Wie
man heidnische Metal auch ohne genrefremde Instrumente, Synthies
(ok, im letzten Song gibt’s ein paar davon), Chöre
etc. auch interpretieren kann, zeigen die aus Estland stammenden
THARAPHITA auf ihrem mittlerweile vierten Album (die
Band ist bereits seit Ende der 90er aktiv) namens Iidsetel
Sünkjatel Radad doch recht ordentlich. Statt wie
andere Bands relativ bombastisch an die Sache heranzugehen,
kommen THARAPHITA angenehm wild, aggressiv und irgendwie
frisch rüber. Frisch vor allem deshalb, weil man den sieben
enthaltenen Songs schon eine gewisse Stürmigkeit und vor
allem Spielfreude anhört. Musikalisch werden nicht wirklich
frische oder neue Pfade betreten, setzen THARAPHITA auf
Iidsetel Sünkjatel Radad doch eher auf eine
räudigen old school lastigen Sound der etwas Heavy Metal
mit einer großen Dosis polternden Black und Thrash kombiniert,
dabei aber gleichzeitig den ursprünglichen, heidnischen
Spirit im Stile Moonsorrows Verisäkeet mitbringt. Letzterer
jedoch in komprimierter Form, da die Songs allesamt zwischen
fünf bis sieben Minuten pendeln und keine Tracks mit Überlänge
zu finden sind.
Die Songs gehen allesamt verdammt gut ins Ohr und schon nach
den ersten Takten wippt zuerst der Fuß mit, Kopfnicken
setzt ein und schließlich bangt und kreischt man lauthals
mit. Auch wenn man bei den komplett in Landessprache gehaltenen
Texten nicht wirklich weiß, was man denn da kreischt.
Macht aber nix – auf jeden Fall ist’s kämpferisch,
hehe.
Iidsetel Sünkjatel Radad macht wirklich Laune.
Ein wenig wirkt das Album auf mich so, als ob Kreator, Nocturnal
Breed und Bewitched beschlossen hätten, sich etwas von
der Epik Pagan Metal’ scher Riffs und ne Akustikklampfe
zu stibitzen um damit ihren Sound zu garnieren.
Gut – sonderlich viel Abwechselung bekommt man auf Iidsetel
Sünkjatel Radad nicht unbedingt geboten, aber die
Spielfreude steckt wirklich an und die vereinzelte Akzente setzenden
Akustikgitarren lockern das allgemein hin sehr nach vorne preschende
Songmaterial angenehm auf.
Mir persönlich sagen THARAPHITA wirklich ziemlich
zu. Besonders gut gefällt mir die Tatsache, dass im Gegensatz
zu entweder sehr erhabenen oder sehr zerstörerischen Alben
des Pagan Metal Genres hier so was wie räudiger „Fighting
Spirit“ aufkommt. Nicht dass ich nicht auf Epik und Bombast
abfahre, aber so eine feine Hau Drauf Scheibe wie Iidsetel
Sünkjatel Radad, die sowohl wüst und archaisch
als auch dezent heidnisch daherkommt ist schon irgendwie ne
sehr lässige Sache. Die Spielzeit von knapp 37 Minuten
ist zwar jetzt nicht so sehr value for money, aber was soll’s
– hör ich se halt zweimal hintereinander. In diesem
Fall braucht’s einfach nicht mehr.
Kurzum: Das Album macht einfach tierisch Bock!