THE GREAT OLD ONES – EOD: A Tale Of Dark Legacy

 
Label: Season Of Mist
Release: 27.01.2017
Von: BRT
Punkte: 9/10
Time: 44:08
Stil: Atmospheric Black Metal
URL: The Great Old Ones
 

13.11.2015 - THE GREAT OLD ONES stehen auf der Bühne des Sputnik Cafés in Münster und spielen ihren Headliner-Slot des Unaussprechlichen Culthe Konzertabends, scheinbar unbeeindruckt von den Anschlägen in Paris, von denen sie erst kurz vor Stage-Time erfahren haben können. Mein Erstkontakt mit der Band, die ich zwar immer (ob ihrer Lovecraft-Affinität) auf dem Schirm hatte, zum reinhören hatte es dann aber einfach noch nicht so wirklich gereicht. THE GREAT OLD ONES spielen an diesem seltsamen Abend ein absolut starkes Konzert und überzeugen nicht nur diesen Schreiberling am Merchandise Tisch ordentlich zuzuschlagen. THE GREAT OLD ONES kommen zwar aus Bordeaux, dürften aber auch in Paris einige Freunde und Bekannte haben, machen an diesem Abend aber gute Miene zum bösen Spiel.

Doch genug davon – der französische Fünfer sitzt auch auf ihrem aktuellen Album EOD: A Tale Of Dark Legacy zwischen all den Stühlen, die diverse Schismen in der Black Metal Szene hinterlassen haben. Weder passen sie zu den glattgebügelten Posterboys Marke Dimmu Borgir, Cradle Of Filth oder auch Satyricon, noch in die krampfhaft auf unter-Untergrund getrimmte orthodoxe Ecke Marke Watain und Konsorten. Für Fans der typisch französisch klingenden Bands a la Deathspell Omega und Blut aus Nord klingen sie nicht französisch (oder gar intellektuell) genug und selbst für den Black Metal Hipster dürften sie nicht „Post-“ genug sein.
THE GREAT OLD ONES klingen anno 2017 überraschend aggressiv, wenn man den aktuellen Output mit Vorgänger Tekeli-Li vergleicht, der wesentlich eher zu modernen „Post-“ Bands a la Deafheaven passte.
Natürlich steht auf EOD: A Tale Of Dark Legacydie Atmosphäre im Vordergrund, in der prägnante aber nie kitschige Melodien das Bild beherrschen, die aber oft genug von harsch blastenden und wüsten Knüppelpassagen zerstört werden. Dass die Jungs mit drei Gitarren spielen, fällt dieses Mal nicht so sehr ins Gewicht, macht aber grad in den atmosphärischen Passagen Sinn. Meist wird die Lead-Melodie von einer einzigen Gitarre in die kargen und finsteren Soundlandschaften gespielt.
Auch wenn die fünf Songs (zwei Intros bzw. Interludi) teilweise überlang sind, wirken die Songs nie überfrachtet oder gar langweilend – hier ist alles am richtigen Fleck. Die Mannen um Coverkünstler Jeff Grimal haben sich thematisch dieses Mal einer eigenen Fortsetzung der Schatten über Innsmouth angenommen und tatsächlich schaffen es THE GREAT OLD ONES, die kalte und beklemmende Atmosphäre in Sound und Songs auf Tonträger zu bannen. Und wo wir grad beim Sound sind - EOD: A Tale Of Dark Legacy klingt klar und kraftvoll produziert, was zum maritimen Thema der Platte passt, trotzdem ist der Sound roh und aggressiv genug, um den Untergrund nicht zu verprellen.

EOD: A Tale Of Dark Legacy ist ein überraschend aggressives und straightes Black Metal Album geworden, dass gerade Puristen gefallen dürfte und auch keine Vergleiche scheuen bräuchte. Die Atmosphäre ist einzigartig, die Melodien einprägsam und an Abwechslungsreichtum mangelt es auch nicht. Nach einer ganzen Latte an „mir egal“ bis „boah, langsam nervt es“ Veröffentlichungen in der letzten Zeit haben THE GREAT OLD ONES auf jeden Fall ein wirkliches Highlight im Black Metal auf Tontäger gebannt. Toll.
Anspieltips: Hmmhh, sollte man komplett hören, aber die beiden finalen Songs In Screams And Flames und Mare Infinitum fassen diese spannende Platte ganz gut zusammen.