Roine
Stolt macht es uns wirklich nicht einfach. Der Mann ist sicherlich
einer der produktivsten Rockmusiker der Gegenwart. Neben seinen
Soloalben und seinen Alben mit Kaipa ist er auch noch als Gastmusiker
für vielen andere Prog-Combos aktiv. Dass er dabei hauptberuflich
der Chef der FLOWER KINGS, der wohl erfolgreichsten
europäischen Prog-Rock Band ist, gerät dabei oft auch
schonmal in Vergessenheit – und das, obwohl er seit 1995
insgesamt 10 Alben mit der Truppe rausgebracht hat. Es ist ein
Wunder, dass er bei diesem Output offenbar immer noch keine
Probleme damit hat, “mal eben” eine Doppel-CD zu
füllen. Dort liegt aber auch genau das Problem. Die Musik
der FLOWER KINGS ist ausgesprochen unkonventionell,
und gerade Roine Stolt und sein Keyboarder Thomas Bodin schrecken
auch vor abgedrehteren Arrangements und seltsamen Harmonien
nicht zurück. Dabei kommen dann bisweilen auch sehr faszinierende
Klanggebilde zustande, die nicht selten die 10-Minuten-Hürde
sprengen und trotzdem von einer nicht zu leugnenden Anmut erfüllt
sind. Trotzdem scheint es mir ein wenig so, als würde man
im Hause FLOWER KINGS inzwischen wirklich jedes
Studioexperiment mit auf die CDs packen. Gerade Paradox
Hotel enthält neben einigen wirklich faszinierenden
Kompositionen, darunter der 21-Minuten Song Monsters &
Men, der geniale Opener der zweiten CD Minor Giant
Steps und das gefühlvolle Touch My Heaven,
auch ein paar wirklich vermeidbare Nummern, die sich nur schwer
ertragen lassen. Besonders The Unorthodox Dancing Lesson
finde ich wirklich deplaziert und sehr, sehr nervig. Songs dieser
Art, die ausgesprochen hektisch wirken und alles andere als
“objektiv schön” sind, bezeichne ich immer
mal wieder gerne als “Neal-Morsig”, denn besonders
von diesem begnadeten Musiker hat sich Roine Stolt die Vorliebe
für geniale, aber anstrengende Kompositionen, deren ästhetischer
Wert sich auch nach dem zwanzigsten Hören oft noch nicht
erschließt, abgeguckt. Eine Herangehensweise, für
die ich in Zukunft in Form des berüchtigten Notenhammers
sozusagen “Disziplinarstrafen” verhängen werde,
da ich es nicht einsehe, dass progressive und kompositorisch
herausragende Musik auch immer nervtötende und übertrieben
hektische Elemente beinhalten muss. Ich finde es jammerschade,
dass Roine Stolt nicht einfach mal ein wenig seine Veröffentlichungsrate
zurückschraubt und sich die Zeit nimmt, selektiv zu arbeiten,
ruhig auch mal ein halbes Album wegzuwerfen und an einem künstlerischen
Gesamtkonzept zu feilen, welches den Hörer auf eine eindrucksvolle
Reise mitnimmt, die möglichst ohne den Umweg über
Schotterpisten zum musikalischen Märchenschloss führt.
Fazit: Solides Album, aber weniger wäre
mehr. Und zwar viel mehr! Eine kleine Schaffenspause mit anschließender
Rückbesinnungsphase wäre durchaus eine gute Idee.