Nach
ihrem enttäuschenden Secret Of The Runes-Album,
war ich gespannt, in welche Richtung sich Christofer Johnsson,
seines Zeichens Mastermind THERIONs, mit neuem
Material bewegen würde. Einerseits lag eine weitere Reduktion
des Metal-Anteils auf der Hand, hätte aber andererseits wohl
zu absoluter live-Inkompatibilität geführt. Doch Johnsson
hat eine Lösung gefunden, mit der eigentlich sowohl Fans
als er am besten leben können - eine Oper als Soloprojekt
und dafür wieder mehr Metal bei THERION…
Und nun liegen sie also vor, die ersten beiden Alben einer Trilogie,
deren dritter Teil irgendwann in naher Zukunft folgen soll. 171
involvierte Leute waren für die Produktion nötig, mehr
Komplexität und mehr Experimente sollen THERION 2004
bieten. Doch all das erscheint erst mal ziemlich ernüchternd,
wenn Lemuria im CD-Player zu rotieren
beginnt. Wo sind die orchestralen Elemente, wo die tollen Balladen
und dichten Songstrukturen? All das, was mich an THERION
seit Vovin begeistert hat, scheint plötzlich
über Bord geworfen zu sein. Wären da nicht die typischen
Chöre, würden die Songs extrem fade aus den Boxen tönen.
Irgendwie ist Lemuria ein undefinierbarer
Mischmasch aus Heavy Metal, 70er Rock und Folklore geworden, welches
so ganz und gar nicht zusammenzupassen scheint. Erst beim abschließenden
Feuer Overtüre / Prometheus entfesselt gewinnen
die orchestralen Arrangements Oberhand und es bleibt zumindest
der Eindruck eines guten Songs, was sich nach mehrmaligem Durchhören
zwar bessert, mich trotzdem etwas ratlos zurücklässt.
Einzig und allein der Opener Typhon weiß noch zu
gefallen und bietet – zwar cool eingesetzt, aber im Rahmen
der CD etwas unpassend – Growls!
Besser verhält es sich da mit Sirius B,
das von Anfang an mehr bei mir zünden kann. Hier ist der
gewohnte THERION-Bombast da, finden sich komplexe
Klassik-Arrangements, knallende Gitarren und eine fette Produktion.
Fast schon bedrohlich wirkt dabei Kali Yuga Part 2, das
ordentlich Double-Bass und brutale Gitarren auffährt, während
Kali Yuga Part 1 experimentell, aber interessant aus
den Boxen kriecht. Auch Blood Of Kingu und Son Of
The Sun sind gute Songs, wenngleich auch für Sirius
B gilt: Diese Album braucht Zeit. Erst nach mehrmaligem
Hören, entfaltet sich das Material, dessen Komplexität
wohl tiefgreifender ist, als dies anfangs zu erscheinen vermag.
Leider liegt mir hier nur eine Compilation mit ausgewählten
Stücken der beiden CDs vor, sodass ich die Alben nur begrenzt
bewerten kann. Unterm Strich lässt sich aber sagen: Lemuria
ist die offiziell experimentellere Veröffentlichung, deren
Experimente mich aber etwas ratlos zurücklassen, weil sie
zu wenig THERION-Flair bieten. Stattdessen langweilt
diese CD eher und verstört den Hörer. Sirius
B hingegen ist eine gnadenlos gute und schöne
CD, die wohl am ehesten als eine Fortführung von Theli
angesehen werden kann. Wer's nicht abwarten kann, wird sowieso
die anfangs angebotene Doppel-CD kaufen, wer aber etwas Geduld
hat, kann auch einen Monat später eine der beiden CDs alleine
erwerben.
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