THE PRIVATEER – Facing The Tempest

 
Label: Trollzorn/SMP Records
Release: 20.04.2012
Von: Joking
Punkte: 8.5/10
Time: 50:02
Stil: Folk- (Pirate)-Metal
URL: The Privateer
 
Wie kommt man am schnellsten aus dem Breisgau auf die Hohe See? Mit dem Debütalbum von THE PRIVATEER, der freundlichen Piratenbande aus dem Ländle. Jetzt sollte man den Begriff „Pirate Metal“ nicht zu hoch hängen. THE PRIVATEER spielen hochdynamischen Folk-Metal mit forschem Shanty-Einschlag. Abwechslungsreichtum ist die Devise, ohne die gewählte Fahrrinne zu verlassen. Das fängt beim Gesang an: Klare Vocals, (gut verständliche) Screams und hymnische (Frauen)chöre gehen eine prächtig funktionierende Verbindung ein, unterstützt von einer reichen und stürmischen Melodienvielfalt. Facing The Tempest bedient mit Schmackes die Headbanger-Fraktion, versorgt aber ebenso den andächtig lauschenden Freund leidenschaftlicher Seefahrer-Romantik mit Stil und Grandezza.

Wesentlich Anteil an letzterem hat Claras Violinspiel, das der vollen Breitseite, die Gitarre, Bass und Schlagzeug abfeuern, eine lyrische Komponente verleiht, die den Band-Sound nicht untergräbt, sondern um eine eigene Note erweitert. Das erinnert an die besten Alben von Mägo de Oz, gesetzt den Fall, die spanische Band würde der gebannt lauschenden Armada ein enthusiastisches Konzert bei gehissten Segeln geben.

Mist, so ganz kommt man von der Piratengeschichte nicht los. Aber die Band ist selbst maßgeblich schuld daran. Freibeuter-Outfits auf den Promotionsfotos, das Album-Cover zeigt den gerne bebilderten Kampf eines Riesenkraken gegen ein Piratenschiff (leider ist das komplette, wahrscheinlich bunte, Booklet der blanken Rezensions-CD nicht beigefügt). Und wenn dann im sechsten Stück, passend Blackbeard betitelt, ein Akkordeon erklingt, ist man endgültig in der Seeräuberkaschemme gelandet und fühlt sich pudelwohl.

Aber wie schon erwähnt, egal ob man es Folk- oder Pirate-Metal nennt, heavy ist es in jedem Fall und auch für Landratten unbedingt geeignet. Eine homogene Band, in der das gemeinsame Zusammenspiel ebenso reibungslos klappt wie die nie ausufernden Soli. Die neben voller Fahrt auch einen ruhigen Moment mit akustischer Gitarrenbegleitung am Strand zu genießen weiß. Ein hell und facettenreich funkelnder Schatz, der ganz leicht zu heben ist*.

Mein Top-Of-The-Metals-Album 2012 (bis jetzt): Facing The Tempest rulez – zu Land und auf See!

*In diesem Fall natürlich ein Synonym für „zu kaufen“!