entfremdet.
Alle "normalen" Musikkonsomenten werden mit dieser Veröffentlichung allerdings überhaupt nichts anfangen können. Wer es trotzdem mal probieren will; der Track Involuntary dürfte regulären Hörgewohnheiten noch am ehesten zugänglich sein. Der instrumentale Titeltrack stellt dann auch die generelle Ausnahme der Regel dar, enthält er doch neben sphärischen Keyboardpassagen nur ein gelegentlich leicht variiertes Grundriff, was aber eben nicht typisch für THOLUS ist. Daher glaubt mir: die Werke von z.B. Nile enthalten gegenüber dieser CD straighte Rocksongs…
Fazit: THOLUS sind technisch absolut beschlagen und wissen genau was sie hier tun. Ohne musiktheoretische Grundlagen wird man das nur leider kaum nachvollziehen können. Die Band zieht ihr Konzept aber konsequent und auf durchgehend hohem Niveau durch, lediglich der Spagat zwischen musikalischem Anspruch und der genretypischen Härte glückt in meinen Augen zu selten. Da nützt es auch nichts, dass man im hinteren Drittel von Staring Black tatsächlich noch die im Info erwähnten Carcass-Wurzeln heraushören kann.
Mein Geschmack ist das also überhaupt nicht mehr, aber objektiv hat die Band für diesen Bereich eine ansprechende Leistung abgeliefert. Ich versuche es daher mal mit neutral-objektiven 7,5 Punkten.