THE VEIL – Vestige

 
Label: Eigenproduktion
Release: April 2008
Von: Stormlord
Punkte: 9/10
Time: 25:23
Stil: Gothic Metal
URL: The Veil
 
Gothic Metal ist nicht gleich Gothic Metal! Die 3 Herren und Powerfrau Jensara Swann zeigen auf Vestige dass diese Musikrichtung gar nichts mit tropfendem Pathos zu tun haben muss, sondern verdammt mitreißend sein kann!
THE VEIL scheinen die Gabe von kraftvollen Rhythmen und ausgefeiltem Liedaufbau in die Wiege gelegt bekommen zu haben. Los geht die (leider zu kurze!) Entdeckungsfahrt mit dem spannenden Labyrinth, in dem man sich aufgrund des mitreißenden Aufbaus gerne des Öfteren verirren möchte. Zu Beginn flüstert Jensara eindringlich, um alsbald zu angenehm dunklem Gesang überzuleiten. Ihre Stimme hat ein schönes Timbre und Jensara setzt diese akustische Waffe auch variabel und äußerst gekonnt ein. Die Band hinkt mit ihrer Leistung nicht hinterher und bietet eine vielschichtige Melange mit folgenden wohlschmeckenden Zutaten: Dampfhammerschlagzeug von Julian Gray (inkl. oftmaligem Doublebasseinsatz), unaufdringliche Tastenmelodien, drückende Gitarrenwände und so manch modernen Einfluss.
The Undertow gibt sich nach überfallsartigem Beginn ein bisschen schleppender und Jensara zeigt eine fast schon fies zu nennende Facette in ihrer Stimme. Kurze Breaks mit Glockenklängen ausgefüllt, die von einer Mixtur aus elektronischen Spielereien und begrüßenswerter Gitarrenpower kontrastiert werden, machen auch dieses Lied zu einem Treffer.
So richtig Gas geben THE VEIL dann mit dem knackigen Voodoom. Auch hier entpuppt sich das ruhige Zwischenspiel mit modernen Zügen für den Spannungsaufbau als äußerst förderlich. Der einzige Schönheitsfehler: die Nummer ist eindeutig zu schnell vorbei! Doch bevor ein Gefühl der Wehmut über das vorzeitige Ende aufkommen kann, überrascht das düstere Still Waters mit teils verzerrtem Gesang und erneuten modernen Einsprengseln. Die Keyboardeffekte sind hier recht vordergründig, wirken sich aber wie das Fehlen von Gitarrensolos nicht negativ aus. Den Abschluss bildet passenderweise The End, in dem THE VEIL ihrer Taktik weiterhin treu bleiben. Sie verstehen es einfach, explosiven Metal mit gekonnt eingestreuten, ruhigen Passagen und elektronischen Sahnehäubchen zu vermengen.
Vestige weckt mit seinen 5 hervorragenden Kompositionen Lust auf mehr! Mir gefällt vor allem dass bei THE VEIL der Metal weit im Vordergrund steht und Jensara stimmlich das ganze Spektrum an Emotionen einzusetzen vermag. Dieser Band merke ich das Herzblut an, das in jeder Note steckt – und so bin ich sehr gespannt auf die nächsten spannenden Lebenszeichen aus Frankreich. Übrigens: auf der Bühne sind THE VEIL ein Hochgenuss!