Das
dritte Album der Band THE TANGENT, die von
Mitgliedern der schwedischen Band The Flower Kings und der englischen
Band Po90 quasi als ein All-Star-Project gegründet wurde,
sich aber längst einen eigenständigen und wichtigen
Platz am Prog-Himmel erspielt hat, verlässt die letzten
Tage meinen Player kaum noch, obwohl ich sonst mit dieser Art
Prog eher wenig anfangen konnte.
Aber mit A Place In The Queue ist
es den sechs plus eins Musikern um Andy Tillison gelungen, ihren
Progressive Rock, der sehr stark von jazzigen Elementen geprägt
ist, wie man ihn auch von Spocks Beard oder Transatlantic kennt,
sogar für ungeübtere Ohren zu einem Hörgenuss
zu machen, ohne den Anspruch der Musik herunterzuschrauben –
ganz im Gegenteil. THE TANGENT wollten ein
Album schaffen, dass eine ähnliche musikalische Tiefe aufweist,
wie Andy sie auf Tales From Topographic Oceans von Yes findet
und deshalb mehr braucht, als die o.g. Elemente. Ich möchte
behaupten, dass sie ihr Ziel durchaus erreicht haben.
Klar, zunächst finden einige Passagen nicht direkt in die
Gehörwindungen, aber wie auch im Artwork des Booklets gibt
es auf diesem „Doppelalbum auf einer CD“ (zu Vinyl-Zeiten
wäre dies wirklich ein Doppelalbum mit ca. 20 Minuten Musik
pro Seite geworden) unwahrscheinlich viel zu entdecken.
Kein aneinander gefügtes Stückwerk, sondern schlüssige
und doch überraschende Kompositionen, dargebracht auf höchstem
spielerischem Niveau machen das Album spannend und trotzdem
schön. Andys Stimme ist sehr angenehm und verwöhnt
den Hörer mit wunderbaren Gesangslinien. Die Produktion
ist klar, aber nicht zu hart und unterstreicht so den Charakter
der Musik. Wer allerdings mit Jazz überhaupt nichts anfangen
kann, wird es mit diesem Album immer noch schwer haben.
Wunderbar eröffnet der epische Opener In Ernest
dieses Release mit sanften Pianoklängen, die ahnen lassen,
dass hier eine Geschichte erzählt wird. Mit den Emotionen,
die eine Geschichte mit sich bringt, können THE
TANGENT ihr ganzes Können und die Entwicklung,
die sie genommen haben, eindrucksvoll zeigen. Wer allerdings
meint, wenn man In Ernest gehört hat, weiß
man, was einen auf dem Album sonst noch erwartet, täuscht
sich gewaltig. Jeder Song hat seine ganz eigene Stimmung, bedient
sich unterschiedlicher Stilelemente und doch brechen sie sämtlich
nicht mit der Grundathmosphäre von A Place
In The Queue.
Wir haben es hier
einmal mehr mit einer Perle des Prog Rock zu tun, über
die man sich auch wunderbar auf der exzellenten Homepage der
Band kundig machen kann. Wem Spocks Beard zu nervig und die
Flower Kings zu wenig innovativ und spritzig sind, sollte
auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren. Für Yes-, Emerson
Lake und Palmer-Fans dürfte die Scheibe auch nostalgische
Momente heraufbeschwören.
THE TANGENT verbinden auf A Place
In The Queue in einzigartiger Weise die stilistischen
Highlights der alten Prog-Helden mit modernen Einflüssen
und Ideen und werden so selbst zu Wegweisern. Alle Bewertungen
unter 10 Punkten wären hier ein dreiste Anmaßung.
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