So stimmungsvoll, wie das Covermotiv und die Einleitung Innferd suggerieren, geht es im weiteren Verlauf von Rogaland ganz und gar nicht zu, denn das Quintett prescht mit thrashigem Black’n‘Roll in zackiger Geschwindigkeit voran. Der eigenwillige Gesang mag sich nicht so recht ins Ohr schmeicheln, doch stellt er ein extravagantes Merkmal dar, das THE KONSORTIUM von der Masse abzuheben vermag. Ratternde Riffs bestimmen die komplexen Kompositionen, die nicht zur Berieselung gedacht sind, dafür sorgen die manchmal dissonanten Gitarrentöne, die kein schöngeistiges Easy-Listening zulassen.
Der variable Gesang untermalt die progressiven Stücke und chorale Arrangements zeigen melodische Wirkung. Die ambitionierten Songs wirken recht vollgepackt und verlangen dem Hörer einiges ab. Die hektische Präsentation hält hin und wieder schöne Melodien oder rollende Parts bereit, die mehr Struktur und den berühmten roten Faden erkennen lassen, doch dann werfen die Musiker wieder mit seltsam schrägen Gesängen und progressiven Gitarrentönen um sich. Sicherlich passiert hier einiges, doch unterm Strich kommen keine gänzlich schlüssigen Werke dabei heraus. Nehmen wir das frenetisch treibende Stormen als Beispiel her: rabiat hetzende Rhythmen, die zwar ob ihrer Geschwindigkeit überzeugen, aber nicht in Fleisch und Blut übergehen, verbinden sich mit leidenden, teils mehrstimmigen Gesang – doch es fehlt der melodische Feinschliff und die rhythmische Besonderheit.
Die teils episch ausladende Präsentation lässt spannende Dynamik vermissen, wie zufällig taucht an jeder Ecke ein musikalisches Detail auf, sodass für eine Entdeckungsreise zwar alles angerichtet scheint, doch für mich wirken die Stücke nicht organisch, sondern bunt zusammengewürfelt. Die einzelnen Puzzleteile fügen sich nicht so recht zu einem harmonischen Gesamtwerk. Zum Glück kann die Komponierweise des exzessiven Havet allerdings mit ungewöhnlichen Saxophonklängen und filigraner Holzhackertechnik in ihrer groovigen Art einige Pluspunkte einfahren.
In technischer Hinsicht stellt Rogaland beileibe kein schlechtes Album dar, doch die zerfranste, überdrehte, hibbelige Präsentation schießt über das Ziel namens nachvollziehbarer Hörgenuss weit hinaus...so, und jetzt entschuldigt mich bitte, ich versuche nun, meinen Blutdruck und Puls bei einer Tasse Kamillentee wieder zu normalisieren :-) |