THIRDMOON – Dimorphic Cynosure

 
Label: Maintain Records
Release: 23.11.2007
Von: Stormlord
Punkte: 10/10
Time: 62:01
Stil: Dark Metal
URL: Thirdmoon
 
Sehr geehrter Herr Rothbauer, geschätzte Musiker von THIRD MOON!

Zu Ihrem neuen Werk, das sich kryptisch Dimorphic Cynosure (zweigestaltiger Anziehungspunkt) nennt, hätte ich mehr als nur ein Wort zu sagen. Ich finde es nach dem erstklassigen Album von In Slumber schon nahezu beängstigend, mit welcher schier unermesslich scheinenden Kreativität eine Hammerscheibe nach der anderen auf die Musikwelt losgelassen wird! Im Namen meiner psychischen und auch physischen Gesundheit (ich sag' nur Genickwirbelschleudertrauma…) muss ich Sie also leider bitten, von weiteren Kompositionen dieser Güteklasse abzusehen. Diese geballte Ansammlung von wunderschönen Melodien, egal ob von Akustik- oder E-Gitarre gespielt, der verschwenderische Umgang mit Ohrwurm-Refrains oder die dauernden Stimmungswechsel stellen meine Nerven erneut auf eine harte Probe. Dies geschieht aber äußerst positiv, besonders angetan bin ich von Ihrer Akribie, den Liedern eine gehörige Portion Abwechslung angedeihen zu lassen. Hierbei möchte ich die virtuose Verwendung der Akustischen durch Euren Saitenhexer Dominik lobend erwähnen. Er steckt eine Menge Herzblut in sein Spiel und liefert zusammen mit seinem Partner Matias ein wahres Feuerwerk an kraftvollen und filigranen Melodien ab. Die Rhythmusgruppe legt einen ordentlichen Groove vor, auf dem sich mannigfaltige akustische Perlen in ganzer Pracht entwickeln können. Auch Sie, verehrter Herr Rothbauer, haben sich in punkto Gesangsvortrag noch um einiges gesteigert und schaffen es, ihre Stimmbänder noch variabler als auf Meisterwerken wie Aquis Submersus oder Bloodforsaken zu verwenden. Ich war angenehm überrascht, wie gut sie auch die klare Stimmlage beherrschen, bin aber ebenso froh, dass Sie dieses Stilmittel nicht übermäßig gebrauchen und so eine gewisse Exklusivität im Einsatz bewahren. Sie als Künstler machen es mir in keiner Weise einfach, einzelne Stücke gesondert hervorzuheben, nur ein paar Worte zu einigen Hits, die allesamt auf höchstem Level angesiedelt sind: Character Of Scars (wohl eines Ihrer Lieblingswörter, nicht wahr?) knackt schon mit dem ersten Riff des Headbangers Skepsis und lässt wahlweise die Fäuste gen Himmel schnellen oder eben den Nacken rotieren. Noch bevor das Lied eine Minute alt ist, streuen Sie schon die erste fantastische Melodie ein, nur um gleich wieder loszudonnern, das Wechselspiel mit teils zweistimmigen Gänsehautattacken fortsetzend, was sogar an Iron Maiden erinnert! Gekrönt wird dieser Track von emotionalem Gesang, auch die akustische Klampfe blitzt kurz durch das dichte Songgerüst. Cross The Rubicon wird dem geschichtsträchtigen Titel gerecht, ist etwas schneller und komplizierter im Takt, vergisst aber nicht auf hintergründige Gitarrenfinessen und Rhythmen, die zum Bangen, Verzeihung Head-Bangen, wie geschaffen sind!
Sie besitzen die besondere Gabe, spannende Lieder zu schreiben, die interessante Wendungen beinhalten und das über eine ganze Stunde Spielzeit! Deshalb bitte ich Sie, meine ironische Aufforderung am Beginn dieser Mitteilung - die exquisite und beängstigende Qualität ihres musikalischen Schaffens betreffend – zu ignorieren. Nehmen Sie keinerlei Rücksicht auf irgendwelche möglichen Beeinträchtigungen meines Gemüts oder der körperlichen Konstitution und komponieren Sie bloß weiterhin in dieser Güte. Eine Frage sei am Ende aber noch gestattet: wo bitte soll das noch hinführen?
Ich freue mich auf jeden Fall, nach dem mehrmaligen Genuss von Dimorphic Cynosure, in Bälde die Digipak-Version mit insgesamt 19 (!) Stücken in Händen zu halten – und natürlich auf ein baldiges Konzert mit Genickwirbelschleudertrauma!

Hochachtungsvoll verbunden mit meiner herzlichen Gratulation verbleibe ich in vollster Zufriedenheit und vergebe die volle Punktezahl!