Gothic
Metal ist nicht gleich Gothic Metal! Die 3 Herren und Powerfrau
Jensara Swann zeigen auf Vestige dass diese Musikrichtung
gar nichts mit tropfendem Pathos zu tun haben muss, sondern
verdammt mitreißend sein kann!
THE VEIL scheinen die Gabe von kraftvollen Rhythmen und
ausgefeiltem Liedaufbau in die Wiege gelegt bekommen zu haben.
Los geht die (leider zu kurze!) Entdeckungsfahrt mit dem spannenden
Labyrinth, in dem man sich aufgrund des mitreißenden
Aufbaus gerne des Öfteren verirren möchte. Zu Beginn
flüstert Jensara eindringlich, um alsbald zu angenehm dunklem
Gesang überzuleiten. Ihre Stimme hat ein schönes Timbre
und Jensara setzt diese akustische Waffe auch variabel und äußerst
gekonnt ein. Die Band hinkt mit ihrer Leistung nicht hinterher
und bietet eine vielschichtige Melange mit folgenden wohlschmeckenden
Zutaten: Dampfhammerschlagzeug von Julian Gray (inkl. oftmaligem
Doublebasseinsatz), unaufdringliche Tastenmelodien, drückende
Gitarrenwände und so manch modernen Einfluss.
The Undertow gibt sich nach überfallsartigem Beginn
ein bisschen schleppender und Jensara zeigt eine fast schon
fies zu nennende Facette in ihrer Stimme. Kurze Breaks mit Glockenklängen
ausgefüllt, die von einer Mixtur aus elektronischen Spielereien
und begrüßenswerter Gitarrenpower kontrastiert werden,
machen auch dieses Lied zu einem Treffer.
So richtig Gas geben THE VEIL dann mit dem knackigen
Voodoom. Auch hier entpuppt sich das ruhige Zwischenspiel
mit modernen Zügen für den Spannungsaufbau als äußerst
förderlich. Der einzige Schönheitsfehler: die Nummer
ist eindeutig zu schnell vorbei! Doch bevor ein Gefühl
der Wehmut über das vorzeitige Ende aufkommen kann, überrascht
das düstere Still Waters mit teils verzerrtem Gesang
und erneuten modernen Einsprengseln. Die Keyboardeffekte sind
hier recht vordergründig, wirken sich aber wie das Fehlen
von Gitarrensolos nicht negativ aus. Den Abschluss bildet passenderweise
The End, in dem THE VEIL ihrer Taktik weiterhin
treu bleiben. Sie verstehen es einfach, explosiven Metal mit
gekonnt eingestreuten, ruhigen Passagen und elektronischen Sahnehäubchen
zu vermengen.
Vestige weckt mit seinen 5 hervorragenden Kompositionen
Lust auf mehr! Mir gefällt vor allem dass bei THE VEIL
der Metal weit im Vordergrund steht und Jensara stimmlich das
ganze Spektrum an Emotionen einzusetzen vermag. Dieser Band
merke ich das Herzblut an, das in jeder Note steckt –
und so bin ich sehr gespannt auf die nächsten spannenden
Lebenszeichen aus Frankreich. Übrigens: auf der Bühne
sind THE VEIL ein Hochgenuss!