Ulf
Theodor Schwadorf kann sich zumindest eine Sache nicht vorwerfen
lassen: dass er in seinem musikalischen Schaffen und Werdegang
in irgendeiner Form zu berechenbar wäre. Denn nachdem sich
Empyrium vom melodischen Black Metal hin zur Neoklassik entwickelt
haben, folgt nun mit THE VISION BLEAK wiederum
etwas ganz anderes.
Überraschender Weise hat sich der Meister nämlich unter
Mithilfe von Allen B. Konstanz diesmal dem Gothic Metal zugewandt,
also einem Genre, welches in letzter Zeit eher durch Stagnation
als durch Innovationen auf sich aufmerksam gemacht hat. Daran
ändert auch The Deathship Has A New Captain
nichts, aber dafür kommt diese Scheibe so frisch und unverbraucht
daher, dass man die deutlichen Referenzen an alte Paradise Lost,
Tiamat etc. gerne übersieht. Denn diese Platte rockt, und
wie!
Klare Highlights
wie The Night Of The Living Dead, Horror Of Antarctica,
Wolfmoon, The Grand Devilry oder die Deathship
Symphony kriegt man bereits nach dem ersten Hören
nicht aus dem Kopf. Auch das an John Carpenters The Fog angelehnte
Instrumental Elizabeth Dane setzt sich extrem catchy
im Ohr fest. Dazu werden die Stücke immer wieder durch
an alte Horrorfilme erinnernde Narrations oder Sound-Samples
abgereichert, nicht selten sorgen zudem orchestrale Passagen
und klassischer Gesang für eine gruselige Atmosphäre.
Da ist es also durchaus zu verkraften, wenn das Strophenriff
von Metropolis ganz stark nach Harvester Of Sorrow
(Metallica) klingt. Thematisch behandelt man die gesamte Bandbreite
der klassischen Horror-Literatur, ob das nun Werwölfe,
die Berge des Wahnsinns, Zombies oder einsame Reiter in dunkler
Nacht sind. Die auffallend knackige und transparente Produktion
tut dann ihr Übriges, um The Deathship Has
A New Captain zu einem Dauergast im CD-Player
zu machen.
In der limitierten
Auflage wird zudem noch eine zweite CD ausgeliefert, auf der
fünf Stücke des Albums in rein klassischer (Kammer-)
Besetzung inkl. Piano interpretiert werden. Der Gesang bleibt
dabei fast komplett außen vor, trotzdem verbreiten auch
diese Versionen eine sehr schöne, schaurige Stimmung, von
der man sich gerne gefangen nehmen lässt. Wem das alles
noch nicht ausreicht, dem sei noch ein Hinweis auf die höchst
geschmackvolle optische Gestaltung ans Herz gelegt. Auf jeden
Fall ist THE VISION BLEAK mit dieser CD eine
der ersten ganz großen Überraschungen des Jahres
gelungen; daher kann ich hier auch mit gutem Gewissen tief in
die Punkteschatulle greifen...