THE VISION BLEAK  – The Deathship Has A New Captain (9 Songs Of Death, Doom and Horror)
 
Label: Prophecy Productions
Release: 23.02.2004
Von: Psycho
Punkte: 9/10
Time: 41:15 / 12:16
Stil: Gothic Metal
URL: The Vision Bleak
 
Ulf Theodor Schwadorf kann sich zumindest eine Sache nicht vorwerfen lassen: dass er in seinem musikalischen Schaffen und Werdegang in irgendeiner Form zu berechenbar wäre. Denn nachdem sich Empyrium vom melodischen Black Metal hin zur Neoklassik entwickelt haben, folgt nun mit THE VISION BLEAK wiederum etwas ganz anderes.
Überraschender Weise hat sich der Meister nämlich unter Mithilfe von Allen B. Konstanz diesmal dem Gothic Metal zugewandt, also einem Genre, welches in letzter Zeit eher durch Stagnation als durch Innovationen auf sich aufmerksam gemacht hat. Daran ändert auch The Deathship Has A New Captain nichts, aber dafür kommt diese Scheibe so frisch und unverbraucht daher, dass man die deutlichen Referenzen an alte Paradise Lost, Tiamat etc. gerne übersieht. Denn diese Platte rockt, und wie!

Klare Highlights wie The Night Of The Living Dead, Horror Of Antarctica, Wolfmoon, The Grand Devilry oder die Deathship Symphony kriegt man bereits nach dem ersten Hören nicht aus dem Kopf. Auch das an John Carpenters The Fog angelehnte Instrumental Elizabeth Dane setzt sich extrem catchy im Ohr fest. Dazu werden die Stücke immer wieder durch an alte Horrorfilme erinnernde Narrations oder Sound-Samples abgereichert, nicht selten sorgen zudem orchestrale Passagen und klassischer Gesang für eine gruselige Atmosphäre. Da ist es also durchaus zu verkraften, wenn das Strophenriff von Metropolis ganz stark nach Harvester Of Sorrow (Metallica) klingt. Thematisch behandelt man die gesamte Bandbreite der klassischen Horror-Literatur, ob das nun Werwölfe, die Berge des Wahnsinns, Zombies oder einsame Reiter in dunkler Nacht sind. Die auffallend knackige und transparente Produktion tut dann ihr Übriges, um The Deathship Has A New Captain zu einem Dauergast im CD-Player zu machen.

In der limitierten Auflage wird zudem noch eine zweite CD ausgeliefert, auf der fünf Stücke des Albums in rein klassischer (Kammer-) Besetzung inkl. Piano interpretiert werden. Der Gesang bleibt dabei fast komplett außen vor, trotzdem verbreiten auch diese Versionen eine sehr schöne, schaurige Stimmung, von der man sich gerne gefangen nehmen lässt. Wem das alles noch nicht ausreicht, dem sei noch ein Hinweis auf die höchst geschmackvolle optische Gestaltung ans Herz gelegt. Auf jeden Fall ist THE VISION BLEAK mit dieser CD eine der ersten ganz großen Überraschungen des Jahres gelungen; daher kann ich hier auch mit gutem Gewissen tief in die Punkteschatulle greifen...