Roine
Stolt und seine Mannen liefern mit Instant Delivery
nun schon ihre zweite DVD ab. Der Schwerpunkt liegt diesmal
auf dem zuletzt erschienenen Doppelalbum Paradox Hotel, von
dem auch ein Großteil der Songs stammt. Das eigentliche
Videomaterial auf dieser Veröffentlichung ist beeindruckend
schlicht gehalten. Hier und da gibt es mal ein paar psychedelische
Lichteffekte und Überblendungen, aber ansonsten ist das
Konzert relativ simpel gefilmt, was vielleicht aber auch gar
nicht so schlecht ist. Die Bühne im niederländischen
Tilburg bietet der Band genug Platz, so dass Roine und seine
Jungs gut verteilt stehen können. Vom Publikum aus gesehen
am linken Rand befindet sich der Rocker und Lead-Vocalist Hans
Froberg, der mit seiner Linkshändergitarre manchmal ein
wenig zu extrovertiert rumposed, was nicht unbedingt immer zur
Musik passt und ab und zu auch richtig nervt. Rechts daneben
steht Jonas Reingold, wie immer mit Hut bekleidet, und spielt
begnadet seinen Bass. Rechts außen sieht man Thomas Bodin,
den intellektuell wirkenden Tastenmann, der ein bisschen wie
ein unabhängiger Beisitzer wirkt und sich hinter seinen
Synthesizern verschanzt hat. Ganz hinten bearbeitet Marcus Liliequist
die Drums, und mittig rechts steht Roine Stolt selbst, wie immer
mit einem sehr extravaganten Anzug und einer ausgesprochen spacigen
Spezialgitarre ausgerüstet, was unterstreicht, dass er
zweifellos der wichtigste Mann des Abends ist. Das Konzert dauert
fast 3 Stunden und auf der Bühne passiert eigentlich nicht
viel. Die Band spielt jedoch sehr konzentriert, man kann den
Musikern durch gelungene Kameraeinstellungen gut auf die Finger
gucken und die spielerischen Fähigkeiten kommen ebenfalls
gut zur Geltung. Die Sprüche und Zwischenansagen von Roine
Stolt sind oft sehr lustig, was die Atmosphäre ein wenig
auflockert. Insgesamt kommt die Band rundum sympathisch und
dennoch kompetent rüber, und da just dieses Image offenbar
auch bewusst ein wenig gepflegt wird kann ich nur sagen, dass
die multimediale Selbstdarstellung der Truppe auf dieser Doppel-DVD
durchaus gelungen ist. Ich muss an dieser Stelle sicherlich
nicht gesondert auf das brilliante Gitarrenspiel von Roine und
die hochwertigen Keyboardeinlagen von Thomas Bodin eingehen,
da die beiden sowieso schon legendär sind. Für Fans
und andere Interessierte ist die Box also auf jeden Fall kein
Fehlkauf. Ein paar Wermutstropfen gibt es jedoch dennoch. So
ist z.B. das Menü auf der ersten DVD schlichtweg kaputt.
Man sieht nicht, welcher Menüpunkt gerade ausgewählt
ist, was das Starten des Konzerts zu einem Roulettespiel macht.
Es kann sein, dass dies nur meine Presse-Version betrifft, aber
ärgerlich ist es allemal. Ferner gibt es wenig Extras,
was aber zu verschmerzen ist. Drittens und letztens muss ich
dann allerdings noch einmal auf Hans Froberg eingehen, den ich
ein wenig kritisieren möchte. Sein Gesang passt oft nicht
zur eher ruhigen, psychedelischen Musik, und seine Gebärden
wirken so aufgesetzt – ich finde das sehr schade, denn
die Parts, wo er nur Gitarre spielt und Roine den Gesang übernimmt,
gefallen mir viel besser. Versteht mich nicht falsch, Froberg
ist schon kein schlechter Musiker, aber irgendwie ist er in
der falschen Band. Das ist aber nur meine persönliche Einschätzung.
Jeder, der mit ihm und seinem Gesang leben kann, wird diese
geballte Ladung THE FLOWER KINGS definitiv
lieben – und die anderen, inklusive mir, mit ein paar
kleinen Einschränkungen auch. Positiv zu erwähnen
ist noch, dass die Songs wesentlich besser rüberkommen
als auf dem letzten Studioalbum, welches ich ja doch ein wenig
schärfer kritisiert habe. Vielleicht verleitet diese Tatsache
die Band ja dazu, ihre Ideen demnächst mal ein wenig mehr
reifen zu lassen, bevor sie diese auf CD bannt. Alles in allem
ist es jedenfalls eine souveräne Leistung und ich bin sehr
gespannt, in welche Richtung sich die Band in Zukunft entwickeln
wird.