THE FLOWER KINGS – Paradox Hotel

 
Label: InsideOut
Release: 24.03.2006
Von: Reverend
Punkte: 7/10
Time: 2:16:04
Stil: Progressive Rock
URL: Flower Kings
 
Roine Stolt macht es uns wirklich nicht einfach. Der Mann ist sicherlich einer der produktivsten Rockmusiker der Gegenwart. Neben seinen Soloalben und seinen Alben mit Kaipa ist er auch noch als Gastmusiker für vielen andere Prog-Combos aktiv. Dass er dabei hauptberuflich der Chef der FLOWER KINGS, der wohl erfolgreichsten europäischen Prog-Rock Band ist, gerät dabei oft auch schonmal in Vergessenheit – und das, obwohl er seit 1995 insgesamt 10 Alben mit der Truppe rausgebracht hat. Es ist ein Wunder, dass er bei diesem Output offenbar immer noch keine Probleme damit hat, “mal eben” eine Doppel-CD zu füllen. Dort liegt aber auch genau das Problem. Die Musik der FLOWER KINGS ist ausgesprochen unkonventionell, und gerade Roine Stolt und sein Keyboarder Thomas Bodin schrecken auch vor abgedrehteren Arrangements und seltsamen Harmonien nicht zurück. Dabei kommen dann bisweilen auch sehr faszinierende Klanggebilde zustande, die nicht selten die 10-Minuten-Hürde sprengen und trotzdem von einer nicht zu leugnenden Anmut erfüllt sind. Trotzdem scheint es mir ein wenig so, als würde man im Hause FLOWER KINGS inzwischen wirklich jedes Studioexperiment mit auf die CDs packen. Gerade Paradox Hotel enthält neben einigen wirklich faszinierenden Kompositionen, darunter der 21-Minuten Song Monsters & Men, der geniale Opener der zweiten CD Minor Giant Steps und das gefühlvolle Touch My Heaven, auch ein paar wirklich vermeidbare Nummern, die sich nur schwer ertragen lassen. Besonders The Unorthodox Dancing Lesson finde ich wirklich deplaziert und sehr, sehr nervig. Songs dieser Art, die ausgesprochen hektisch wirken und alles andere als “objektiv schön” sind, bezeichne ich immer mal wieder gerne als “Neal-Morsig”, denn besonders von diesem begnadeten Musiker hat sich Roine Stolt die Vorliebe für geniale, aber anstrengende Kompositionen, deren ästhetischer Wert sich auch nach dem zwanzigsten Hören oft noch nicht erschließt, abgeguckt. Eine Herangehensweise, für die ich in Zukunft in Form des berüchtigten Notenhammers sozusagen “Disziplinarstrafen” verhängen werde, da ich es nicht einsehe, dass progressive und kompositorisch herausragende Musik auch immer nervtötende und übertrieben hektische Elemente beinhalten muss. Ich finde es jammerschade, dass Roine Stolt nicht einfach mal ein wenig seine Veröffentlichungsrate zurückschraubt und sich die Zeit nimmt, selektiv zu arbeiten, ruhig auch mal ein halbes Album wegzuwerfen und an einem künstlerischen Gesamtkonzept zu feilen, welches den Hörer auf eine eindrucksvolle Reise mitnimmt, die möglichst ohne den Umweg über Schotterpisten zum musikalischen Märchenschloss führt.
Fazit: Solides Album, aber weniger wäre mehr. Und zwar viel mehr! Eine kleine Schaffenspause mit anschließender Rückbesinnungsphase wäre durchaus eine gute Idee.