Soundtechnisch
ist Vision Of The Truth alles andere als ein Brüller.
Ziemlich dumpf abgemischt, kommt das Gebräu rüber
wie eine bessere Demoscheibe aus den 80ern. Aber irgendwie passt
das zur Musik, die dunkel und mit erheblicher Power aus den
Boxen quillt. Diego Fogliaco bleibt als Sänger bestenfalls
blass, in seinen schlechteren Momenten liegt er knapp der angestrebten
Tonspur. Es gäbe durchaus noch weitere Kleinigkeiten, die
man Vision Of The Truth als Schwäche anrechnen
könnte, aber irgendwie ist das egal. Denn die Platte groovt.
Man merkt zu jeder Sekunde, mit wieviel Spaß die Musiker
bei der Sache sind, die Songs sind wohl durchdacht und in ihrer
Struktur von einnehmender Härte. THE VOID gehen
Gothic Klischees weitgehend aus dem Weg, trauen sich auch Ungewöhnliches,
wie den Einsatz eines Vibraphons im knackigen Macha.
Im Gegensatz zu den cleanen Vocals hauen die kurzen und präzise
eingesetzten Growls hin, ändert aber nichts an der Tatsache,
dass THE VOID am besten sind, wenn sie geschlossen instrumental
drauflos spielen. Das hat einen rauen Charme, der unvoreingenommene
Zuhörer mitzureißen vermag. Wenn es derart offensiv
vorgetragen wird, gehöre ich gerne dazu.
Für die nächste Veröffentlichung wäre allerdings
etwas mehr Präzision in der Produktion wünschenswert.
Enthusiasmus ist eine Option, die eine schwache Endfertigung
manchmal vergessen lässt, sie sollte aber nicht ausgereizt
werden, bis diffuses Geblubber die Oberhand übernimmt.
Wer Gotisches abseits des Hauptpfades mag, auch vor todesmetallischen
Momenten nicht zurückschreckt und bei The Cure nicht an
einen aufgequollenen Robert Smith auf dem Weg in die nächste
Disco denkt, sollte THE VOID ruhig mal ein Ohr leihen.
Für’s Schenken ist es noch zu früh.