Zu Ihrem neuen
Werk, das sich kryptisch Dimorphic Cynosure
(zweigestaltiger Anziehungspunkt) nennt, hätte ich mehr
als nur ein Wort zu sagen. Ich finde es nach dem erstklassigen
Album von In Slumber schon nahezu beängstigend, mit welcher
schier unermesslich scheinenden Kreativität eine Hammerscheibe
nach der anderen auf die Musikwelt losgelassen wird! Im Namen
meiner psychischen und auch physischen Gesundheit (ich sag'
nur Genickwirbelschleudertrauma…) muss ich Sie also
leider bitten, von weiteren Kompositionen dieser Güteklasse
abzusehen. Diese geballte Ansammlung von wunderschönen
Melodien, egal ob von Akustik- oder E-Gitarre gespielt, der
verschwenderische Umgang mit Ohrwurm-Refrains oder die dauernden
Stimmungswechsel stellen meine Nerven erneut auf eine harte
Probe. Dies geschieht aber äußerst positiv, besonders
angetan bin ich von Ihrer Akribie, den Liedern eine gehörige
Portion Abwechslung angedeihen zu lassen. Hierbei möchte
ich die virtuose Verwendung der Akustischen durch Euren Saitenhexer
Dominik lobend erwähnen. Er steckt eine Menge Herzblut
in sein Spiel und liefert zusammen mit seinem Partner Matias
ein wahres Feuerwerk an kraftvollen und filigranen Melodien
ab. Die Rhythmusgruppe legt einen ordentlichen Groove vor,
auf dem sich mannigfaltige akustische Perlen in ganzer Pracht
entwickeln können. Auch Sie, verehrter Herr Rothbauer,
haben sich in punkto Gesangsvortrag noch um einiges gesteigert
und schaffen es, ihre Stimmbänder noch variabler als
auf Meisterwerken wie Aquis Submersus
oder Bloodforsaken zu verwenden.
Ich war angenehm überrascht, wie gut sie auch die klare
Stimmlage beherrschen, bin aber ebenso froh, dass Sie dieses
Stilmittel nicht übermäßig gebrauchen und
so eine gewisse Exklusivität im Einsatz bewahren. Sie
als Künstler machen es mir in keiner Weise einfach, einzelne
Stücke gesondert hervorzuheben, nur ein paar Worte zu
einigen Hits, die allesamt auf höchstem Level angesiedelt
sind: Character Of Scars (wohl eines Ihrer Lieblingswörter,
nicht wahr?) knackt schon mit dem ersten Riff des Headbangers
Skepsis und lässt wahlweise die Fäuste gen Himmel
schnellen oder eben den Nacken rotieren. Noch bevor das Lied
eine Minute alt ist, streuen Sie schon die erste fantastische
Melodie ein, nur um gleich wieder loszudonnern, das Wechselspiel
mit teils zweistimmigen Gänsehautattacken fortsetzend,
was sogar an Iron Maiden erinnert! Gekrönt wird dieser
Track von emotionalem Gesang, auch die akustische Klampfe
blitzt kurz durch das dichte Songgerüst. Cross The
Rubicon wird dem geschichtsträchtigen Titel gerecht,
ist etwas schneller und komplizierter im Takt, vergisst aber
nicht auf hintergründige Gitarrenfinessen und Rhythmen,
die zum Bangen, Verzeihung Head-Bangen, wie geschaffen sind!
Sie besitzen die besondere Gabe, spannende Lieder zu schreiben,
die interessante Wendungen beinhalten und das über eine
ganze Stunde Spielzeit! Deshalb bitte ich Sie, meine ironische
Aufforderung am Beginn dieser Mitteilung - die exquisite und
beängstigende Qualität ihres musikalischen Schaffens
betreffend – zu ignorieren. Nehmen Sie keinerlei Rücksicht
auf irgendwelche möglichen Beeinträchtigungen meines
Gemüts oder der körperlichen Konstitution und komponieren
Sie bloß weiterhin in dieser Güte. Eine Frage sei
am Ende aber noch gestattet: wo bitte soll das noch hinführen?
Ich freue mich auf jeden Fall, nach dem mehrmaligen Genuss
von Dimorphic Cynosure, in Bälde
die Digipak-Version mit insgesamt 19 (!) Stücken in Händen
zu halten – und natürlich auf ein baldiges Konzert
mit Genickwirbelschleudertrauma!
Hochachtungsvoll
verbunden mit meiner herzlichen Gratulation verbleibe ich
in vollster Zufriedenheit und vergebe die volle Punktezahl!