THE NOMAD – From The Dead...To The Living

 
Label: Eigenproduktion
Release: 22.05.2018
Von: Stormlord
Punkte: 8.5/10
Time: 45:15
Stil: Melodic Death Metal/Metalcore
URL: The Nomad
 

Eine kleine Richtungsänderung im Vergleich zum sensationell guten Vorgänger Victim Of The Evolution nehmen die feinen Techniker von THE NOMAD vor. Das hervorragende Gespür für erstklassige Melodien ist zwar jederzeit spürbar, tritt aber zugunsten von kratzbürstiger, wütender Aggressivität etwas in den Hintergrund. Das Quartett legt ein bisschen mehr Wert auf direkte Songstrukturen und rhythmische Nackenwirbel-Trainingsriffs.
Der Kopf ist also ständig in Bewegung, wenn knallige Akkorde im Verbund mit fein gezogenen Leads auf uns einprasseln. Heraus kommt auch der eine oder andere Ohrwurm mit überaus gelungenen Refrains, die eingängig, aber nicht zu vordergründig platt wirken.
Bestes Beispiel für diese effektive Wirkung stellt etwa die Bandhymne Rise, Nomad dar, denn der geshoutete Chorus animiert die Stimmbänder zum Mitgrölen und startet durch Helikopterriffs einen Moshpit im emotionalen Nervenzentrum. Kreischvocals und Shouts wechseln sich ab und die rhythmischen Elemente verbinden sich sehr gut mit den schönen Melodien, sodass bissige Härte und  richtig dosierte Melodik in einem ausgewogenen Verhältnis erfreuen. Kurze Reduktionen der Geschwindigkeit und das Einstreuen von schweren Riffs fördern die Dynamik und runden einen fein komponierten Song bestens ab.
Der moderne, knackige Sound bringt die nach vorne drückenden, teils Hardcore-beeinflussten Stücke sehr gut zur Geltung; weiters sorgt das schmucke Digipack für optische und haptische Pluspunkte.
Das Album wird von zwei zarten Instrumentalstücken eingerahmt und auch beim sanften Zwischenspiel Atomic Shadows zeigen die versierten Musiker, dass sie mehr als nur die Holzhammermethode auf der Pfanne haben. Kurz danach prescht das hetzende Simulated Brain aus den Boxen und glänzt mit fulminanten Double-Bass-Passagen, gewohnt melodischen Gitarren und schneidender, rhythmischer Effektivität auf ganzer Linie. War Against Pain krallt sich mit strammen Grooves, herrlich flirrenden Soli und dem einfachen Chorus ebenso im Gedächtnis fest.
Sleep Paralysis erhöht den Grad an Komplexität durch viele Taktwechsel und beweist die technische Finesse  dieser hochinteressanten Band, ohne auf eingängige Parts und griffige Nachvollziehbarkeit zu vergessen.
Dieses vielseitige Werk bietet einige Facetten und setzt nicht bloß auf plakative Härte, denn unter der Oberfläche finden sich jede Menge sanfter Elemente, die der Dynamik wirklich gut tun. Stampfende Planierraupenparts und feinfühlige Motive bestehen gleichberechtigt nebeneinander und ergänzen sich zu einem farbenprächtigen, detailreichen Gesamteindruck, der es lohnt, sich näher mit THE NOMAD zu befassen.