Ich muss zugeben, dass ich zunächst Vorbehalte hatte, was TWO FACE SINNER anging: Black/Death Metal ist nicht gerade die Art von Musik, die man ausgerechnet aus Südamerika erwartet (so ist die Band auch die einzige südamerikanische bei ihrem Label Non Serviam Records). Noch dazu heißt es im Pressetext, die Mitglieder rekrutierten sich zum Teil aus einer Band mit dem klangvollen Namen Anal Vomit (was mich instinktiv eher an pubertären Grindcore denken ließ ;)).
Die Musik jedoch machte diese Vorbehalte relativ schnell vergessen: Vom ersten Takt an ist Spiritual Nemesis ein energiegeladener Mix aus Black Metal nordischer Tradition und old-schooligen Death Metal, der an die guten alten 90er erinnert. Anders als man es oft hört, beschränken sich TWO FACE SINNER nicht auf einen durchgängigen "Blend" aus den beiden Stilrichtungen, sondern variieren die einzelnen Tracks hinsichtlich der Anteile recht häufig.
Am ehesten fällt das auf, wenn man die beiden Stücke God Sun und God Of The Masses gegenüberstellt: Ersteres beeindruckt mit massiven, gelegentlich von heftigem Blastbeat durchbrochenen Midtempo Riffs und dominierenden Growls. God Oft The Masses hingegen hämmert von der erste Sekunde mit an Marduk erinnernder Brutalität los und gönnt sich nur kurze Verschnaufpausen. Die anderen Tracks bewegen sich zwischen diesen beiden Extremen und sind durchgängig von hoher Qualität. Sowohl das punktgenaue, stets treibende Schlagzeug, aber auch die Gitarren mit sowohl (und überwiegend) kraftvoll-brutalen Riffs als auch gelegentlichen eingängigen Melodien und Hook Lines beeindrucken. Eine weitere Nummer möchte ich hier noch gesondert hervorheben: Mother Of Death ist der würdige Abschluss dieses Albums, bei dem TWO FACE SINNER es nach einigen Glockenschlägen zunächst langsam angehen lassen, bevor das Stück in eindrucksvolle Raserei mündet, nur um danach – nach gut 45 Minuten brutalem Black/Death Metal unerwarteten – in knapp zwei Minuten mit schlicht und einfach schöner Gitarrenmelodie auszuklingen.
Wenn ich an dem Album überhaupt etwas auszusetzen habe, dann ist es der – zumindest im Vergleich zu den Growls – etwas "schwächlich" abgemixte harsche/schwarzmetallische Gesang. Da hätte ich mir etwas mehr „Power“ gewünscht. Alles in allem haben sich die fünf Jahre, die sich die Jungs aus der peruanischen Hauptstadt mit Spiritual Nemesis Zeit gelassen haben, jedoch absolut gelohnt. Für jeden Fan des Genres eine dringende Empfehlung!