THIN LIZZY – Still Dangerous – Live At The Tower Theatre Philadelphia 1977

 
Label: Thin Lizzy Productions
Release: 06.03.2009
Von: Joking
Punkte: 8/10
Time: 47:11
Stil: Thin Lizzy Hardrock
URL: Thin Lizzy
 
Gilt Live & Dangerous als Meisterwerk, haftet dem Album doch ein kleiner Makel an; dank ausgiebiger Nachproduktion und Overdubs, kann man bestenfalls von einer „Semi“-Live-Aufnahme sprechen. Widersprüchliche Aussagen der Band und ihres Anhangs, sowie des Produzenten Toni Visconti variieren zwischen „75% Live“ und dass nur die Drums direkt aus den Konzerten übernommen wurden. Trotzdem ein starkes Album.
Nun ist Still Dangerous – Live At The Tower Theatre Philadelphia 1977 angetreten als rohes Geschwisterlein des fast zeitgleich entstandenen großen Bruders. Weitgehend unbearbeitet soll es zugehen und die damalige Livepower THIN LIZZYs direkt in die heimischen Wohnzimmer tragen.
Das gelingt auch bemerkenswert gut, wenn auch von einer „Rohfassung“ keine Rede sein kann. Das Publikum wurde zugunsten der Musikalität in den Hintergrund gemischt, aus dem gleichen Grund verschwanden Phil Lynotts lange und launige Ansagen. Nachvollziehbar. Weniger nachvollziehbar ist, dass die Setliste gekürzt wurde, und so nur eine durchschnittliche CD-Lauflänge von 47 Minuten übrig blieb.
Die haben es allerdings in sich. Der Sound ist nicht gerade brillant, aber angesichts der Entstehungszeit sehr akzeptabel; die Songauswahl bietet keine große Überraschungen, obwohl Soldier Of Fortune, Opium Trail oder Me And The Boys nicht zum Standardrepertoire der Band gehören. Wichtiger ist WIE THIN LIZZY das Material rüber bringen.
Kurzum: verdammt gut. Vielen Fans gilt die Besetzung mit Scott Gorham und Brian Roberston an den Gitarren schlicht als die Beste. Hier zeigen sie, warum das stimmen könnte. Still Dangerous... wird auf den Punkt gespielt, lässig und trotzdem mit Power, alles gerahmt von Phil Lynotts warmer Stimme, die den Songs eine gehörige Portion Seele zusätzlich mit auf den Weg gibt. Es wird kein Hochgeschwindigkeits-Metal geboten, sondern mit einer Intimität gerockt, als wäre noch die größte Halle ein verräucherter Pub um die Ecke. Große Kunst, gerade weil es nicht angestrengt klingt, nicht dröhnt wie mit dem Vorschlaghammer gedroschen, sondern fließt. Besonders schön am Gastauftritt des Saxophonisten John Adams bei Dancing In The Moonlight zu hören, hinter dem die Band entspannt jammt, während er die Melodieführung übernimmt – bis die Gitarren wieder einsetzen. Nur einer der Höhepunkte des Albums und sogar einen Tick besser als die Version auf Live & Dangerous.
32 Jahre sind seit der Entstehung des Albums vergangen, doch Still Dangerous – Live At The Tower Theatre Philadelphia 1977 wirkt auch heute noch. Klar, effizient und voller Leidenschaft, zeigt die Band ihren Epigonen wie Pride Tiger oder The Answer, dass da noch einige Meter zu bewältigen sind, bevor man da ankommt, wo THIN LIZZY schon vor Dekaden waren.