Nach den beiden experimentelleren und progressiveren Vorgängern Sworn Enemy: Heaven und Dimorphic Cynosure werfen THIRDMOON Ballast ab, fokussieren sich auf ihre erstklassigen Merkmale und erinnern phasenweise sogar an ihr Debütalbum. Diesmal eindeutig im Vordergrund: Eingängigkeit, ohne platt zu wirken, Groove, ohne aufgesetzt zu klingen und Melodiösität, ohne den Klang zu verwässern.
Die Kompositionen sind gestrafft, kommen schnell auf den Punkt und beinhalten trotzdem genug Spielraum für moderne Einsprengsel, symphonische Farbtupfer und prägnante Taktwechsel. Spannende Songs mit Tiefgang erwarten uns, Wolfgang Rothbauer und seine Truppe sind seit Jahren für das feine Händchen bekannt, großartige Melodiebögen zu spannen sowie den einen oder anderen griffigen Refrain aus dem Ärmel zu schütteln.
Dementsprechend effektiv ziehen schon die ersten Riffs von Among The Demons die Nackenmuskeln und das harmoniebedürftige Metallerherz unweigerlich in ihren Bann – das ist der Rhythmus, bei dem ich am liebsten vor lauter Freude zum Mond und wieder zurück springen würde. Herrlich dezent integrieren die Musiker dezente Keyboardteppiche, um den Sound voluminöser zu gestalten, überfrachten den Song aber keineswegs und glänzen mit einem erstklassigen Einstieg.
Um den Rahmen nicht zu sprengen, nehme ich den überragenden Ohrwurm Invisible exemplarisch unter die Lupe, denn dieses Kleinod besitzt einfach alles für einen Band-Klassiker: eine kurze, harmonische Einleitung, die den Weg zu furiosen Grooves und einem bissigen Refrain bereitet, flirrende Gitarrenleads und ein harsches Break vereinigen sich zu dieser melodischen Glanztat.
Das von blitzschnellen Blasts durchzogene Autumnal Moonlight führt uns nicht nur durch die Titelgebung, sondern aufgrund der atmosphärischen Dichte und jugendlichen Unbekümmertheit zurück zu den Wurzeln, die auf Grotesque Autumnal Weepings für angenehme Hörerlebnisse sorgten. Die wunderbaren Akustikgitarren setzen dem Stück die musikalische Krone auf und erfreuen uns im Verlauf von Terrarum Exuviae erfreulicherweise noch öfter. Das opulente, klassische Bombastfinale bietet bis zum letzten Ton reichhaltige Abwechslung und atemberaubende Spannungselemente.
Bei Decline In Chaos geht es etwas moderner zu und kalte Heavyness steht eher im Vordergrund, bevor Ghost Of Tears ein melancholisches, teils getragenes Abschlusskapitel darstellt und mit flächigen Keyboardsequenzen sowohl Schwere als auch unendliche Leichtigkeit zugleich verpasst bekommt.
Ganz egal, ob THIRDMOON in mittelschnellem Pathos schwelgen, unheilschwangerer Melodik frönen oder akustische Schmankerl vom Stapel lassen – nach langen Jahren des Wartens stellt Terrarum Exuviae eine glanzvolle, energische und außerordentlich variable Rückkehr dar. Ein Paukenschlag!!!