THE TANGENT – A Place In The Queue

 
Label: InsideOut Music
Release: 03.02.2006
Von: moonchild
Punkte: 10/10
Time: 78:54
Stil: Progressive Rock
URL: The Tangent
 
Das dritte Album der Band THE TANGENT, die von Mitgliedern der schwedischen Band The Flower Kings und der englischen Band Po90 quasi als ein All-Star-Project gegründet wurde, sich aber längst einen eigenständigen und wichtigen Platz am Prog-Himmel erspielt hat, verlässt die letzten Tage meinen Player kaum noch, obwohl ich sonst mit dieser Art Prog eher wenig anfangen konnte.
Aber mit A Place In The Queue ist es den sechs plus eins Musikern um Andy Tillison gelungen, ihren Progressive Rock, der sehr stark von jazzigen Elementen geprägt ist, wie man ihn auch von Spocks Beard oder Transatlantic kennt, sogar für ungeübtere Ohren zu einem Hörgenuss zu machen, ohne den Anspruch der Musik herunterzuschrauben – ganz im Gegenteil. THE TANGENT wollten ein Album schaffen, dass eine ähnliche musikalische Tiefe aufweist, wie Andy sie auf Tales From Topographic Oceans von Yes findet und deshalb mehr braucht, als die o.g. Elemente. Ich möchte behaupten, dass sie ihr Ziel durchaus erreicht haben.
Klar, zunächst finden einige Passagen nicht direkt in die Gehörwindungen, aber wie auch im Artwork des Booklets gibt es auf diesem „Doppelalbum auf einer CD“ (zu Vinyl-Zeiten wäre dies wirklich ein Doppelalbum mit ca. 20 Minuten Musik pro Seite geworden) unwahrscheinlich viel zu entdecken.
Kein aneinander gefügtes Stückwerk, sondern schlüssige und doch überraschende Kompositionen, dargebracht auf höchstem spielerischem Niveau machen das Album spannend und trotzdem schön. Andys Stimme ist sehr angenehm und verwöhnt den Hörer mit wunderbaren Gesangslinien. Die Produktion ist klar, aber nicht zu hart und unterstreicht so den Charakter der Musik. Wer allerdings mit Jazz überhaupt nichts anfangen kann, wird es mit diesem Album immer noch schwer haben.
Wunderbar eröffnet der epische Opener In Ernest dieses Release mit sanften Pianoklängen, die ahnen lassen, dass hier eine Geschichte erzählt wird. Mit den Emotionen, die eine Geschichte mit sich bringt, können THE TANGENT ihr ganzes Können und die Entwicklung, die sie genommen haben, eindrucksvoll zeigen. Wer allerdings meint, wenn man In Ernest gehört hat, weiß man, was einen auf dem Album sonst noch erwartet, täuscht sich gewaltig. Jeder Song hat seine ganz eigene Stimmung, bedient sich unterschiedlicher Stilelemente und doch brechen sie sämtlich nicht mit der Grundathmosphäre von A Place In The Queue.

Wir haben es hier einmal mehr mit einer Perle des Prog Rock zu tun, über die man sich auch wunderbar auf der exzellenten Homepage der Band kundig machen kann. Wem Spocks Beard zu nervig und die Flower Kings zu wenig innovativ und spritzig sind, sollte auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren. Für Yes-, Emerson Lake und Palmer-Fans dürfte die Scheibe auch nostalgische Momente heraufbeschwören.
THE TANGENT verbinden auf A Place In The Queue in einzigartiger Weise die stilistischen Highlights der alten Prog-Helden mit modernen Einflüssen und Ideen und werden so selbst zu Wegweisern. Alle Bewertungen unter 10 Punkten wären hier ein dreiste Anmaßung.