Vier
Jahre gibt es TIME HAS COME nun schon. Aber in diesen
vier Jahren und wohl auch noch in den nächsten 400 Jahren
wird es keine treffende Musikrichtung geben, die den Sound der
Hamburger Kapelle mit nur einem einzigen Wort beschreibt. Und
um noch mehr Verwirrung zu stiften: Die genannten Stilrichtungen
dürfen auch gerne noch um Hardcore, Techmetal, Mathcore
oder was auch immer ergänzt werden, denn all diese Stile
gibt es auf ersten full-length nach einer Split und EP zu hören.
Und genau das macht White Fuzz alles andere als
zu einem eingängigen Album. Aber lasst mich, der Komplexität
zum Trotz, euch die markantesten Trademarks von White
Fuzz an die Hand geben. Vocalist Disco-Stu (Simpsons
rules!) wird maximal live seinem Namen gerecht, auf Scheibe
gepresst gibt er die volle Hardcore-Schreihals-Breitseite. So
abgefahren gut wie es ist, wenn er fast in Seth Putnam Sphären
vordringt und seine Lyrics rausschreit, geht es mir mit der
Zeit genauso auf die Eier, wenn er wie eine gecastete Dieter
Bohlen Heulboje Silben und/oder Worte in cleaner Einlage runterjammert
oder wimmert. Das ewige Angejammer, um dann in Schreiekstasen
zu münden, nervt auf die Dauer einfach. Der Sound ist so
konstant, wie es die Vocals sind, nämlich alles andere
als das. Bei der Vielzahl von Elementen, die TIME HAS COME
verwursten, ist es nicht verwunderlich, dass die Songs zu komplexen,
teilweise sperrigen Ungetümen reifen, die sich nicht an
Tempo oder Geradlinigkeit messen lassen. Da trifft dann bspw.
ein stampfender Beat auf Atari und C64 Tönen der 80er,
um dann auch schon wieder im Noise zu münden. Aus einer
gelegentlichen Circle-Pit Stimmung wird man durch Tempoverschärfungen,
-drosselungen oder aufkeimender Melodie rauskatapultiert, um
zu staunen oder sich eine Gerstenkaltschale an der nächsten
Theke zu holen. Die Grundstimmung die White Fuzz
dabei allerdings vermittelt ist immer gleich: Abgefahren, aggressiv,
quälend mit leichten Lockerungsübungen in der Harmonie.
Interessant ist das allemal, für meine Ohren aber auch
sehr anstrengend zu hören. Da muss man definitiv Fan von
sein.